
Odenwaldkreis. Wenn sich die Wälder golden, orange und feuerrot färben, die tief stehende Sonne über Wiesen und Hügel streicht und unter den Wanderschuhen das Laub raschelt, schlägt die große Stunde des Odenwaldes. Gerade jetzt im Oktober zeigt der Odenwaldkreis, was in ihm steckt: stille Waldwege, weite Fernblicke, Burgen und Ruinen, römische Spuren und sagenumwobene Plätze. Wer noch einen freien Herbsttag im Kalender hat, sollte ihn deshalb nicht auf dem Sofa verbringen. Wanderschuhe an, Rucksack packen und raus!
An Tagestouren herrscht wahrlich kein Mangel. Gleich 22 abwechslungsreiche Wanderungen empfiehlt die Odenwald Tourismus GmbH im Odenwaldkreis. Einen gemütlichen Einstieg bietet der acht Kilometer lange Basilika-Rundweg in Michelstadt mit kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten und Ausblicken ins Mümlingtal. Auf dem nur 6,6 Kilometer langen Burg-Breuberg-Weg wartet die mächtige Burganlage, deren Anfänge bis 1160 zurückreichen. Der elf Kilometer lange Dicke-Eiche-Weg bei Airlenbach und Olfen verspricht dagegen vor allem Stille und Natur. Römische Spuren am Odenwaldlimes begegnen Wanderern auf dem 17 Kilometer langen Hubenweg Würzberg, während der 13 Kilometer lange Hüttenwanderweg rund um Weiten-Gesäß durch Wälder und Felder am Eulbacher Park vorbeiführt.
Wer im Oktober möglichst viel vom Odenwälder Farbenmeer sehen will, sollte sich den zwölf Kilometer langen Fernblickweg Brombachtal vormerken. Über Feld und Flur, Obstwiesen und Weiden geht es mit sanften Steigungen rund um Kirchbrombach und Böllstein. Für Anna Ueltgesforth, zuständig für Destinationsmarketing und -management sowie Nachhaltigkeitsbeauftragte bei der Odenwald Tourismus GmbH, ist der Fernblickweg B7 sogar der persönliche Geheimtipp: „Gerade im Oktober, wenn sich die Laubwälder verfärben und die tief stehende Sonne die Landschaft in ein warmes Licht taucht, entfaltet die Strecke ihren besonderen Reiz.“ Überhaupt sei die Region „wie geschaffen für Wanderer“. Mit Alemannenweg, Nibelungensteig, Burgensteig Bergstraße und Neckarsteig führten gleich vier zertifizierte Qualitätsfernwanderwege durch den Odenwald und die angrenzende Bergstraße.
Panorama satt verspricht auch der 16 Kilometer lange Panoramaweg Erbach-Michelstadt mit Blicken auf die beiden historischen Fachwerkstädtchen. Noch stiller wird es auf dem 17 Kilometer langen Panoramaweg Sensbachtal ab dem Waldgasthof Reussenkreuz. Wer in Erbach starten möchte, kann auf dem leichten, zehn Kilometer langen Wildpark-Weg Brudergrund von der Altstadt durch den romantischen Brudergrund mit Wildpark zur Mossauer Höhe und Sophienhöhe wandern. Anspruchsvoller ist die 14 Kilometer lange Höhendorf-Wanderung rund um Bullau mit geologischen und kulturhistorischen Besonderheiten. Und nach der elf Kilometer langen Fürstengrund-Wanderung ab Bad König lässt es sich anschließend bestens in der Odenwald-Therme entspannen.
In Oberzent lockt der zwölf Kilometer lange Burg-Freienstein-Weg auf stillen Waldwegen zwischen Gammelsbach- und Finkenbachtal mit Ausblicken und mittelalterlichen Ruinen. Durch Wälder und idyllische Wiesentäler führt der 13 Kilometer lange Raubacher-Jockel-Weg – inklusive so mancher Geschichte über die Streiche des Jockels. Die anspruchsvolle, 15 Kilometer lange Odenwald-Neckar-Runde führt von Rothenberg über Kortelshütte hinab nach Hirschhorn, wo Altstadt und Schloss einen Abstecher wert sind. Und wer Schluchten und Panoramablicke mag, findet südlich von Höchst mit „Durch Schluchten ins Römerland“ einen anspruchsvollen Qualitätswanderweg durch das Mümlingtal.
Gleich vier Drachen warten in Mossautal: „Dorn“ führt auf 17 Kilometern durch Wiesen, Täler, Wald und Feld, „Fafnir“ auf 21 Kilometern rund um den Marbachstausee und vorbei an der Molkerei Hüttenthal. „Saphira“ umrundet auf 15 Kilometern Ober-Mossau und erklimmt den 517 Meter hohen Morsberg, während „Triumphalis“ auf 16 Kilometern rund um Güttersbach führt. Dort warten mit dem 548 Meter hohen Spessartkopf und dem Hochmoor „Rotes Wasser“ zwei besondere Stationen.
Wer Kondition mitbringt und Geschichte liebt, hat noch drei besonders reizvolle Kandidaten. Die anspruchsvolle, 17 Kilometer lange Burg-Rodenstein-Runde verbindet schöne Aussichten mit zahlreichen geschichtlichen Höhepunkten. Auf dem zwölf Kilometer langen Sagenweg Wildweibchenstein geht es zur Burgruine Rodenstein und zum sagenumwobenen Wildweibchenstein – bei stürmischem Herbstwetter könnte hier schließlich das „Wilde Heer“ durch die Lüfte brausen. Die Königsetappe bildet die 25 Kilometer lange Nibelungentour bei Reichelsheim: offene Landschaft, lichter Laubwald, grandiose Aussichten und mittelalterliche Spurensuche.
Für das perfekte Herbstfoto empfiehlt Ueltgesforth neben dem Fernblickweg B7 besonders die Nonroder Höhe mit dem Aussichtspunkt „12 Apostel“, von dem bei guter Fernsicht sogar die Frankfurter Skyline zu sehen ist, sowie den Beerfelder Galgen. Auch Trommturm und Panoramaweg Abtsteinach seien lohnende Aussichtspunkte. „Man muss im Odenwald nicht unbedingt auf den höchsten Gipfel steigen, um eine großartige Aussicht zu genießen. Oft sind es gerade die offenen Höhen mit ihrem Wechsel aus Wiesen, Wäldern und kleinen Ortschaften, die im Herbst besonders eindrucksvoll wirken.“
Und wenn der Oktober statt goldener Sonne graue Wolken und Regen liefert? Auch dann muss niemand zu Hause bleiben. „Der Odenwald hat im Herbst weit mehr zu bieten als schöne Wanderwege“, betont Ueltgesforth. Geschichtsfreunde können Burg Breuberg oder die Römische Villa Haselburg bei Höchst erkunden. Bei ungemütlichem Wetter bieten sich die Gräflichen Sammlungen im Erbacher Schloss, das Deutsche Elfenbeinmuseum oder die Odenwald-Therme in Bad König an. Und auch kulinarisch hat der Herbst Hochsaison: In vielen Gasthäusern stehen Wildgerichte und saisonale Spezialitäten auf der Karte. „Man kann morgens durch die bunten Wälder streifen, nachmittags eine historische Sehenswürdigkeit entdecken und den Tag bei regionalen Spezialitäten gemütlich ausklingen lassen.“
Weitere Anregungen liefern die Prospekte und Wanderkarten der Odenwald Tourismus GmbH, die über deren Website bestellt werden können. Aktuelle Ausflugs- und Veranstaltungstipps gibt es zudem über Instagram, Facebook und den Online-Veranstaltungskalender. „Sie liefern Anregungen für Ausflüge und Wanderungen und helfen bei der Planung vor Ort“, sagt Ueltgesforth über die gedruckten Angebote.
Und schon am folgenden Wochenende wartet der nächste große Herbst-Höhepunkt: Vom 23. bis zum 25. Oktober verwandeln die 31. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage den Ort unter dem Motto „Wilde Frauen, wilde Jagd, wilder Wald“ in eine Welt aus Märchen, Sagen, Musik und Mittelalter. Mit mehr als 60 Veranstaltungen und über 200 Akteuren und Künstlern ziehen die Märchen- und Sagentage nach Angaben des Hessischen Literaturrates mehr als 50.000 Besucher an und zählen damit zu den bedeutenden Veranstaltungen ihrer Art weit über den Odenwald hinaus. Ein sagenhafter Abschluss für einen goldenen Oktober! Aleksandar Kerošević



