Nein zu Waldwochen in Michelstädter Kita

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Nein, ein Teil der Eltern will nicht, dass die Kinder ihre Exkremente in einem Loch einbuddeln, und auch sonst gibt es viel Kritik am derzeitigen Waldkindergartenprinzip der Kita Bienenschwarm in Michelstadt.

„Es gibt Kinder, die von ihren Eltern bewusst nicht in den Kindergarten gebracht werden, wenn die Waldwochen anstehen“, sagt ein Elternteil. Rund 60 Prozent würden deshalb regelmäßig fehlen. „Ein verlässlicher Prozentsatz kann nicht genannt werden“, sagt jedoch Bürgermeister Dr. Tobias Robischon dazu. Auch wegen Krankheit und Urlaub seien nie alle Kinder da.

Wegen Corona wurden die vier Kita-Gruppen mit insgesamt 100 Kindern zur Hälfte aufgeteilt, ein Teil ging für zwei Wochen in den Wald, zum Ponyhof in Michelstadt, der andere Teil verblieb im Gebäude.  

Inzwischen sei das Konzept angesichts der Kritik der Eltern angepasst worden, so Robischon: „Seit dem 6. Dezember wird nach dem sogenannten 3:1-Konzept verfahren, es ist also nur eine Gruppe eine Woche lang im Wald.“ Alles kein Problem, sofern es abgestimmt ist, war es nur nicht.

Laut einem Teil der Elterninitiative ist der Wechsel hin zu diesem waldpädagogischem Ansatz mit zweiwöchigem Aufenthalt im Wald über die Köpfe der Eltern von der Kita-Leitung entschieden worden. Aus vereinzelten Waldtagen, die es vor Corona bereits gab und begrüßt wurden, wurden ungeliebte Waldwochen.

Es gäbe auf dem Waldstück kein fließend warm Wasser, zugleich wären die Kinder während des letzten großen Sturms draußen gewesen, obwohl dies nicht erlaubt sei. „Ein Tipi ist alles, was die Kinder zum Schutz haben“, erzählt ein Elternteil. „Als Schutzraum bei Nässe und Kälte wird das Kaminzimmer des CVJM-Camps unweit des Geländes genutzt“, sagt wiederum Robischon, der um die Brisanz des Themas weiß.

„In der Kita Bienenschwarm besteht seit Sommer 2021 ein Konflikt, der sich um das waldpädagogisch inspirierte Coronaschutzkonzept (Waldwochen) dreht und nun in die mediale Öffentlichkeit getragen worden ist. Die Differenzen sind gravierend, sie werden von Verwaltung und Bürgermeister sehr ernst genommen“, heißt es aus dem Rathaus. Zudem zweifelt die Elternschaft an, dass es für den Kitabetrieb in dem Waldgebiet eine Nutzungserlaubnis, geschweige denn eine Genehmigung für das Feuer gibt.

Robischon kontert: „Das Grundstück befindet sich am Waldrand, es handelt sich um ein ehemals bebautes Gelände der Gaststätte Ponyhof. Die Fläche am Ponyhof gehört zum Eigentum der Stadt Michelstadt, der umgebende Stadtwald ebenfalls. In unmittelbarer Nähe besteht seit vielen Jahren der Waldkindergarten Laubfrosch. Seitens der Stadt Michelstadt bestehen keine Bedenken gegen eine Nutzung des Geländes durch Kindergartengruppen.“ 

Eine Teil der Eltern der Bienenschwarm-Kinder kritisiert weiter: Die Anzahl der Kinder im Wald sei mit anfangs über 40 zu hoch gewesen. Dies bestreitet Robischon und gibt die maximale Kinderanzahl der Gruppe mit rund 22 an, 20 seien  maximal erlaubt.  

Auch sei die Sicherheit der Kinder nicht gewährleistet, sagt ein Mitglied der Elterninitiative. „Das Feuer ist nicht abgesichert, meine Kinder sind öfter mit angesengter Kleidung nach Hause gekommen.“  Außerdem sollen die Kinder vermehrt husten, „unglaublich nach Rauch stinken“.  Ein ausreichender Rauchabzug sei jedoch vorhanden, erwidert Robischon.

Wie wird es nun weitergehen? Gegenüber dieser Redaktion äußerte  Robischon, dass es eine umfangreiche, neu erarbeitete Konzeption für die Kita gäbe. „Es gibt traditionell immer schon Waldtage in der Kita. Das ist pädagogisch sehr gut begründet. Es wird auch zukünftig Waldtage geben, aber es ist kein Waldkindergarten.“ Es sei jedoch eine „kritische Gemengelage“ derzeit, sodass abzuwarten bleibt, ob sich die Eltern mit der Kita-Leitung und der Stadt einigen können, bevor der neue Kindergartenbau, der im Herbst fertiggestellt sein soll, bezogen wird. 

Dieser „massiven Vertrauenskrise“, wie es Robischon umschreibt, sei nur mit Gesprächen zu begegnen, die zuletzt am Dienstag (18.1.) geführt worden sind. Einvernehmlich und produktiv soll das Gespräch gewesen sein, sagte ein Teilnehmer. „Ich habe ein positives Gefühl“, wurde nach dem Treffen geäußert. Eine Komposttoilette sei geplant, eine Löschdecke für das Feuer organisiert, offene Fragen seien geklärt worden. Die Gespräche gehen weiter. Sandra Breunig

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