Energiekrise versus Vereinsleben

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In der Vergangenheit hat der TSV Richen bereits Energie eingespart. Foto: Wolrad Claudy

In den letzten Wochen ist es deutlich unangenehmer draußen geworden. Nicht nur, dass es immer früher dunkel wird, auch das nass-kalte Wetter schlägt aufs Gemüt. Hinzu kommen die Sorgen vor hohen Energiekosten. So haben bereits viele Energieversorger die Gas- und Strompreise auf Grund fehlender Gaslieferungen aus Russland erhöht. Der bevorstehende Winter veranlasst deshalb viele Haushalte zum wirtschaftlichen Umdenken und Heizkosten sparen. Aber auch die Vereine im Odenwaldkreis haben eine schwere, kalte Jahreszeit zu meistern.

Der TSV 1875 Höchst unter Leitung von Jens Fröhlich hat sich auf die bevorstehende Heizperiode vorbereitet. „Wir haben einen kommunalen Strom- und Erdgastarif“, erklärt Fröhlich. Daher sei noch nicht absehbar, in wie weit die Strom- und Gaspreise steigen werden. Allerdings habe der TSV rechtzeitig Flüssiggas und Öl einkaufen können und somit bleibe der Verein noch etwas von den Preissteigerungen verschont. „Wir haben die Hallentemperatur auf 18 Grad reduziert. Warmwasser gibt es nur noch an zwei Tagen in der Woche“, ergänzt er die Strategie des Vereins. Was Strom betreffe, seien Solarmodule im Einsatz. Der Verein rechne dennoch mit einer Verdopplung der jährlichen Heizkosten. „Da jeder zunächst selbst seine eigenen Kosten decken muss, wird irgendwann die Solidarität gegenüber dem Verein vernachlässigt werden“, gibt Fröhlich zu bedenken und befürchtet im schlimmsten Fall eine Austrittswelle aus dem TSV. „Deshalb hoffen wir alle, dass ein politisches Signal von Land oder Bund zum Thema Unterstützung kommt“, mahnt der Vorstand des Höchster Vereins.

Der TSV 1908 Richen e.V. ist in diesem Jahr relativ gut gerüstet. Wie Vorstandsmitglied Wolrad Claudy erläutert, habe der Verein bereits seinen Flüssiggasspeicher im Frühjahr gefüllt und wurde daher von den drastischen Preissteigerungen verschont. „Wir haben zudem vor ein paar Jahren in eine moderne Smart-Home-Steuerung investiert und somit die Heizkosten gut im Griff“, erklärt Claudy weiter. Allerdings sehe er neben den hohen Heizkosten die Reduzierung der Warmwassertemperatur als ein weitaus größeres Problem für den Verein. „Wir sind eine öffentliche Einrichtung“, betont Claudy. Wenn der Verein die Temperatur des Warmwassers senke, bestehe eine Gefahr durch Legionellen. Menschen können etwa beim Duschen durch die Aerosole die Erreger einatmen und eine schwere Lungenentzündung bekommen. Und da jeder im Verein auch duschen könne, bringe dies wiederum ein großes Risiko für die Gesundheit der Mitglieder mit sich.

Genau dies bekräftigt der Hessische Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh (SPD) in einer Pressemeldung. Denn auch er sehe gerade die Vereine im Odenwald herausgefordert, die eigene Hallen betreiben und somit „durch die Preisanstiege für Heizung und Strom belastet“ werden. Städtische Vereine in städtischen oder kreiseigenen Einrichtungen seien nur indirekt betroffen, heißt es weiter. Gerade aus diesen Gründen sieht Holschuh Handlungsbedarf seitens der hessischen Landesregierung und fordert gemeinsam mit den Kollegen des Arbeitskreises der Innenpolitiker der SPD-Landtagsfraktion ein Hilfsprogramm für die auf Grund der Energiekrise in Not geratenen Vereine. „Wir sind dennoch guter Dinge, dass wir alles stemmen können“, ergänzt Jens Fröhlich, optimistisch.

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Clarissa Yigit

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