Seit 40 Jahren mit Herz und Haltung für die Literatur: Gertrud und Joachim Steiger in ihrer Literaturhandlung Paperback in Bad König. Foto: Aleksandar Kerošević

Bad König. Vier Jahrzehnte voller Bücher, Begegnungen und persönlicher Beratung: Seit 1986 führen Gertrud und Joachim Steiger ihre Literaturhandlung Paperback in Bad König – und dieses besondere Jubiläum wurde nun gebührend gefeiert. Über 40 Stammkunden und Wegbegleiter kamen am 10. Oktober zusammen, um mit dem Ehepaar auf 40 Jahre Paperback anzustoßen.

Von 12 bis 13.30 Uhr herrschte in und um die Literaturhandlung reger Betrieb. Passend zum Odenwald gab es Apfelwein – süß und sauer gespritzt –, dazu Würstchen und kleine Brötchen. In einem ausgelegten Gästebuch konnten sich die Besucher verewigen. Vor allem aber wurde viel miteinander gesprochen. „Es gab extrem viele Gespräche“, freute sich Gertrud Steiger über die Resonanz.

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Auch einige Worte zu Ehren der Jubilare durften nicht fehlen. Der Germanist, Literaturkritiker, Übersetzer und Autor Rainer Moritz, früherer Leiter des Literaturhauses Hamburg, würdigte die Arbeit der Steigers ebenso wie der langjährige Kunde Walter Hofmann. Für die Stadt Bad König gratulierte der Stadtrat Gerhard Müller in Vertretung des urlaubsbedingt verhinderten Bürgermeisters.

Dass Paperback längst mehr als nur ein Ort zum Bücherkaufen ist, zeigt auch die Geschichte des kleinen Geschäfts in der Bahnhofstraße. Mit ihrem bewusst ausgewählten Sortiment und ihren Literaturveranstaltungen haben sich die Steigers weit über Bad König hinaus einen Namen gemacht. Mehrfach wurde Paperback zudem mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet.

Auf das Erreichte angesprochen, wollen Gertrud und Joachim Steiger selbst allerdings nicht von „Stolz“ sprechen. Wichtiger ist ihnen, was sie mit ihrer Arbeit in vier Jahrzehnten bewirken konnten. Mit ihrem „alternativen Programm“ und den seit knapp 40 Jahren veranstalteten Lesungen hätten sie immer wieder versucht, „ein wenig gegen den Stachel zu löcken“. Dabei scheuten sie auch kontroverse Gäste nicht: Zu den Autoren und Persönlichkeiten, die bei ihren Veranstaltungen auftraten, gehörten unter anderem Günter Schabowski, Markus Wolf, Wolf Biermann und Valentin Falin. Wenn man damit Menschen zum Nachdenken gebracht habe, „dann haben wir vielleicht ein wenig etwas erreicht“, bilanzieren die Steigers.

Dass Gertrud und Joachim Steiger ihre Literaturhandlung auch nach vier Jahrzehnten ganz bewusst als Gegenentwurf zum anonymen Bücherkauf im Internet verstehen, machen sie unmissverständlich deutlich. „Amazon ist ein Krake, ein Blender“, sagen sie. Ihr Plädoyer gilt stattdessen den kleinen und mittleren, unabhängigen, inhabergeführten Buchhandlungen: „Da hören Ihnen Menschen zu, keine Algorithmen.“ Und auch von großen Buchhandelsketten grenzen sich die beiden deutlich ab. Wer persönliche Beratung suche, solle in die unabhängigen Buchhandlungen gehen und „nicht zu Thalia und anderen Konsorten“, erklären die Steigers gewohnt pointiert.

Dass hinter solchen Worten noch immer echte Leidenschaft für ihren Beruf steckt, wird spätestens deutlich, wenn die beiden darüber sprechen, was ihnen nach 40 Jahren Paperback weiterhin Freude bereitet. Andernfalls, scherzen sie, wären sie mit 70 Jahren schließlich längst in Rente. Ein Buch zu verkaufen oder zu empfehlen, bedeute für sie, einem Menschen etwas mitzugeben, „von dem er, im allerbesten Falle, noch lange etwas hat, was ihn begleitet, was ihn bewegt“.

Vielleicht lässt sich kaum treffender beschreiben, was Gertrud und Joachim Steiger seit 1986 antreibt: Bücher nicht einfach nur über die Ladentheke zu reichen, sondern Menschen für Literatur zu begeistern – persönlich, meinungsstark und manchmal ganz bewusst gegen den Strom. Aleksandar Kerošević

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