Berge von Müll entlang der B 45 – Verantwortung der Entsorgung wird hin und her geschoben.

356
Keinen schönen Anblick bekommen Naturfreunde während einer Fahrt von Dieburg nach Michelstadt (Bild vom 29. Oktober). Foto: Clarissa Yigit

Odenwaldkreis/Landreis Darmstadt-Dieburg. Wer in den vergangenen Wochen die Bundesstraße 45 Richtung Michelstadt befuhr, sah Müll – viel Müll. Fast auf jedem Parkplatz auf beiden Seiten der Fahrbahn entlang dieser Route stapelten sich blaue, große Müllsäcke. Aber auch Autoreifen, Farbeimer, Laminat, unterschiedliche Kunststoffe, Kartonage und mehr konnte man dort finden. Und dies, obwohl in der Regel jeder eine Mülltonne zu Hause hat, was auch Stephan Kelbert, Verbandsgeschäftsführer des Odenwälder Müllabfuhr-Zweckverbands in Brombachtal (MVZ), bestätigt. „Wir sind dafür zuständig, dass es ein Abfallsystem gibt, welches über Gebühren finanziert wird“, erklärt er. Keiner könne einfach seine Mülltonne abmelden. Der MVZ sei allerdings bei der Entsorgung des Abfalls auf den Parkplätzen entlang der B 45 komplett raus. Allerdings, so fährt Kelbert weiter fort, sei klar geregelt, wer für die Entsorgung des Mülls verantwortlich ist – nämlich der Straßenbaulastträger. Anders ausgedrückt: dem, der der jeweilige Parkplatz gehört.

Dennoch gibt es zurzeit immer noch Klärungsbedarf zwischen den einzelnen Kommunen und Hessen Mobil, wer letztendlich für die Entsorgung des illegal abgelagerten Mülls verantwortlich ist. Eine Grauzone sind die großen Müllsäcke. Hier wird darum gestritten, in wessen Zuständigkeitsgebiet die Entsorgung fällt

Gemeinden nicht verantwortlich

„Der klassische Sperrmüll fällt in den Aufgabenbereich der Gemeinden. Nur sogenannter Reisemüll, wie die klassische Mc Donalds Tüte, übernimmt Hessen Mobil“, erklärt Dennis Zessin, Abteilungsleiter für Sicherheit und Ordnung der Gemeinde Höchst. „Bis vor einem Jahr wurde alles von Hessen Mobil entsorgt“, beschreibt er das Dilemma weiter. Mélissa Hamerlik, Stadtmarketing und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Groß-Umstadt, erklärt, dass die Zuständigkeit der Parkplätze an der B 45 (Sonnenhof, Rondell) bei Hessen Mobil liegen. Die Verantwortung, wer sich nun letztendlich aber um die Abfuhr der großen Müllsäcke kümmern muss, wird hin und her geschoben. So sehen die Gemeinden hier Hessen Mobil in der Verantwortung; Hessen Mobil dementiert dies

Hessen Mobil beseitigt „Reiseabfälle“ 

Jochen Vogel von Hessen Mobil beschreibtt, dass Hessen Mobil nur für Reiseabfall verantwortlich sei, das heißt, das Leeren der Müllbehälter an Parkplätzen sowie das Einsammeln von sogenanntem „Reisemüll“ entlang von Außerortsstraßen in der Straßenbaulast von Hessen Mobil. Allerdings, so stellt Vogel klar, seien gerade die großen Müllsäcke kein normaler Reisemüll mehr. „Niemand hat säckeweise Reisemüll zu entsorgen“, entgegnet er. So würden gerade diese großen Müllsäcke unter die Rubrik „Sperrmüll“ fallen und somit in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen übergehen. Hessen Mobil habe Fachkräfte für die Entsorgung für Reiseabfälle; nicht aber für Sperrmüll, so Vogel weiter. Die Beseitigung von illegal abgelagertem Müll gehöre dagegen zu den Aufgaben der jeweiligen kreisangehörigen Gemeinden oder der kreisfreien Stadt

Die Darmstädter Niederlassung der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) wird eigens für die Entsorgung des Reisemülls durch Hessen Mobil beauftragt, wie Stefan Röttele im Gespräch erklärt. „Wir erhalten einen Auftrag von Hessen Mobil, diese Haltebuchten zu pickern“, erläutert er weiter. Dies bedeutet, den Papierkorb leeren und kleinen Müll oder herumliegende Verpackungen „aufzupicken“. „Wildablagerungen im großen Umfang fallen explizit nicht in unseren Aufgabenbereich“, bekräftigt Röttele. Hierfür liege kein Auftrag seitens Hessen Mobil vor

Polizei musste bereits eingreifen

„Illegale Müllentsorgung stellt eine Straftat dar“, erklärt Pressesprecher Jürgen Trappmann vom Polizeipräsidium Südhessen. So seien bereits Mitte Oktober zwei Behälter mit Altöl durch das Polizeipräsidium Südhessen sichergestellt worden. „Einmal am Höchster Rondell und einmal auf einem Parkplatz bei Mümling-Grumbach“, erklärt Trappmann weiter. Bei diesen Fällen sei zunächst ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleiteten worden.

Clarissa Yigit

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein