Thomas Pfeifer

1. Was sind die drei wichtigsten Projekte, die Sie im Rathaus anpacken würden – trotz der angespannten Haushaltslage?
An erster Stelle steht für mich die Haushaltskonsolidierung. Nur wenn wir unsere Ausgaben kritisch prüfen, Prioritäten setzen und Einsparpotenziale nutzen, gewinnen wir wieder den finanziellen Spielraum, um wichtige Projekte für unsere Gemeinde umzusetzen.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die stärkere Einbindung unserer Jugendlichen. Ich möchte ein Jugendparlament schaffen, das mehr ist als ein symbolisches Gremium. Junge Menschen sollen bei Themen, die sie unmittelbar betreffen, frühzeitig beteiligt werden und mit ihren Ideen Gehör in den politischen Gremien finden.

Als drittes sehe ich die Sicherung der ärztlichen Versorgung als zentrale Zukunftsaufgabe. Die Nachfolge unserer Hausärzte darf nicht dem Zufall überlassen werden. Als Bürgermeister würde ich aktiv auf angehende Mediziner zugehen und direkt an den Universitäten für unseren Standort werben und attraktive Rahmenbedingungen für Ärzte und ihre Familien schaffen.

2. Thema Gewerbe: Wie wollen Sie das Einkaufen in Reichelsheim und seinen Ortsteilen attraktiver machen?
Der Einzelhandel hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Es wäre nicht ehrlich zu versprechen, dass die Zeit der vielen kleinen Geschäfte einfach zurückkehrt. Umso wichtiger ist es, neue Wege zu gehen.

In Reichelsheim gibt es viele engagierte Bürgerinnen und Bürger, die bereits heute Verantwortung für ihren Ort übernehmen. Der Umsonstladen, der Second-Hand-Laden „DRK-Lieblingsstücke“ oder das Reparaturcafé zeigen, wie viel Initiative, Kreativität und Gemeinschaftssinn in unserer Gemeinde steckt. Diesen Einsatz möchte ich aktiv unterstützen.

Mein Ziel ist eine lebendige Ortsmitte, die nicht nur vom Einkaufen lebt, sondern auch von Begegnung, Austausch und regionalem Engagement. Die Gemeinde sollte Ideen ermöglichen, Akteure vernetzen und dabei helfen, Leerstände sinnvoll zu nutzen.

Denn wo Menschen gerne Zeit verbringen und zusammen kommen, entstehen neue Impulse. Ein belebter Ortskern wird auch für neue Geschäfte, Dienstleistungen und gastronomische Angebote wieder attraktiver. So können wir die Zukunft unserer Ortsmitte gemeinsam gestalten.

3. In Reichelsheim arbeiten vier Ärzte, die jeweils über 60 Jahre alt sind. Wie wollen Sie deren Nachfolge sichern, um die medizinische Versorgung der Gemeinde auch in Zukunft zu gewährleisten?
Die Sicherung der ärztlichen Versorgung ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für Reichelsheim. Angesichts des Alters unserer Hausärzte dürfen wir nicht darauf warten, dass sich irgendwann Nachfolger melden. Wir müssen frühzeitig aktiv werden.

Ich möchte gemeinsam mit den bestehenden Ärzten rechtzeitig Nachfolgelösungen entwickeln und aktiv an Universitäten für den Standort Reichelsheim werben. Dabei geht es nicht nur um Praxisräume, sondern um die Frage, warum junge Mediziner ihr Leben hier aufbauen möchten.

Reichelsheim hat viel zu bieten: eine hohe Lebensqualität, ein familienfreundliches Umfeld und eine starke Gemeinschaft. Die Gemeinde sollte junge Ärzte und ihre Familien beim Ankommen unterstützen, etwa bei der Wohnungssuche, der Kinderbetreuung und bei organisatorischen Fragen rund um eine Praxisübernahme.

Mein Ziel ist es, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern, damit die Menschen in Reichelsheim auch in Zukunft wohnortnah ärztlich versorgt werden.

4. Wie kann man das Areal der ehemaligen Göttmann-Klinik sinnvoll und effizient nutzen?
Das Areal der ehemaligen Göttmann-Klinik bietet großes Potenzial für die Zukunft unserer Gemeinde. Die größte Herausforderung besteht derzeit darin, den bestehenden Stillstand zu überwinden.

Ich bin überzeugt, dass wir hierfür Investoren und Entwicklungspartner brauchen, damit die Gemeinde nicht zusätzlich finanziell belastet wird. Die Interessen des Eigentümers und die Interessen der Gemeinde sind bislang offensichtlich nicht zusammengekommen. Deshalb möchte ich aktiv das Gespräch mit den Eigentümern suchen und gemeinsam nach Wegen suchen, wie eine Entwicklung des Geländes wirtschaftlich attraktiv werden kann. Ziel muss es sein, Perspektiven zu schaffen, die sowohl für die Eigentümer als auch für die Gemeinde sinnvoll sind.

Das wird keine einfache Aufgabe. Aber die Alternative kann nicht sein, das Gelände weiter verfallen zu lassen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Bürgermeister zu sein bedeutet für mich, Herausforderungen aktiv anzugehen und Menschen an einen Tisch zu bringen, damit in festgefahrenen Situationen wieder Bewegung entsteht.

Welche konkrete Nutzung am Ende die beste ist, sollte in einem offenen Entwicklungsprozess geprüft werden. Entscheidend ist für mich, dass das Gelände wieder eine Zukunft bekommt und einen Mehrwert für Reichelsheim schafft.

5. Warum sind genau Sie – und nicht Ihre drei Mitbewerber – der richtige Bürgermeister für die kommenden Jahre?
Mein Motto für den Wahlkampf ist: „einer von uns”. Ich bin kein Kandidat, der für dieses Amt hierherkommt. Ich lebe hier, begegne den gleichen Herausforderungen wie viele andere Bürgerinnen und Bürger und habe die gleichen Wünsche an die Zukunft unserer Gemeinde. Deshalb weiß ich aus dem täglichen Leben vor Ort was die Menschen bewegt.

Mit 61 Jahren bringe ich einiges an Lebenserfahrung mit: Ich habe als Betriebsratsvorsitzender ein Unternehmen von 60 auf über 230 Beschäftigte begleitet, als Mediator Konflikte gelöst, als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Darmstadt und jetzt in Frankfurt am Landesarbeitsgericht, Recht gesprochen, und als Sprecher der Privatbahnen die Interessen von rund 20.000 Beschäftigten vertreten. Das ist gelebte Verantwortung für Menschen.

Ich setze auf frühes Handeln statt Abwarten, auf direkte Gespräche mit allen Beteiligten, das Einbinden der Bürgerinnen und Bürger und auf das konsequente Suchen nach Lösungen, auch wenn diese nicht immer sofort ersichtlich oder einfach sind.

Reichelsheim braucht keine Verwaltung des Bestehenden, sondern jemanden, der gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Unternehmen Bewegung in wichtige Zukunftsfragen bringt.

Das ist mein Antrieb für diese Kandidatur.

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