Trockenheit gefährdet die Natur – was geschieht im Odenwald?

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Foto: René Schneider

Zwei Waldbrände am Sonntag (19.06.) mit circa 200 m² Fläche in Michelstadt und 1000 m² in Höchst könnten erste Anzeichen eines eventuell bevorstehenden trockenen Sommers im Odenwald sein. Aufgrund der heißen Temperaturen und wenig Niederschlag mehrt sich zunehmend die Waldbrandgefahr, etwa durch Grillen oder weggeworfene Zigarettenstummel. Aber auch Brandstifter haben unter diesen Bedingungen leichtes Spiel. Daher proben die Feuerwehren bereits den Ernstfall.

Wetter ändert sich erst einmal kaum

Hubertus Volk, Betreiber der Wetterstation in Michelstadt, ist eher skeptisch, dass die Temperaturen sinken. Zwar habe es eine kurze Änderung der Windrichtung gegeben, allerdings erwarte er höchstens ein paar Schauer mit Gewittern. „In den nächsten Tagen wird es wieder hochsommerlich warm bei 26 bis 31 Grad“, ergänzt Volk.

Auch das Umweltministerium warnt auf der Internetseite von hessen-forst.de aufgrund des vorhergesagten heißen Wetters und ausbleibender Niederschläge vor erhöhter Waldbrandgefahr in Hessen. So bestehe nach aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes flächendeckend mittlere bis lokal sehr hohe Waldbrandgefahr. Niederschläge, die zur Entspannung der Situation führen könnten, seien vorerst nicht in Sicht (Quelle: hessen-forst.de; Stand 15. Juni). Steffen Hering vom Forstamt in Michelstadt warnt daher eindringlich davor, bei solch trockenen Wetterbedingungen im Wald vor Rauchen oder Grillen. Auf Nachfrage der Redaktion, ob das Hessische Forstamt die Waldwege regelmäßig ablaufe, erklärt er klar: „Nein, das können wir nicht.“

NABU sieht Gefährdung für Tiere auf Grund enormer Temperaturen

Aber nicht nur die Waldbrandgefahr steigt; auch Tiere und Pflanzen haben unter den extremen Wetterbedingungen zu kämpfen. „Die Wiesen sind gemäht, das wirkt für mich wie im August. Hier kommt nichts nach für Insekten“, äußert sich die erste Vorsitzende des Naturschutzbund (NABU) Odenwaldkreis, Martina Limprecht. „Vögel wie der Mauersegler, die unter dem Dach brüten, springen bei großer Hitze daher lieber aus ihrem Nest“, ergänzt sie.

Auch Amphibien würden sehr unter der Trockenheit leiden und sich lieber verkriechen. „Wasserschalen aufstellen, auf Boden und Mauern“, sowie Strukturen schaffen, also Büsche, Bäume, Blumen pflanzen und Totholz als auch Blätterhaufen liegen lassen, rät die Naturschützerin. Somit fänden Tiere nicht nur Nahrung, sondern auch Schatten bei der Hitze.

André Berger, Vertreter des Gärtnereiverbandes und Inhaber der Gärtnerei Berger in Oberzent blickt eher optimistisch in Richtung Hochsommer. „Der Bereich Zierpflanzen-Bau ist nicht betroffen; nur der Freilandgemüseanbau. Hier wird aber schon seit Jahren viel mit Bewässerungsanlagen gearbeitet“, erklärt der Fachmann. Auch sei die Hitze nicht das eigentliche Problem, sondern eher die langanhaltende Trockenheit. Wenn diese weiterhin andauere, könne sich das letztendlich auch im Preis niederschlagen. Auch die Bauern in den umliegenden Gegenden leiden unter den extremen Temperaturen. Kreislandwirt Hans Trumpfheller beschreibt, dass gerade im Odenwald nicht viel gegen die hohen Temperaturen unternommen werden kann.

Bauern hoffen auf Regen

„Für meine Ziegen war es in den letzten vier Tagen im Stall schöner als draußen“, erklärt der Bio-Bauer. Auf den Feldern sei das Gras gegen Mittag bereits viel zu aufgewärmt und nicht mehr knackig. „Wir können nur dafür sorgen, dass die Tiere auf der Weide genug Schatten und Wasser haben“, sagt Trumpfheller weiter. Der Landwirt melkt seine Tiere zweimal täglich und meint dazu: „Natürlich habe ich dabei Leistungseinbußen.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass die Tiere zugefüttert werden müssen, wenn die Wiesen nichts mehr hergeben. „Das kostet Geld“, ergänzt er.

Die Getreidebauern im Odenwald, beschreibt er weiter,  seien nicht in der Lage, so viel zu bewässern, wie beispielsweise im Ried. „Der Odenwald ist ein benachteiligtes Gebiet.“ Dafür seien die  Pflanzen hier „härter im Nehmen“, also nicht so ertragreich, dafür aber robuster. „Viele Landwirte haben bereits Heu gemacht und hoffen auf Regen. Wenn es jetzt nicht regnet, brennt der Boden aus“, prognostiziert Trumpfheller abschließend.

Clarissa Yigit

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