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Mossautal. Sie ist bodenständig, unscheinbar und gehört doch zu den ganz Großen auf unseren Tellern: die Kartoffel. Bei den Odenwälder Kartoffelwochen dreht sich seit inzwischen 36 Jahren alles um die Knolle – und um die Gastronomen, die daraus jedes Jahr aufs Neue kulinarische Ideen zaubern. Die feierliche Eröffnung der diesjährigen Kartoffelwochen geriet am Donnerstagabend, 17. September, im Brauereigasthof Schmucker in Mossautal zu einem genussvollen Auftakt mit viel Musik, prominenten Gästen, zahlreichen Hoheiten und einer deutlichen Botschaft: Die Gastronomie im Odenwald braucht Unterstützung.
Schon beim Empfang im Biergarten wurde deutlich, dass dieser Abend mehr sein sollte als nur ein gemeinsames Essen. Bei einem Bier-Aperitif kamen die Gäste miteinander ins Gespräch, ehe es im Restaurant musikalisch weiterging. Moderator Thomas Kurz begrüßte die Gäste und Ehrengäste, darunter den Kreisbeigeordneten des Kreises Bergstraße, Volker Buser, Landrat a.D. Horst Schnur, Bürgermeister Andreas Mutschke sowie Vertreter aus Gastronomie, Tourismus, Vereinen und Verbänden. Für den musikalischen Rahmen sorgten „Dr. Soul and Mr. Blues“ mit englisch- und deutschsprachigen Liedern.
Und dann kam sie ins Spiel: die Kartoffel. In mehreren Gängen zeigte die Küche des Brauereigasthofs, was sich aus der heimischen Knolle herausholen lässt – von gefüllten Kartoffel-Majoran-Körbchen über einen Kartoffel-Trüffel-Cappuccino und Zander mit Kartoffelschuppen bis hin zu Schweinefilet mit Kartoffelbaumkuchen. Zum süßen Finale gab es Kartoffelschupfnudeln mit Zwetschgenröster und Vanilleeis. Dazu wurden passende Biere und Weine vorgestellt.
Für Markus Fritsch, Pächter des Brauereigasthofs Schmucker, war das Ganze allerdings kein monatelanges Großprojekt. „Die Planung und die Vorbereitung waren jetzt insgesamt zwei Tage“, verriet er dem Odenwälder Journal. Zwischendurch habe es noch ein Probeessen mit den Verantwortlichen gegeben. Dass alles dennoch so reibungslos über die Bühne ging, führt Fritsch vor allem auf die Erfahrung seiner Mannschaft zurück: „Wir haben ein erfahrenes Küchenpersonal, das schon viele Veranstaltungen mitgemacht hat.“ Einer seiner Köche sei bereits seit 40 Jahren in diesem Beruf. „Er hat schon vieles durch und er ist auch kreativ.“
Wie anspruchsvoll die Zubereitung trotz aller Routine sein kann, zeigte sich beim Hauptgang. „Eigentlich war das Schwierigste, das Schweinefilet im Hauptgang möglichst auf den Punkt zu treffen“, sagte Köchin Yvonne Fischer. Der Abend zeigte: Auf dem Teller sollte am Ende eben nicht nur eine Kartoffel liegen, sondern ein richtiges kleines kulinarisches Erlebnis.
Doch die Kartoffelwochen sind längst mehr als eine gastronomische Werbeaktion. Sie sind auch ein Bekenntnis zur Gastronomie im ländlichen Raum. Christine Friedrich, Geschäftsführerin der DEHOGA-Geschäftsstelle Südhessen, bezeichnete die Kartoffel- beziehungsweise Genusswochen als „Flagge“, mit der sich die Betriebe nach außen präsentieren könnten. Gerade angesichts des anhaltenden Gasthaussterbens sei das gemeinsame Auftreten wichtig. „Solange müssen wir eben zusammenhalten und gemeinsame Aktionen auch machen, um die Region nach außen zu präsentieren, um die Betriebe zu präsentieren.“
Wie ernst die Lage ist, machte auch Kevin Schmauß, Dezernent für Wirtschaft und Tourismus im Odenwaldkreis, deutlich. „Die aktuelle Phase ist für unsere Gastronomen eine riesige Herausforderung. Die Energiepreise und der Personalmangel sind eine akute Belastung, die auf die Motivation aller Menschen in der Branche drückt.“ Gerade deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die örtlichen Gastwirte zu besuchen und damit Wertschätzung zu zeigen.
Schmauß erinnerte zugleich daran, dass die Gastronomie weit mehr leistet als gutes Essen auf den Tisch zu bringen. „Die Gastronomiebetriebe unserer Region schenken uns und unseren Familien immer wieder unvergessliche Momente.“ Die Gastronomie „stiftet und bewahrt einen Teil unserer kulturellen Identität“, sagte er. Und noch deutlicher: „Ohne unsere Gastronomiebetriebe wären wir gesellschaftlich sehr viel ärmer. Sie sind Herzkammern des Zusammenlebens im ländlichen Raum.“
Auch die Geschichte der Kartoffel kam an diesem Abend nicht zu kurz. 2026 ist für die Knolle ein besonderes Jahr: Vor 270 Jahren erließ Friedrich II. den sogenannten Kartoffelbefehl, der ihrer Verbreitung in Deutschland einen entscheidenden Schub gab. Heute ist die Kartoffel aus der regionalen Küche nicht mehr wegzudenken – und genau das wurde im Brauereigasthof Schmucker eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Als schließlich die Odenwälder Kartoffelkönigin Louisa I. gemeinsam mit Kartoffelprinzessin Melanie I. und den weiteren anwesenden Hoheiten die 36. Odenwälder Kartoffelwochen offiziell eröffnete, war endgültig klar: Die nächsten zwei Wochen gehören der Knolle. Und dem Genuss. Und nicht zuletzt den Menschen, die dafür sorgen, dass beides im Odenwald zuhause bleibt.
Denn hinter Kartoffelbaumkuchen, Schupfnudeln und einem guten Glas Wein steckt eine Branche, die gerade um ihre Zukunft kämpft. Oder wie Christine Friedrich es formulierte: „Meistens ist man, wenn man das macht, mit Herzblut dabei. Aber auch das Herzblut muss irgendwo bezahlt werden.“ Genau daran erinnerte dieser Eröffnungsabend – zwischen Musik, guter Laune und einem Menü, bei dem die Kartoffel einmal mehr zeigte, dass in ihr deutlich mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Aleksandar Kerošević




