Ende einer Brensbacher Attraktion

Schandfleck oder lokale Sehenswürdigkeit? Diese Frage stellt sich nun nicht mehr, denn bis zum 1. Oktober muss er verschwunden sein, der alte Ford Granada aus dem Jahr 1974, der in Brensbach am Römerberg 6 in etwa drei Metern Höhe an der Hausfassade hängt.

Matthias Hoffmann, Initiator und Hauseigentümer, versteht die Welt nicht mehr: „Das ist echt traurig, dass man dermaßen blockiert wird, wenn man mal was Besonderes machen will.“
Schließlich sei das hängende Auto in dem etwas über einem Jahr, seitdem es sich an der Hauswand befindet, eine kleine Attraktion geworden, seien Menschen auch aus anderen Gemeinden und Städten nach Brensbach gekommen, um sie zu sehen, die besondere Hausdekoration.

Haus unter Denkmalschutz
Nun hat die Untere Denkmalschutzbehörde des Odenwaldkreises entschieden: Das Auto muss weg. Die Begründung: Da das alte Fachwerkhaus unter Denkmalschutz steht, hätte das Gefährt ohne Zustimmung der Behörde nie angebracht werden dürfen. Somit handele es sich um eine illegale „Änderung der Bausubstanz“, heißt es in dem amtlichen Schreiben, das an Hoffmann ging.

Man habe bereits seit Langem ein Gespräch mit dem Hauseigentümer ohne den behördlichen Weg gesucht, sagt Bürgermeister Rainer Müller. Das sei jedoch auf „wenig Resonanz“ gestoßen. Deshalb sah Bauamtsleiter Volker Weigel keine andere Option, als den Fall an die zuständige, nächsthöhere Instanz weiterzugeben.

Ein „formeller Akt”
„Über Geschmack lässt sich immer streiten“, sagt Müller, „aber letztlich geht es um den baurechtlichen Befund, der sachlich begründet ist.“ Die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde sei demnach ein rein „formeller Akt“ gewesen. Schließlich sei das an die Wand montierte Auto auch nicht ungefährlich für Passanten.

„Die Statik und Sicherheit des Autos ist ehemals von einem Architekten geprüft worden“, kontert Hoffmann. Auch der Argumentation, dass er keine Änderung an dem Fachwerkhaus habe vornehmen dürfen, teilt er nicht. „Die Stirnseite des Hauses ist seit jeher mit Kunststoffplatten verkleidet, so dass man das Fachwerk dort gar nicht sieht.“

Der Bürgermeister steht hinter der Entscheidung der Denkmalschutzbehörde: „Das Auto ist keine Imagepflege für den Ort und gehört nicht in ein Straßenbild.“ Außerdem hätte man vor der Anbringung klären müssen, ob derlei Hausschmuck überhaupt erlaubt ist.
Inzwischen ist von Unterstützern eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Attraktion gestartet worden. Über 400 Unterzeichner gibt es schon. Zudem haben das Thema bis dato mehrere Medien wie FFH, der Hessische Rundfunk, das Odenwälder Echo und die Deutsche Presseagentur (dpa) aufgegriffen.

Unschöne Dynamik
Unschön ist eine andere Dynamik, die der Fall erreicht hat. So sieht sich Bürgermeister Rainer Müller in sozialen Netzwerken Bedrohungen und Beleidigungen ausgesetzt, seitdem diese Redaktion den Bericht über den Granada in der vergangenen Woche online veröffentlicht hat. Dies teilte Müller am Dienstag am Telefon mit. Er habe rechtliche Schritte eingeleitet.

Welche weiteren Schritte Hoffmann gehen wird, ist indes unklar. „Da sich so viele Leute dafür einsetzen, dass der Granada bleibt, hänge ich das Auto erstmal nicht ab“, sagt Hoffmann. „Wir werden sehen, was passiert.“ Sandra Breunig

20 Kommentare zu „Ende einer Brensbacher Attraktion“

  1. Wenn die Damen und Herren der Verwaltung insbesondere der Herr Bürgermeister sich um wirklich wichtige Dinge kümmern würden, hätten die mehr als genug zu tun! Meiner Meinung nach sieht das Auto an der Fassade gut aus ,zumal von einem Denkmalgeschützten Fachwerkhaus wohl nichts zusehen ist!

    1. Dem Bade… äääh Bürgermeister gefällt es einfach nicht und er mag den Eigentümer wohl ebenfalls nicht, das merkt man schon an den Argumenten. “Das Auto ist keine Imagepflege für den Ort und gehört nicht in ein Straßenbild.“ Was soll das? Ein Auto gehört nicht in das Straßenbild? Anstatt den Max zu machen sollte sich der Kerl lieber mal um den Fahrbahnbelag kümmern und nicht das Geld für potthässlichen “Müll” (ich weigere mich den Schrott als Kunst zu bezeichnen) aus dem Fenster zu werfen. Jetzt hat der kleine Ort eine einzige hübsche Attraktion, das erste sehenswürdige und das soll jetzt weg… [Die Redaktion hat einen Teil dieses Kommentars wegen beleidigenden Inhalts gelöscht]

  2. Zimmermann, Christian

    Tja……über Geschmack lässt sich wirklich streiten.

    Einer Gemeindeverwaltung welche den Friedhof zu einem “Erlebnispark” umgestaltet, kann ich beim besten Willen keine fachliche Kompetenz zugestehen, sich objektiv über Geschmack zu äußern.

    Ein Barfußpfad, diverse Skulpturen sowie Palisaden-Wänden (welche einem Asterix und Obelix Comic alle Ehre machen), gefallen letztendlich auch nicht jedem Bürger gleichermaßen und haben meiner Meinung auf einem Friedhof nichts zu suchen.

    Die einzigen welche an der Umgestaltung Freude hatten, waren mit Sicherheit die sogenannten “Künstler”, die sich über einen Auftrag freuen durften.

    Auch die Aussage es handele sich um ein Sicherheitsrisiko für Passanten halte ich für dreist.
    Einem etwaigen absacken der Last (des PKWs) wurde mit Stützen Statisch fachgerecht entgegengewirkt.

    Betrachtet man sich im Gegenzug das Straßenbild der Gemeinde Brensbach, geht von dem katastrophalen Zustand des Straßenbelages ein weit höheres Risiko aus.
    Nach dem nächtlichen löschen der Straßenbeleuchtung und “hochklappen” der Bürgersteige, lässt sich beispielsweise die Waldstraße nicht gefahrlos begehen ohne das man Knochenbrüche in zahlreichen Schlaglöchern riskiert.

    Also wie man sieht, ist Geschmack eine reine Auslegungssache und Behördenwillkür ist selbst in unserem schönen Odenwald zu finden.

  3. Reinhold Henninger

    Für mich ist das Kunst, da gibt es jede Menge andere und echte Schandflecken, die wegmüssten, z.B neuerdings diese Schrottobjekte unter dem Deckmantel Kunst… Für mich ist das Behördenwillkür, der Hauseigentümer tut mir leid, ich wünsche ihm viel Kraft das durchzustehen

  4. Hey…
    Ohne das Auto wäre das Haus doch pottehässlich…🙄🙃😊
    Sorry, aber das Auto ist genial.
    Es soll/muss bleiben.
    Kommt Leute….geht mal auf die Straße (von mir aus mit Maske!) für Kunst und Kultur!!
    👍😉😜

  5. In Berlin stehen immer noch die in Beton gegossenen Cadillacs als Kunstwerk an einem Platz und werden durch Steuergelder gepflegt…wo hat die Hauswand mit den Thermofenstern einen denkmalwürdigem Charakter.
    Eher noch der alte 1/6 Granada….

  6. Eine Einstweilige Verfügung würde ich erwirken, denn das was dort zu sehen ist kann als Kunst deklarieren! Kleiner Tipp am Rande: Wenn das Auto keine Verbindung mehr zur Fassade hat (Abstand vielleicht 2cm) sondern frei hängt, könnte das dann so bleiben? 😉

  7. Hallo Mathias H.
    Ich würde aus Trotz 2 Träger 40 cm vom Haus weg senkrecht in den Boden einbetonieren und das Auto daran befestigen , so das es 40 cm vom Haus weg ist… dann ist es nicht an der Hauswand angebracht …
    Und wenn die vom Amt dann immer noch rummosern dann verkauft doch das Haus an Leute mit anderer Mentalität …Mit dem Denkmals gut hat man immer Auflagen die zu erfüllen sind ….Wenn’s meines wäre würde ich es zerfallen lassen und dann ein neues hinstellen.

  8. Ich würde eine Traverse in die Einfahrt stellen und es dort befestigen. So ist die Behörde raus und kann wenig ausrichten. Ein Statiker muss das ganze auf Sicherheit prüfen und abnehmen.
    Ich finde, es sieht klasse aus. Spitzen Idee

  9. Friedhelm Hoffmann

    Warum denn weg, es ist eine Seitenwand, Hast du noch Material zum Umbau des Fahrzeug , ( Solaranlage ,) da wo die Fenster sind mach Panele Rein, dann kann dir der Denkmalschutz einen Blasen, Denn erneuerbare Energie geht vor Denkmal Schutz und Steht im Deutschen Gesetzbuch . Googel mal nach erneuer bare Energie und Denkmal amt. Denn da habe ich auch meine Teile weg, Wegen Solaranlage verbauen . Also Nächte um die Ohren gehauen, und siehe da , Dumm gelaufen Für unsere und auch die anderen Denkmal Ämter.
    Das ein zigste ist wegen Luft Überbauung  , dafür Benötigt mann eine Gehnemiegung .
    Ich würde es Versuchen.
    Welche sonnen Seite hängt der Wagen ?
    Viel Glück.

  10. Das Auto verschönert die häßliche Seitenfassade eindeutig.
    Man könnte einen Schriftzug am Fahrzeug anbringen,
    Motto: ” Freie Fahrt für Flüchtlinge, Gendergerechtigkeit, gegen Rassismus, BLM und gegen NAZI`s”
    dann würde er doch zu den “Guten” gehören und dann darf man doch alles 😉

    1. So ist es. GRÜNE Autos gegen RECHTS dürfen bestimmt an einer hässlichen Kunststofffassade hängen bleiben. Denn Autos sollte man ja aufhängen, statt sie zu nutzen. Und gegen RECHTS geht alles! Die Regel “rechts vor links” wird bestimmt auch bald noch geändert 😉

  11. Hierzu gibt es eine Petition, Link unten. Der Bürgermeister, der aus der Wahlkampfhistorie heraus eventuell persönliche Motive hat, und alle “Denkmalschützer” sollten sich was schämen. Hier wurde eine alte Hütte, die wahrlich kein Denkmal ist mit einer hässlichen Kunststofffassade verkleidet. Nur dieses Kunstwerk macht das Haus zu einem Denkmal. Wäre das Auto weg, wäre es eine alte Hütte wie es Hunderttausende gibt, die nicht wirklich erhaltungswürdig sind auf Dauer.

    Viel wichtiger wäre es, die Straßen in Brensbach auf Vordermann zu bringen. Da gibt es viele unansehnliche und definitiv verkehrsgefährdende Bereiche. Hässlich noch dazu und peinlich für Brensbach. Baulücken im Ortskern sind auch nicht schön. Und die Gestaltung des Friedhofs lässt offenbar nicht jeden kalt.

    Hätte der Besitzer des Hauses das Kunstwerk “GRÜNES-AutoFACHWERK gegen Rechts” genannt, würde er vermutlich in der heute show, den Tagesthemen und von Grünen, Linken und sonstigen Parteien und weiteren Medien und Politikern gefeiert, als einer der ein Zeichen setzt. Grüne Kunst gegen Rechts darf doch mit Sicherheit an einer ansonsten hässlichen Kunststofffassade hängen bleiben, oder?

    Gerne die Petition unterzeichnen!

    https://secure.avaaz.org/community_petitions/de/denkmalschutzbrhoerde_bauamt_ordnungsamt_gemeinde__hingucker_ford_granada_an_hauswand_in_brensbach_soll_bleiben_/?fVNcorb=

  12. Da wiehert der Amtsschimmel wirklich so laut, dass man es bis Nordhessen hört! Das Auto scheint mir sachgerecht angebracht! Es stört nicht und niemanden. Von einer denkmalgeschützten Fachwerkfassade ist an dieser Seite des Hauses sowieso nichts zu sehen. Außerdem ist das Auto mittlerweile auch schon historisch und denkmalschützend wert. Kurzum, es ist ein Hingucker. Über Geschmack lässt sich halt streiten. Wem es nicht gefällt, kann ja wegschauen. Ich finde es interessant und meine, es dürfte ruhig bleiben. Die Zeiten ändern sich schließlich, wir leben ja nicht mehr im Mittelalter.

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