1. Was sind die drei wichtigsten Projekte, die Sie im Rathaus anpacken würden – trotz der angespannten Haushaltslage?
Auch in einer finanziell angespannten Situation gibt es Bereiche, die für mich höchste Priorität haben.
Erstens möchte ich das Ehrenamt stärken. Unsere Vereine, Feuerwehren, Kirchen und Initiativen leisten einen unschätzbaren Beitrag für den Zusammenhalt in Reichelsheim. Sie verdienen einen Bürgermeister, der zuhört, unterstützt und Hindernisse aus dem Weg räumt.
Zweitens steht für mich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt. Die Menschen haben ein Recht darauf zu wissen, warum Entscheidungen getroffen werden. Ich möchte regelmäßig informieren, den Dialog suchen und die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einbinden.
Drittens möchte ich die Gemeindeverwaltung noch bürgerfreundlicher und dienstleistungsorientierter aufstellen. Die Verwaltung muss Partner der Bürgerinnen und Bürger sein. Dazu gehören kurze Wege, verständliche Abläufe, mehr Digitalisierung und eine Kultur des Ermöglichens statt des Verhinderns.
Das Gute daran: Diese drei Schwerpunkte kosten nicht automatisch viel Geld. Sie hängen vor allem von Haltung, Führung und einer klaren Ausrichtung des Rathauses ab. Genau dafür möchte ich als Bürgermeister stehen.
2. Thema Gewerbe: Wie wollen Sie das Einkaufen in Reichelsheim und seinen Ortsteilen attraktiver machen?
Reichelsheim besteht nicht nur aus der Kerngemeinde, sondern aus vielen lebendigen Ortsteilen. Deshalb müssen wir das Thema Einkaufen und Nahversorgung immer für die gesamte Gemeinde betrachten.
Mir ist wichtig, vorhandene Angebote zu erhalten und zu stärken. Das betrifft Geschäfte in der Kerngemeinde genauso wie den Bäcker, Hofläden, Selbstvermarktungsangebote und weitere Nahversorger in den Ortsteilen. Gerade unsere Direktvermarkter leisten einen wichtigen Beitrag für regionale Wertschöpfung, kurze Wege und eine nachhaltige Versorgung.
Hier kann die Gemeinde unterstützen, indem sie regionale Anbieter stärker sichtbar macht und vernetzt. Denkbar sind beispielsweise gemeinsame Vermarktungsaktionen, regelmäßige Regionalmärkte oder ein Einkaufs- und Genussführer, der die vielfältigen Angebote in Reichelsheim und seinen Ortsteilen präsentiert.
Gleichzeitig sehe ich großes Potenzial in einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Direktvermarktern, Gastronomie und touristischen Betrieben. Regionale Produkte aus Reichelsheim sollten noch stärker auf Speisekarten, bei Veranstaltungen und in Ferienunterkünften präsent sein – ganz nach dem Motto: „Aus Reichelsheim für Reichelsheim.“
Eine weitere Idee sind regionale Präsentkörbe oder Geschenkpakete mit Produkten unserer örtlichen Anbieter. Damit können wir nicht nur unsere Direktvermarkter unterstützen, sondern auch die Vielfalt und Qualität unserer Heimat nach außen tragen.
Wichtig ist mir außerdem der regelmäßige Austausch mit Handel, Handwerk, Gastronomie, Landwirtschaft und den Akteuren in den Ortsteilen. Die Gemeinde kann wirtschaftlichen Erfolg nicht verordnen, aber sie kann Impulse setzen, vernetzen und als verlässlicher Partner unterstützen.
Mein Ziel ist es, die Kaufkraft möglichst in Reichelsheim zu halten und dafür zu sorgen, dass die Menschen sowohl in der Kerngemeinde als auch in den Ortsteilen attraktive Angebote vorfinden. Denn wer die Ortsteile stärken will, muss auch ihre Nahversorgung stärken. Jeder Euro, der vor Ort ausgegeben wird, stärkt unsere Gemeinde.
3. In Reichelsheim arbeiten vier Ärzte, die jeweils über 60 Jahre alt sind. Wie wollen Sie deren Nachfolge sichern, um die medizinische Versorgung der Gemeinde auch in Zukunft zu gewährleisten?
Die medizinische Versorgung ist für mich eines der wichtigsten Zukunftsthemen für Reichelsheim. Gerade weil mehrere unserer Hausärzte in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen werden, müssen wir uns bereits heute mit möglichen Nachfolgelösungen beschäftigen.
Dabei muss man ehrlich sagen: Ein Bürgermeister kann keinen Arzt einstellen und auch keine Praxisnachfolge anordnen. Was er aber tun kann, ist die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, Kontakte knüpfen und Prozesse aktiv begleiten.
Als Bürgermeister würde ich frühzeitig das Gespräch mit den Ärztinnen und Ärzten suchen, um deren Planungen zu kennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wichtig ist dabei eine enge Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Odenwaldkreis, den bestehenden Praxen und potenziellen Nachfolgern.
In meinem Wahlprogramm habe ich deshalb die Sicherung der medizinischen Versorgung als zentrales Ziel verankert. Reichelsheim muss als attraktiver Wohn- und Arbeitsort wahrgenommen werden. Dazu gehören gute Kinderbetreuung, Schulen, Freizeitangebote, eine funktionierende Infrastruktur und eine lebendige Gemeinschaft. Denn wer eine Praxis übernimmt, entscheidet sich oft nicht nur für einen Arbeitsplatz, sondern für einen Lebensmittelpunkt.
Darüber hinaus sollten wir prüfen, wie die Gemeinde unterstützen kann – beispielsweise bei der Suche nach geeigneten Praxisräumen, bei Genehmigungsprozessen oder bei der Vernetzung mit Vermietern und anderen Akteuren. Auch moderne Versorgungsformen wie Gemeinschaftspraxen oder Medizinische Versorgungszentren sollten ergebnisoffen betrachtet werden.
Mein Ziel ist, dass die Menschen in Reichelsheim auch künftig wohnortnah medizinisch versorgt werden. Dafür müssen wir frühzeitig handeln, Partner zusammenbringen und als Gemeinde ein verlässlicher Unterstützer sein.
4. Wie kann man das Areal der ehemaligen Göttmann-Klinik sinnvoll und effizient nutzen?
Bei der ehemaligen Göttmann-Klinik müssen wir die Eigentumsverhältnisse klar im Blick behalten. Das Gelände gehört einem privaten Investor und nicht der Gemeinde Reichelsheim.
Deshalb sehe ich die Aufgabe des Bürgermeisters nicht darin, mit Steuergeld eine private Immobilie zu finanzieren. Meine Aufgabe wäre vielmehr, den Dialog mit dem Eigentümer zu führen, Entwicklungsmöglichkeiten zu unterstützen, Kontakte zu potenziellen Nutzern herzustellen und Genehmigungsprozesse konstruktiv zu begleiten.
Grundsätzlich wünsche ich mir eine Nutzung, die einen Mehrwert für Reichelsheim schafft – sei es im Bereich Gesundheit, Wohnen, Dienstleistungen oder einer sinnvollen Kombination verschiedener Nutzungen. Entscheidend ist für mich jedoch, dass das Konzept wirtschaftlich tragfähig ist und keine dauerhaften Belastungen für den Gemeindehaushalt entstehen.
Wir haben in Reichelsheim genügend eigene Aufgaben zu finanzieren – von Kindergärten über Straßen bis hin zu unseren gemeindlichen Einrichtungen. Deshalb müssen wir sorgfältig abwägen, wo kommunale Mittel eingesetzt werden und wo die Verantwortung bei privaten Investoren liegt.
Mein Ziel ist es, Entwicklung zu ermöglichen, ohne unkalkulierbare Risiken für die Bürgerinnen und Bürger einzugehen. Chancen nutzen und gleichzeitig solide mit Steuergeld umgehen – beides gehört für mich untrennbar zusammen.
5. Warum sind genau Sie – und nicht Ihre drei Mitbewerber – der richtige Bürgermeister für die kommenden Jahre?
Ich möchte dieses Vertrauen gewinnen, weil ich Reichelsheim kenne, weil mir die Menschen hier am Herzen liegen und weil ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen.
Seit fast 20 Jahren arbeite ich in Reichelsheim. Ich kenne Reichelsheim aus vielen persönlichen Begegnungen: die Schulen, die Vereine, viele Familien, engagierte Ehrenamtliche und vor allem die Themen, die den Menschen vor Ort wichtig sind. Reichelsheim ist eine liebenswerte und lebenswerte Gemeinde. Mit starken Ortsteilen, einer wunderschönen Landschaft und vor allem mit Menschen, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen und füreinander da sind. Genau diese Menschen sind die größte Stärke unserer Kommune.
Ich habe in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen Verantwortung übernommen – als Vorsitzender einer Gemeindevertretung, als Präsident des Hessischen Sängerbundes, im Ehrenamt, bei der Feuerwehr und als Lehrer. Dabei habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Genau diese Erfahrung braucht es auch im Rathaus.
Ich kandidiere parteilos und unabhängig. Nicht für eine Partei, nicht für einzelne Gruppen, sondern für ganz Reichelsheim. Für die Kerngemeinde und alle Ortsteile. Für Kinder, Jugendliche, Familien, Seniorinnen und Senioren, Vereine, Unternehmen und alle Bürgerinnen und Bürger.
Ich glaube, dass Reichelsheim in den kommenden Jahren einen Bürgermeister braucht, der Bewährtes achtet, aber auch neue Wege geht. Einen Bürgermeister, der mit einem frischen Blick auf Themen schaut, der Chancen erkennt und der nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.
Mir geht es nicht um große Versprechungen. Mir geht es darum, erreichbar zu sein, Entscheidungen verständlich zu erklären, Menschen mitzunehmen und gemeinsam mit ihnen die Zukunft unserer Gemeinde zu gestalten.
Ich möchte ein Bürgermeister sein, der nah bei den Menschen ist. Einer, der zuhört, der anpackt und der Reichelsheim mit Herz, Verstand und Verantwortung weiterentwickelt.
Denn die Zukunft Reichelsheims entsteht nicht im Rathaus allein. Sie entsteht gemeinsam mit den Menschen, die hier leben. Genau dafür stehe ich: Gemeinsam Zukunft gestalten.

