9-Euro-Ticket versus Tankrabatt – ein kurzer Rückblick

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Ob per 9-Euro-Ticket oder Auto unterwegs – in beiden Fällen ziehen die Preise ab 01. September wieder deutlich an (Stand: 30.08.2022). Fotocollage: Clarissa Yigit

Drei Monate sind schnell vergangen. Noch vor kurzem haben sich die Menschen auf den Tankrabatt und ein stark vergünstigtes Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gefreut. Nun ist der Traum vom günstigen Reisen bereits wieder vorbei. 

11.651 verkaufte 9-Euro-Tickets im Odenwaldkreis

„Wir waren recht zufrieden“, resümiert Sprecher Stefan Reinhard von der Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH (Oreg). Dennoch hatte die Mobilitätszentrale mit Fahrgastrückgängen zu kämpfen. „Es freut uns dennoch, dass Kunden die Möglichkeit hatten, den ÖPNV kennenzulernen. Die Resonanz war durchaus positiv“, beschreibt Reinhard weiter. Unglücklich sei nur gewesen, dass das 9-Euro-Ticket parallel zur Benzinpreissubvention eingeführt wurde. Alleine in den vergangen drei Monaten wurden laut Oreg 11.651 9-Euro-Tickets im Odenwaldkreis verkauft (deutschlandweit waren es rund 52 Millionen). Monats- oder Jahreskarte, die für diesen Zeitraum in ein 9-Euro-Ticket umgewandelt wurden, seien hierbei noch nicht berücksichtig worden. „Der erste Monat war am stärksten“, da die Fahrgäste das Ticket ausprobieren wollten, erklärt Reinhard auf Nachfrage.

Das 9-Euro-Ticket habe allerdings in keiner Weise die Kosten gedeckt, die im ÖPNV entstanden sind. Dennoch sieht der Sprecher der Oreg für die Zukunft großes Potential im Odenwaldkreis, mit dieser Art von Ticket neue Fahrgastgruppen zu erschließen. „Zurück in alte Strukturen zu fallen, wäre hier durchaus das falsche Signal der Regierung“, mahnt er. Gerade ein vergünstigter Fahrschein in Kombination mit „garantiert Mobil“ würde sich in der Region durchaus anbieten. Auch seien keine Beschwerden seitens der Fahrgäste auf Grund überfüllter Busse in den vergangenen drei Monaten aufgetreten. „Wir haben immer darauf geachtet, dass die Busse nicht zu voll waren“, ergänzt der Sprecher. Momentan haben die Mitarbeiter des Vertriebs allerdings „alle Hand voll zu tun“, beschreibt Reinhard den Verwaltungsaufwand, der hinter besagtem Ticket steckt.

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zieht ebenfalls positives Resümee

Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) haben rund zehn Prozent der Fahrgäste einmal ihr Auto stehengelassen, um mit dem 9-Euro-Ticket Bus oder Bahn zu nutzen. Alleine 52 Prozent der Ticketbesitzer nutzen den ÖPNV für Alltagsfahrten, wie Erledigungen oder Arztbesuche. Somit seien rund 1,8 Millionen Tonnen CO2 deutschlandweit auf diese Weise eingespart worden; so viel, wie ein Jahr lang Tempolimit auf Autobahnen bringen würden, rechnet der Verband weiter aus. Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz (VMK) der Länder Dr. Maike Schaefer erläutert in einer Pressemitteilung des VDV: „Die Ergebnisse der Marktforschung belegen deutlich: Die Menschen wollen den öffentlichen Nahverkehr, wenn das Ticket einfach und verständlich sowie überall flexibel nutzbar ist. Und sie sind bereit, ihr Auto dafür stehen zu lassen, wenn so ein Ticket nicht nur über den überschaubaren Zeitraum von drei Monaten geht.“ 

Tankrabatt eher Flop als top?

Auch der Tankrabatt ist bereits wieder Geschichte. So kommen bereits vermehrt Kunden an die umliegenden Tankstellen, um „nochmals voll zu tanken“, wie Patricia Blum, Mitarbeiterin einer Tankstelle in Michelstadt, erläutert. „Da wird schon mal der ein oder andere Kanister zusätzlich für den ´Rasenmäher´ oder ähnliches mit vollgemacht“, erklärt sie scherzhaft. Vor allem beim Dieselpreis merke man den Anstieg. „Bei Super ging es bisher immer wieder auf und ab“, erläutert sie weiter. 

Auch in Lützelbach-Seckmauern blickt man sowohl skeptisch zurück als auch in die Zukunft. So habe sich der Tankrabatt anfangs erst einmal durchsetzen müssen. Danach habe sich „eigentlich nichts geändert“, beschreibt eine Tankstellenbesitzerin. „Seit Montag wird wieder vermehrt getankt, vor allem Diesel.“ Ob der Tankrabatt seinen Sinn erfüllt habe, lasse sich nicht wirklich abschätzen. So seien gerade die bayerischen Ferien in Lützelbach jedes Jahr aufs Neue zu spüren. Hier werde zwei bis drei Wochen im Sommer eher verhalten getankt. In diesem Jahr könne durchaus auch das 9-Euro-Ticket zu einem kurzzeitigen schleppenden Tankverhalten mit beigetragen haben. Die Tankstellenbetreiberin rechnet ab nächste Woche auf Grund des auslaufenden Tankrabatts mit deutlich weniger Kundschaft. Clarissa Yigit

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