
Odenwaldkreis. Die gesenkte Mehrwertsteuer in der Gastronomie sorgt für Kritik: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft vielen Wirten im Odenwaldkreis vor, die finanziellen Vorteile nicht an ihre Beschäftigten weiterzugeben.
Seit Jahresbeginn müssen Restaurants, Hotels und Gaststätten auf Speisen nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Nach Angaben der NGG bleiben dadurch von einem 10-Euro-Betrag, den ein Gast im Restaurant ausgibt, rund 95 Cent zusätzlich beim Betrieb. „Das Geld landet zwar in der Kasse, aber nicht in der Lohntüte der Beschäftigten“, sagt Guido Noll, Geschäftsführer der NGG Darmstadt und Mainz.
Auch für Gäste habe sich das sogenannte „Schnitzel-Steuergeschenk“ kaum bemerkbar gemacht. Wer auf deutlich sinkende Preise auf den Speisekarten gehofft habe, sei enttäuscht worden, so Noll.
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft, dass viele Beschäftigte in Küche und Service weiterhin nur den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Dieser liegt seit Jahresbeginn bei 13,90 Euro pro Stunde. Ein tariflicher Stundenlohn für ausgebildete Köche oder Servicekräfte in Hessen liege dagegen bei 16,74 Euro.
Nach Einschätzung der NGG meiden viele Gastronomiebetriebe bewusst tarifliche Regelungen – etwa zu höheren Löhnen, Zuschlägen an Sonn- und Feiertagen oder zu Urlaubsansprüchen. Die Branche gehöre damit zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“, so Noll.
Im Odenwaldkreis arbeiten laut Angaben der Gewerkschaft rund 1.410 Menschen in der Gastronomie, etwa als Köche, Kellner, Barkeeper oder Rezeptionisten. Beschäftigte können ihren Lohnzettel bei der NGG Darmstadt und Mainz prüfen lassen. Ansprechpartner ist die Gewerkschaft unter der 06151 36 698-0 oder per E-Mail an region.darmstadt-mainz@ngg.net. red
