Leserbrief

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Foto: Symbolbild von Pixabay

Die letzten Wochen haben dazu geführt, dass bezüglich der jüngsten rassistischen Aussagen bei der Kerbrede 2022 in Bad König Stellung bezogen werden muss.
Aussagen wie „Kopftuchgeschwader“ haben in unserer multikulturellen Gesellschaft keinen Platz! Solche Ausdrücke und weitere Hasstiraden sind inakzeptabel und haben nichts mit einem schlechten Witz oder Meinungsfreiheit zu tun.

Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund haben maßgeblich zu Wohlstand und Stabilität unseres Landes beigetragen. Ihnen ist es zu verdanken, dass Deutschland innerhalb Europas und gar der ganzen Welt hohes Ansehen genießt. Bereits in den 60er und 70er-Jahren halfen die sogenannten Gastarbeiter, die Wirtschaft anzukurbeln und entscheidend zu stärken. Sie verschafften Deutschland die wirtschaftlich starke Position in Europa, die es heute innehat.

Wir alle leben und arbeiten, jeden Tag, egal wo, mit Menschen verschiedenster Herkunft, unterschiedlichsten Glaubens oder sonstiger Unterscheidungsmerkmale zusammen. Das sollte nirgendwo eine Rolle spielen! Es gibt auf dieser Basis keine Unterschiede unter Fachkräften, Unternehmensführungen, Beamten, im Gesundheitswesen und vielen weiteren Bereichen! Die dunkle Vergangenheit in unserem Land sollte uns gezeigt haben, was geschieht, wenn sich die Gemeinschaft rassistischen Schandtaten und Äußerungen nicht entschlossen entgegenstellt. Das Elend, Leid und die Missgunst, die die Leidtragenden fühlen mussten, sind unbeschreiblich.

Leider müssen wir in jüngster Vergangenheit im Osten Europas erneut mitansehen, wohin Aggression und kulturelle Missachtung führen.
Gegenseitiger Respekt und Toleranz sind das Nonplusultra unserer heutigen Gesellschaft und wir lassen nicht zu, dass unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger rassistisch motivierten Äußerungen allein gegenüberstehen müssen.

Ich selbst bin in meiner Funktion als Stadtverordneter im Kultur-, Sozial-, Sport- und Jugendausschuss tätig und engagiere mich als Vorsitzender des Ausländerbeirats für die Belange der in Bad König lebenden ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. In diese Positionen wurde ich nicht nur von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund gewählt, sondern auch von vielen Bad Königern ohne Migrationshintergrund. Ich bin in Bad König aufgewachsen und sehe mich wie viele andere hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund als Bad Königer. Ich habe mich zunächst bei den Diskussionen in den sozialen Netzwerken und der Berichterstattung durch die Zeitung mit Kommentaren zurückgehalten und hatte hohe Erwartungen, wie die Mitbürgerinnen und Mitbürger, auch ohne Migrationshintergrund auf diese Geschehnisse reagieren.

Ich kann voller Stolz verkünden, dass eine große Mehrheit aktiv geworden ist. Dies zeigt, dass Rassismus und Feindlichkeit gegenüber anderen Menschen in unserer Stadt keinen Platz haben! Meine und die Erwartungen der Mitglieder des Ausländerbeirats wurden mit vollster Zufriedenheit erfüllt. Gerade die schnelle Reaktion des gesamten Vorstandes der TSG Bad König, die Zusammenarbeit aller Fraktionen im Stadtparlament und die Gegenreaktion der Bürgerinnen und Bürger Bad Königs in den sozialen Netzwerken machen mich stolz und haben mich zutiefst berührt.

Wir sind alle Bad Königer, egal welchen Hintergrund wir haben. Wir stehen gemeinsam gegen jegliche Anfeindungen gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern. Heute, Morgen und auch in der Zukunft.

Ülkü Ismail

1 Kommentar

  1. was eine aufregung wegen einer kerbrede und die betonung liegt auf kerbrede (fasching, spass, nicht ernst gemeint…) wenn jeder in zukunft darüber nachdenken muss, wann und wo er was sagen oder schreiben kann, werden wir bald niemanden mehr haben der sich zu irgendwas äußert…

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