Cyberangriff auf Entega in Darmstadt bringt fatale Konsequenzen für den Odenwald mit sich

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Foto: Symbolfoto von Gerd Altmann auf pixabay.com

Am Sonntag (12. Juni) wurde der Energieversorger Entega wie auch das dazugehörige Tochterunternehmen Count + Care, beide mit Sitz in Darmstadt – von einem Cyberangriff getroffen. Count + Care fungiert für die Entega als Internetdienstleister. Jedwede Internetkommunikation läuft hierüber. Das eigentliche Ziel seien angeblich deren Server gewesen. 

Die Angreifer haben die rund 2.000 E-Mail-Konten der Mitarbeiter wie auch die Zugänge zum Internet außer Gefecht gesetzt. Kundendaten seien wohl nach bisherigem Kenntnisstand nicht betroffen. Auch sei die Strom-, Gas- und Wasserversorgung gesichert. „Die E-Mail-Konten sind seit Sonntag verschlüsselt“, äußert sich Entega-Sprecher Michael Ortmanns auf Nachfrage des Odenwälder Journals. „Die Daten liegen alle auf den Servern der Count and Care“, heißt es weiter.

Auf Grund dieses Angriffs sind zudem die Odenwald Regionalgesellschaft (Oreg) in Michelstadt, der Müllzweckverband (MZVO) in Brombachtal wie auch etliche Verwaltungen im Odenwaldkreis nur noch eingeschränkt funktionsfähig, so zum Beispiel Bad König, Breuberg, Brensbach, Höchst, Lützelbach und Mossautal. aber auch das Darmstädter Immobilienunternehmen Bauverein AG, die Frankfurter Entsorgungs- und Service-Gruppe (FES) sowie die Mainzer Stadtwerke.

Oreg ist über alternative E-Mail-Adressen wieder erreichbar

„Die wollten direkt die Entega treffen und haben uns mitgetroffen“, ist sich Marius Schwabe, Geschäftsführer der Oreg, sicher. Zudem sei der Fall bereits beim Datenschutzbeauftragten angezeigt worden, erklärt er weiter. Um die Kommunikation schnellstmöglich wieder aufnehmen zu können, hat die Oreg kurzerhand einen Business-Account beim Internetanbieter „Ionos“ erstellt und auf diesem Wege alternative E-Mail-Adressen herausgegeben. Denn auch hier laufen der klassische Zugang ins Internet wie auch die E-Mail-Adressen über den Darmstädter Internetdienstleister Count + Care. „Auf Grund von Corona und den Homeoffice-Zeiten besitzen unsere Mitarbeiter in der Regel mobile Endgeräte und zu Hause einen funktionierenden Internetanschluss“, erläutert der Oreg-Geschäftsführer weiter. Somit sei die reibungslose Weiterarbeit des Unternehmens gesichert. Auf die Nachfrage, ob es nicht sinnvoller sei, nicht alles über einen Anbieter laufen zu lassen, entgegnet Schwabe, dass dies damals mit Absicht so gewählt wurde, um „ein in sich geschlossenes System zu haben“. So sei die Chance nicht so groß, dass etwas von außerhalb abgefangen werde. „Wir gehen davon aus, wenn die Verschlüsselungen aufgehoben sind, dass keine Daten abhandengekommen sind und alle Dienste wieder zur Verfügung stehen“, ist Schwabe zuversichtlich.

Der Betrieb der MZVO läuft auch ohne E-Mail Adressen

Stephan Kelbert, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Michelstadt, äußert sich zur Situation bei der MZVO. „Wir haben uns geholfen. Wir telefonieren zurzeit mit dem Handy“, erklärt er. Die ganze Organisation laufe dort über die Oreg. So habe die MZVO wohl noch keine alternative E-Mail-Adressen von dort erhalten. „Wir sind der kleinere Fisch“, aber man arbeite daran. Die Müllentsorgung sei allerdings gewährleistet, erläutert Kelbert weiter.

Erbach ist wieder am Netz

Die Pressesprecherin der Kreisstadt Erbach, Theresa Ohl, erklärt, dass fast alle Systeme wieder laufen. „Nur Outlook und die EC-Kartenzahlung gehen noch nicht. Die Telefone gingen die ganze Zeit über“, beschreibt sie. Marco Zang (IT-Erbach) erläutert, dass die momentane Kommunikation mit Hilfe einer VPN-Leitung über eine andere Kommune (die nicht von dem Angriff betroffen ist und aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden darf) hergestellt wurde. Diese VPN-Leitung gehe direkt zur ecom21 nach Darmstadt, ohne die Leitung von Count + Care nutzen zu müssen. Der Provider sei dennoch Entega. Eingerichtet habe diese Umgehungsleitung die SCV GmbH aus Michelstadt. „Der E-Mail-Server ist aus Sicherheitsgründen komplett abgeschaltet worden“, erklärt Zang weiter. Daher funktioniere auch Outlook nicht. Auch hier sei man um alternative E-Mail-Adressen bemüht. Zudem sei in Erbach schon länger die Überlegung, zwei Internet-Leitungen als auch verschiedene Provider parallel zu nutzen, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen. 

Clarissa Yigit 

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