Kinnicher Kerbredd schlägt Wellen in unkontrolliertem Ausmaß

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Ein feucht-fröhliches Fest sollte die Kirchweih Bad König werden. Die Rede von Marc Böhm kippte allerdings massiv die Stimmung. Foto: Alexa auf pixabay.com

Nach dem die Kerbrede des Stadtverordneten der CDU, Marc Böhm, am vergangen Wochenende enormes Aufsehen erregte, zog dieser die Konsequenzen und ist von seinen Ämtern des Kerbredners und des Stadtverordneten zurückgetreten.

Marc Böhm ist bereits seit 1994 Kerbvadder und verließt somit in der Regel jährlich die Kerbredd. Zudem ist Böhm auch Förderer des örtlichen Sportvereins TSG Bad König sowie ein ortsansässiger, selbständiger Unternehmer im Bereich Sanitär. 

In der stark kontrovers diskutierten Rede thematisiert Böhm den – seiner Ansicht nach – zu hohen Migrantenanteil in der Bevölkerung. Formulierungen wie „verkommt unsere Haupstroß seit ner Weile, immer mehr zur Istanbuler Meile“, „Kopftuch-Geschwader“ oder „Da haben 4 von denne 5 Kopftuchfrauen noch einen Braten in der Röhre drin“ prägen seine Kerbrede in einer deutlich negativen Darstellung von Migranten. Diese rassistisch-sexistischen Sprachbilder sind kaum zu toppen.  

Auch in den sozialen Netzwerken explodierten förmlich die Kommentare hinsichtlich dem Inhalt der Rede und es wurde auch dort heftig diskutiert. Aus diesem Anlass zog Böhm am Freitagnachmittag (16.09.) die Reißleine und veröffentlichte eine persönliche Erklärung, die auch dieser Redaktion vorliegt. 

In dieser heißt es:

 „Ich möchte mich bei allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern unserer Stadt sowie bei allen Menschen über unsere Stadtgrenze hinaus entschuldigen (…) Ich habe mich im Ton vergriffen (…) Ich kann das gesagt nich ungeschehen machen.“ Zu dem schrieb er, dass die von ihm in der Rede getätigten Aussagen diskriminierend und falsch seien.

„Ich bin der, der die Rede geschrieben und vorgetragen hat“, bestätigt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich weiß, dass meine Wortwahl falsch war. Daher bin ich vom Amt des Kerbredners und vom Amt des Stadtverordneten zurückgetreten“, erklärt er weiter. Böhm war seit 1994 Kerbredner der Bad Königer Kerb. Wer nun das Amt übernimmt, könne er nicht sagen. Auch wollte Böhm sich grundsätzlich nicht zu mehr äußern und verwies immer wieder auf seine persönliche Erklärung. Hier stehe alles drin.

TSG Bad König 1863 e.V. selbst nicht in Kerb involviert

Selbst der Förderverein TSG Bad König Fußball e.V. als auch die Sparte Fußball der TSG Bad König – welche die Kirchweih organisiert und ausgerichtet haben – distanzieren sich deutlich auf ihrer Homepage von der Ansprache Böhms. „Toleranz und Offenheit“ stehe weiterhin in deren Konzept und Philosophie, heißt es dort weiter. 

Der TSG Bad König selbst habe mit der Ausrichtung der Kirchweih allerdings nichts zu tun gehabt, erklärt Matthias Hofmann, erster Vorsitzender. „Wir hatten weder mit der Vorbereitung noch Durchführung etwas zu tun“, bekräftigt er. Allerdings wollte der Verein diese Rede so nicht im Raum stehen lassen und veröffentlichte kurzerhand auf der Homepage als auch bei Facebook eine distanzierende Stellungnahme zu den Worten Böhms. „Der Förderverein des TSG und der Fußballverein sind zwei unterschiedliche Vereine. Diese beiden sind schwer auseinander zu halten“, erklärt Hofmann weiter. Daher fand der TSG es für nötig, auch selbst eine Stellungnahme zu veröffentlichen. „Für uns ist das Thema Kerbredd erledigt; nicht aber die Themen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit“, beschreibt Hofmann entschieden. „Wir sind froh, dass wir so viele Nationalitäten in unserem Verein haben. Wir werden es nicht einreißen lassen, dass diese Menschen ausgegrenzt werden.“ Das könne Hofmann als erster Vorsitzender für seine gesamte Amtszeit garantieren.

Odenwald gegen rechts hat sich ebenfalls eingeschaltet

Auch die Organisation „Odenwald gegen rechts – bunt statt braun“ hat auf die Rede von Marc Böhm reagiert. In ihrer Stellungnahme verzichtet der Verein ausdrücklich auf Zitate, um dem „Redner keine weitere Plattform für die Verbreitung seiner Hetzrede“ zu bieten, wie es heißt. Daher hebt Odenwald gegen Rechts lieber positiv hervor, dass sich in allen Sparten der TSG Menschen mit Migrationshintergrund engagieren. Und, wie es der Vorstand des TSG ausdrückt, für ein Gedankengut, wie es in der Kerbredd verbreitet wird, kein Platz sei. 

Zudem sei, laut interner Quelle, bereits eine „Strafanzeige und Strafantrag aus allen denkbaren Rechtsgründen, insbesondere aber wegen Volksverhetzung gem. Paragraph 130 StGB“ gestellt worden.

Clarissa Yigit 

3 Kommentare

  1. Mich wundert eigentlich bei Politiker nichts mehr. Wie blöd muss man sein, dass diese Rede nicht ankommt und Konsequenzen mit sich bringt. Herr Böhm wollte bestimmt nicht mehr in der Politik mitarbeiten und deshalb hat er auf diesem Weg schluss gemacht. Nur nachträglich sich zu entschuldigen ist genau das ,was gute Politiker ausmacht!! Weiter so !! Deutschland ist FERTIG !!

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