Folgen der Gasknappheit im Odenwald

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Foto: Clarissa Yigit

Seit Montag, 11. Juli steht sie nun erst mal für zehn Tage still: die Gasversorgung über die Ostseepipeline Nord Stream 1. Wie es danach weitergeht, ist noch ungewiss. Falls die dritte Notfallstufe durch die Bundesregierung ausgerufen werde, müsste die Bundesnetzagentur Gas rationieren und nur noch bestimmten Verbrauchern zuweisen.

Wie gut ist die örtliche Infrastruktur auf einen Mangel vorbereitet?

Wie der Pressesprecher des Odenwaldkreises, Stefan Töpfer, auf Nachfrage der Redaktion erklärt, laufen bereits Gespräche, wie mit den Kreisliegenschaften – zu denen auch die Schulen gehören – ab den Sommerferien umgegangen werde. Details konnte er aber hierzu noch nicht nennen. Auch sei eine autarke Energieversorgung eine begrüßenswerte Maßnahme, äußerte sich Töpfer weiter. Das Berufliche Schulzentrum Odenwaldkreis, die Theodor-Litt-Schule in Michelstadt sowie die Campushallen seien bereits an ein gemeinsames Nahwärmenetz gekoppelt. Zudem seien zwei Schulen im Odenwaldkreis an das Nahwärmenetz im Bio-Energiedorf Breuberg/ Rai-Breitenbach angeschlossen. Ute Eckert – im Vorstand des Bioenergiedorfes – ergänzt, dass rund 130 Haushalte an das Netz angeschlossen seien. Photovoltaikanlagen und ein Biomasseheizkraftwerk – bestehend aus zwei Holzschnitzelanlagen – erzeugen für die Verbraucher die nötige Energie.

Michelstädter Bürgermeister und Energieversorger Entega sind optimistisch

Nach gegenwärtiger Einschätzung seien zunächst keine Schließung von Bädern oder anderer Einrichtungen geplant, äußerst sich Tobias Robischon, Bürgermeister von Michelstadt. „Das Michelstädter Freibad wird über eine Solarthermieanlage, also Sonnenenergie, beheizt. Das Hallenbad wird von einem Blockheizkraftwerk betrieben. Hier ist die Quelle Gas. Es sind allerdings bereits Überlegungen im Gespräch, dieses technisch zu optimieren,“ führt Robischon aus. Ob es im Nachhinein doch zu Schließungen käme, entscheide sich auf Landes- oder Bundesebene. „Wir gehen gegenwärtig davon aus, mit Mehrkosten und Einsparungen durch den Winter zu kommen“.

„Kein Grund in Panik zu geraten. Wir haben Verträge mit Zwischenlieferanten, die ihre Verträge erfüllen müssen“, beruhigt auch Entega-Sprecher Michael Ortmanns. Er fügt hinzu, dass die Entega sehr früh gesagt habe, sie setze auf die Energiewende. Das Unternehmen sei schon früh atomstromfrei gewesen.

Handel und Industrie auch eher entspannt

Matthias Brand vom gleichen Unternehmen in Erbach meint dazu: „Die Energieknappheit kommt ja nicht überraschend. Wir sparen schon lange bei jeder Kilowattstunde.“ So habe das Unternehmen bereits seit Jahren auf Photovoltaik gesetzt und eine große Anlage in Betrieb. Hiermit nutze das Unternehmen den Strom selber oder speist es in das Stromnetz ein. Auch wurden alle Lampen auf LED umgerüstet und das Gebäude komplett wärmegedämmt. „Wir sind auch auf Gas und Strom angewiesen,“ erklärt er weiter.

Die Pressestelle des Reifenherstellers Pirelli in Breuberg gibt sich ebenfalls optimistisch. So habe es bisher „noch keine Probleme bezüglich der Energieversorgung“ gegeben, wie die Leiterin der externen Kommunikation, Julia Valenzuela-Bock auf Nachfrage mitteilt. Falls es dennoch zu Engpässen in der Gasversorgung käme, sei das Unternehmen bereits darauf vorbereitet. Die Umstellung des Werks auf weniger kritische Brennstoffe als Erdgas, die Aktivierung eines Versorgungsnetzes für diese Brennstoffe und deren entsprechende Lagerung sowie die Aufstockung der Lagerbestände für die kritischsten Produkte seien Maßnahmen, die dann greifen würden, um Kunden zu schützen und mögliche Auswirkungen der Engpässe abzumildern.

Keine Gasknappheit bei Flüssiggas

Grillfreunde können beruhigt sein. „Bei Propangas besteht kein Engpass. Es kann höchstens sein, dass es teurer wird“, erläuterte Kai Knapp, einer der Geschäftsführer der Knapp Gase KG in Michelstadt. Das Flüssiggas, das das Michelstädter Unternehmen bezieht, werde hauptsächlich aus Bohrinseln in der Nordsee als auch Raffinerien aus Holland gewonnen. Einzig könne es passieren, dass es demnächst keine Gasflaschen mehr gebe. „Die Leute denken, es gibt bald kein Flüssiggas mehr, daher bunkern sie dieses.“

Clarissa Yigit

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