Auf der Leinwand und in der Gastronomie zu Hause: Jessica Schwarz im elterlichen Rathausbräu in Michelstadt. Foto: Aleksandar Kerošević

DIE SCHAUSPIELERIN SPRICHT MIT DEM ODENWÄLDER JOURNAL ÜBER IHREN BRANDNEUEN KINOFILM „DER PERFEKTE URLAUB“

Michelstadt. Von Michelstadt auf die Kinoleinwand: Jessica Schwarz’ Karriere begann 1993 mit ihrer Wahl zum „BRAVO Girl“. Anschließend arbeitete die damals 16-Jährige weltweit als Model, ehe sie Ende der 1990er-Jahre zunehmend in die Medien- und Unterhaltungsbranche wechselte. Im Jahr 2000 setzte sie sich bei einem Casting als VJ des Musiksenders VIVA durch und arbeitete dort fortan als Fernsehmoderatorin. Parallel dazu moderierte sie die Online-Ausgabe von „Wetten, dass..?“, für die sie ebenfalls zahlreiche Weltstars interviewte. Nur wenig später folgte der entscheidende Sprung zum Film – obwohl Schwarz nie eine Schauspielschule besucht und bis dahin noch keine klassische Schauspielkarriere eingeschlagen hatte. Am 22. Oktober kehrte die gebürtige Odenwälderin mit der Komödie DER PERFEKTE URLAUB – der Fortsetzung von DAS PERFEKTE GEHEIMNIS (2019) – auf die Kinoleinwand zurück. Anlässlich des bundesweiten Kinostarts traf das Odenwälder Journal Jessica Schwarz in ihrer Heimat Michelstadt zu einem exklusiven Interview.

- Anzeige -

Odenwälder Journal: Frau Schwarz, wie gelang Ihnen der Sprung von Modeln und VIVA zu Ihrer ersten Kino-Hauptrolle in Benjamin Quabecks „Nichts bereuen“ (2001)? Wie sind Sie überhaupt hauptberufliche Filmschauspielerin geworden?
Jessica Schwarz: Es gab bei mir schon immer den Drang zu unterhalten. Ich habe als Kind alles Mögliche gemacht: Ballett, Funkenmariechen, Karnevalsballett, rhythmische Sportgymnastik, Modenschauen – alles, wo ich irgendwie auftreten konnte.

Wir hatten hier in Michelstadt einen großen Zeitschriftenladen. Damit sind wir aufgewachsen, von Comics bis zu Bravo Girl, Mädchen und den Hochglanzmagazinen. Irgendwann entstand der Traum: Da möchte ich einmal drauf sein. Meine Eltern meldeten mich bei Bravo Girl an, sie fuhren mich zu einem Fotoshooting. Aus, glaube ich, mehr als 2.000 Einsendungen kam ich erst unter die letzten 100, dann unter die letzten 40, dann unter die letzten Zehn. Beim Finale in Bochum bin ich über den Laufsteg gelaufen und habe meinem riesigen Fantrupp aus Michelstadt zugewunken. Danach sagte eine Redakteurin zu mir: „Jessica, das kannst du dir gleich mal abgewöhnen. Models winken nicht auf dem Laufsteg.“ Am Ende habe ich tatsächlich gewonnen und bekam als Preis einen Vertrag bei einer Modelagentur in München.

Der konkrete Weg zu „Nichts bereuen“ war dann ziemlich verrückt. Für VIVA habe ich in Stuttgart eine Live-Sendung mit der Band S Club 7 moderiert. Die Sendung ging ziemlich in die Hose, es passierten unglaublich viele Fehler und ich musste die ganze Zeit lachen. Benjamin Quabeck suchte gerade die weibliche Hauptrolle für „Nichts bereuen“ und sah ausgerechnet diese Live-Sendung. Er rief bei der Presseabteilung von VIVA an und wollte mich zum Casting einladen. Benjamin hat mir später erzählt, dass die für diesen Film bereits besetzen Darsteller Daniel Brühl und Denis Moschitto vorher zu ihm gesagt hätten: „Bitte keine VIVA-Moderatorin!“ Dann kam ich zum Casting und hatte unglaublich viel Spaß mit den beiden. Als ich wieder draußen war, schauten Daniel und Denis Benjamin an und sagten: „Das ist sie.“

Nach der Premiere des Films klingelte am nächsten Morgen mein Handy. Meine heutige Agentur Höstermann meldete sich und wollte mich im Filmbereich vertreten. Verschiedene Regisseure sahen den Film und wurden auf mich aufmerksam. So kam ich relativ schnell auch zu Dominik Graf.

Ganz neu war die Welt vor der Kamera für mich allerdings nicht. Zwischen Modeln und VIVA hatte ich viel hinter den Kulissen der Unterhaltungsbranche gearbeitet, war bei einer Komparsenagentur und spielte kleine Rollen in Film, Fernsehen und vor allem Werbung. Ich hatte damals aber noch keine Schauspielagentur.

Zwischendurch hatte ich sogar mit einer Freundin eine Band gegründet. Wir nahmen ein oder zwei Songs auf, die aber nie veröffentlicht wurden. Später gab es noch ein Musikprojekt namens Bodypaint. Und nachdem ich bei VIVA in einem Musikvideo einen Whitney-Houston-Song gesungen hatte (die VIVA-Moderatoren sollten zum Spaß jeweils ein Musikvideo an ihrem jeweiligen Lieblingsort aufnehmen, und zwar zu ihrem jeweiligen Lieblingslied), meldeten sich sogar zwei Plattenfirmen, die mit mir eine Platte machen wollten.

Es stellte sich also tatsächlich nach der Veröffentlichung von „Nichts bereuen“ die Frage: Musik oder Schauspielerei? Durch VIVA hatte ich viel über das Leben von Musikern mitbekommen und gemerkt, dass das nicht meine Lebensart ist. Nach VIVA und „Wetten, dass..?“ hatte ich so viele Biografien studiert, dass ich irgendwann dachte: Ich möchte selbst Biografien entstehen lassen. Das hat mir die Schauspielerei gegeben.

Gleichzeitig hatte ich Angst, als ehemalige VIVA-Moderatorin nicht ernst genommen zu werden. Dominik Graf sagte zu mir: „Jessi, du musst dich entscheiden. Wenn du ernst genommen werden willst, hör bei VIVA auf.“ Ich fragte: „Und wenn ich dann keine Arbeit mehr bekomme?“ VIVA bedeutete ein sicheres und gutes Gehalt. Dominik sagte: „Du wirst weiterdrehen. Mach dir keine Sorgen.“ Ich habe auf ihn gehört und gekündigt. Er sollte Recht behalten, denn es folgte ein Angebot nach dem anderen.

Odenwälder Journal: Streng genommen war „Nichts bereuen“ gar nicht Ihr erster Kinofilm. Auch nicht Dominik Grafs „München – Geheimnisse einer Stadt“ (2000), in dem Sie einen kurzen Auftritt hatten. Bereits 1997 tauchen Sie als Model in dem australischen Film „Blackrock“ auf. Wie kam es dazu?
Jessica Schwarz: Völlig verrückt. Ich habe den Film selbst nie gesehen! Ich müsste wirklich einmal hineinschauen und herausfinden, ob ich mich selbst entdecke.

Als Model hatte man eine Hauptagentur und Schwesteragenturen in verschiedenen Ländern. Ich war damals zum Modeln in Australien. Für „Blackrock“ kam über meine dortige Agentur eine Anfrage, weil Models für den Film gesucht wurden. Dann ging man ganz normal zum Casting. So bin ich in diesem Film gelandet.

Ich weiß noch, dass ich ans Set kam und sehr beeindruckt war. Vieles ist nach fast 30 Jahren aber nur noch in Erinnerungsfetzen vorhanden. Ich glaube, ich hatte zwei Szenen, möglicherweise in einer Industriehalle und an einem Strand.

Odenwälder Journal: Im selben Film spielte ein damals noch weitgehend unbekannter 17-Jähriger namens Heath Ledger mit. Erinnern Sie sich daran, ihm begegnet zu sein?
Jessica Schwarz: Das ist nicht Ihr Ernst! Stimmt, natürlich! Daran hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht.

An Heath Ledger selbst kann ich mich leider nicht erinnern. Dafür ist es einfach zu lange her. Aber natürlich wurde er später einer der großartigsten Schauspieler, die diese Welt gesehen hat. Dass wir beide im Abspann desselben Films stehen, ist schon sehr beeindruckend.

Odenwälder Journal: Sie hatten keine Schauspielausbildung. Wie haben Sie sich nach „Nichts bereuen“ das Handwerk erarbeitet?
Jessica Schwarz: Zunächst rein autodidaktisch, aus dem Gefühl heraus. Mit Benjamin Quabeck, Dominik Graf und Thorsten C. Fischer hatte ich tolle Regisseure, die großen Wert auf Schauspielarbeit legten. Das waren natürlich Lehrer für mich.

Sie merkten, dass da eine Kraft war, die man auch einmal rennen lassen musste – wie bei einem jungen Fohlen. Gleichzeitig wussten sie, wann sie die Zügel etwas straffen mussten, um diese Kraft zu lenken. Und damit bin ich eine ganze Zeit lang ganz gut gefahren.

Irgendwann merkte ich aber selbst, dass ich mich im Kreis drehte oder auf der Stelle trat. Zum Schauspiel gehört eben auch Handwerk. Ich sah Kollegen, die mit bestimmten Schauspiel-Techniken arbeiteten, anders in Figuren hineinkamen, Dialoge anders lasen oder durch ihre Theaterarbeit einen anderen Zugang zu Rollen finden. Deshalb begann ich bei Rollen in Filmen wie „Der rote Kakadu“ (2006), mit Schauspiellehrern und Coaches zu arbeiten und mithilfe unterschiedlicher Techniken tiefer in Szenen hineinzugehen, oder anders in die Tiefe zu gehen, und Szenen anders zu bearbeiten. Hier ein paar Beispiele: Wo fängt eine Szene an? Wo will eine Szene hin? Was willst du von deinem Gegenüber? Welche dir bekannten Mitmenschen kannst du auf dein Gegenüber projizieren? Und viele weitere Techniken.

Odenwälder Journal: War es vielleicht sogar auch ein Vorteil, keine Schauspielschule besucht zu haben?
Jessica Schwarz: Ich glaube schon. Da war eine schöne Naivität und eine große Lust am Spiel. Außerdem haben mir das Modeln und die Moderation geholfen. Auch beim Modeln schlüpft man ständig in unterschiedliche Rollen: das Sportliche, Dramatische, Pure, Naive oder Verletzliche. Auch beim Modeln wird eine gewisse Form der Sprache, der Bilder, der Ästhetik und der verschiedenen Emotionen erzählt. Bei der Moderation wiederum wird man sehr schnell in unterschiedliche Situationen geworfen und lernt, damit umzugehen. Das alles konnte ich als Werkzeug für die Schauspielerei benutzen.

Bis heute ist für mich wichtig: Was trägt eine Figur? Welche Kleidung hat sie an? Was macht das Make-up? Meine jetzige Rolle hat zum Beispiel ein Tattoo und rote Fingernägel. Sobald dieses Tattoo auf meiner Haut ist, merke ich, dass ich in die Figur schlüpfe. Ich komme gerade direkt vom Set und habe sogar vergessen, es abzumachen.

Wichtig war auch, dass ich keine Angst davor hatte, Emotionen zu zeigen. Das hatte ich schon als Kind. Wenn jemand ungerecht behandelt wurde, habe ich mich aufgeplustert, bin laut geworden und habe gesagt: „Ich hole meine große Schwester!“ Diese fehlende Angst vor dem Zeigen von Emotionen war sehr hilfreich. Beim Film ist die Kamera sehr nah und man muss viel kleiner spielen als für ein großes Theaterpublikum. In dieser Form vor der Kamera fühle ich mich bis heute wohler als auf der Theaterbühne. Denn Schauspiel vor der Kamera und Schauspiel auf der Theaterbühne sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Odenwälder Journal: War vielleicht auch Michelstadt ein Stück Ihrer Schauspielschule?
Jessica Schwarz: Bestimmt. Der Laden meiner Eltern hat viel dazu beigetragen. Meine Eltern reisten viel und nahmen uns früh mit, gerade auch nach Afrika. Dadurch hatten wir keine Angst vor fremden Kulturen, sondern große Neugier. Und Neugierde ist essenziell fürs Schauspiel.

Und unser Laden war ein offenes Haus. Menschen und Touristen kamen herein, wir Kinder waren eingebunden, kassierten oder verkauften Dinge. Wenn wir nach der Schule nach Hause kamen, saßen wir nicht allein in unserem Zimmer. Wir waren in der Küche hinter dem Laden und wenn vorne jemand kam, gingen wir raus und bedienten ihn oder sie.

Auch das war schon eine Form von Bühne. Die Leute kannten uns. Das war nicht immer praktisch: Wenn wir heimlich die erste Zigarette rauchten oder Unfug machten, wusste es sofort jemand und verriet es meinem Vater. Aber dadurch waren meine Schwester und ich schon früh sehr offen gegenüber anderen Menschen.

Odenwälder Journal: Sie haben mit Ihrer Schwester zwei Hotels in Michelstadt eröffnet – 2008 „Die Träumerei“, 2018 „Träum weiter…“. Planen Sie hier in Michelstadt oder anderswo im Odenwald weitere Projekte?
Jessica Schwarz: Im Moment tatsächlich erst einmal nicht. Ich habe mit meinem Mann in Portugal ebenfalls ein Hotel, das wir praktisch selbst führen: Frühstück machen, Bademäntel und Poolhandtücher waschen, einkaufen, ein- und auschecken – alles, was dazugehört.

Portugal hat mich aber auch ein Stück weit von Deutschland weggetragen. Nach sieben Jahren merke ich gerade, dass ich wieder mehr in Deutschland sein möchte. Ich brauche ein bisschen mehr Heimat und die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was ich machen möchte.

Ich merke, dass für mich wieder eine Veränderung wichtig wird: Was kann ich in Deutschland tun – politisch, sozial, künstlerisch? Da spüre ich ein Defizit, dem ich nachgehen muss. Es ist noch nichts geplant, aber in mir arbeitet etwas. Ich bin immer so: Wenn alles fertig ist und perfekt dasteht, frage ich: Und was machen wir jetzt? Ich glaube, das habe ich von meinem Vater.

Odenwälder Journal: Was hat Sie und Ihre Schwester überhaupt dazu bewogen, diese Hotels in Michelstadt zu eröffnen?
Jessica Schwarz: Dieses Haus hat uns immer angesprochen. Wir haben schon als Kinder ständig darauf geschaut und gesehen, dass es leer stand. Als wir die Möglichkeit bekamen, haben wir überlegt, was man daraus machen könnte.

Für mich spielte auch meine eigene Entwurzelung eine Rolle. Seit ich mit 16 ausgezogen war und viel in Hotels lebte, empfand ich viele davon als unpersönlich. Ich wollte mich wieder in Michelstadt verwurzeln – ausgerechnet mit etwas, das mich während dieser Entwurzelung ständig begleitet hatte: dem Hotelleben.

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man Persönlichkeit, Emotionalität und Detailverliebtheit spürt.

Odenwälder Journal: Zwischen „Das perfekte Geheimnis“ und „Der perfekte Urlaub“ liegen sieben Jahre, für Ihre Figur Eva Koch aber nur wenige Monate. Wie kehrt man zu einer Figur zurück, die diese sieben Jahre nicht erlebt hat?
Jessica Schwarz: Wir sind zwei Wochen vor Drehbeginn nach Mallorca gefahren und haben dort geprobt. Als wir ins Studio kamen, stand dort ein großer rechteckiger Tisch – genau wie in „Das perfekte Geheimnis“. Auch unsere Plätze waren genauso angeordnet. Wir standen davor und dachten alle: „Nein, bitte nicht!“ (lacht) Es war wirklich wie eine Zeitreise.

Beim ersten Film gingen wir im Winter morgens ins Studio, wenn es dunkel war, saßen den ganzen Tag in diesem dunklen Studio und kamen abends heraus, wenn es wieder dunkel war. Das macht etwas mit einem und mit einer Gruppe. Nun saßen wir plötzlich wieder an diesem Tisch und waren sehr schnell wieder in dieser Welt.

Bora Dağtekin ist ein fantastischer Autor und Regisseur und weiß ganz genau, was er von seinen Figuren möchte und braucht. Es ist nicht immer einfach, genau das herzustellen, was er sich vorstellt. Aber gerade das liebe ich an ihm, weil er in seinen Regie-Anweisungen sehr genau ist. Deshalb war es gar nicht so schwer, wieder in Eva hineinzurutschen.

Odenwälder Journal: Sie haben früher gesagt, Eva sei besonders weit von Ihrer eigenen Persönlichkeit entfernt. Sehen Sie sie heute anders? Verurteilen Sie diese Figur weiterhin oder sogar stärker oder weniger stark als früher?
Jessica Schwarz: Grundsätzlich verurteile ich Menschen nicht. Das erlaubt mein Beruf meiner Meinung nach gar nicht. Wenn man alles spielen können und spielen wollen möchte, muss man sich die unterschiedlichen Schichten eines Menschen anschauen. Gerade darin liegt das Interessante: Warum tun Menschen bestimmte Dinge?

Eva ist Psychologin und besitzt eine große Intelligenz und Weitsicht, vielleicht auch eine gewisse Fähigkeit zur Manipulation. Dadurch ist sie extrem spannend und besitzt auch eine Härte.

In „Der perfekte Urlaub“ bekommt man weiterhin diese Eva, spürt aber stärker ihre verletzliche Seite. Nicht nur wir Schauspieler haben sieben Jahre erlebt, sondern auch Bora Dağtekin, und auch unsere Zuschauer sind älter geworden. Der Film ist sehr lustig, hat für mich aber gleichzeitig eine größere Bandbreite an tieferen Emotionen bekommen. Und man sieht im Unterschied zum ersten Teil eine verletzliche Seite von Eva, die ich sehr gerne gespielt habe und auch mag.

Odenwälder Journal: Bezogen auf die Themen Ihres neuen Films und dessen Vorgängers – was ist für Sie schwieriger: eine Wahrheit zu erfahren, die man lieber nicht gekannt hätte (Teil 1) – oder danach mit einem Menschen weiterzuleben, den man plötzlich anders sieht (Teil 2)?
Jessica Schwarz: Das ist schwer zu beantworten, weil es darauf ankommt, um welche Wahrheit es sich handelt: Wie groß ist die Lüge, wie groß das Vergehen?

Ich bin nicht sehr nachtragend. Ich gehe Dingen gerne auf den Grund. Wenn ich etwas wissen möchte, kann ich provozierend sein und mich richtig festbeißen, wenn ich ein bestimmtes Gefühl habe. Ich brauche dann meine Zeit, kann aber auch verzeihen. Wenn es bestimmte Gründe für etwas gegeben hat, finde ich es spannend, mich damit auseinanderzusetzen.

Odenwälder Journal: Muss man in einer guten Beziehung wirklich Hundert Prozent voneinander wissen?
Jessica Schwarz: Ich bin wirklich schlecht im Lügen – außer, wenn ich dafür als Schauspielerin bezahlt werde. (lacht)

Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem ich es gerne mag, wenn mir jemand die Wahrheit sagt. Trotzdem muss man auch da abwägen: Muss man einem oder mehreren Menschen wirklich alles sagen, nur weil Mitmenschen dies von einem erwarten?

Gleichzeitig darf es einem selbst nicht dauerhaft schlecht gehen. Wenn ich merke, dass ich immer wieder etwas herunterschlucke und es sich in mir aufstaut, muss ich irgendwann ehrlich zu mir selbst sein.

Es geht für mich um die Frage: Wo liegt mein Glück? Bin ich in der Situation, in der ich mich befinde, glücklich? Oder möchte ich da raus? Dann muss ich etwas dafür tun. Dabei kann es passieren, dass andere Menschen verletzt werden, dass man sich von Menschen verabschiedet oder neue Wege geht.

Odenwälder Journal: Wie kamen Sie zu Ihrer Rolle in Michael „Bully“ Herbigs „Das Kanu des Manitu“ (2025)?
Jessica Schwarz: Es kam eine Castinganfrage, über die ich mich sehr gefreut habe. Beim Casting erinnerten Bully und ich uns daran, dass ich genau 25 Jahre zuvor als VIVA-Moderatorin bei ihm am Set gewesen war. Ich moderierte damals die Sendung „Film ab“ und war zu seinem allerersten Teil nach Spanien gereist, um die Schauspieler zu interviewen.

Für das Casting hatte ich mir überlegt, dass meine Figur heimlich in Merlin Sandmeyers Figur verliebt sei beziehungsweise gerne eine sexuelle Beziehung mit ihm hätte. Das habe ich gespielt. Bully fand das super – und dadurch habe ich die Rolle bekommen.

Leider hatte ich nur neun oder zehn Drehtage. Ich hätte gerne viel mehr gehabt, denn der Dreh war großartig! Bully hat wirklich alles im Griff, weiß genau, was er braucht, und ist hervorragend vorbereitet. Sehr viel entsteht bei ihm auch anschließend in der Synchronisation, wo viel nachgearbeitet wird, wenn es für gewisse Dinge nicht genügend Zeit am Filmset gab. In der Synchronisation haben wir nachträglich sehr lange und sehr intensiv an Komik und Timing gearbeitet, was mir ebenfalls sehr viel Spaß gemacht hat.

Bully ist am Set zwar konzentriert, aber immer zu einem Spaß aufgelegt. Er liebt es einfach, am Filmset zu sein. Es ist faszinierend zu beobachten, wie er alle Fäden zusammenhält.

Odenwälder Journal: Gibt es eine Rolle, die Sie noch unbedingt spielen möchten?
Jessica Schwarz: Ich hatte einmal ein Casting für eine Rolle, die ich auch bekommen hatte, bei der ich einen Mann spielen sollte. Die Verwandlung dauerte ungefähr zweieinhalb Stunden. Ich zeigte später Leuten die Fotos und alle sagten: „Krass, du siehst aus wie der junge David Bowie.“ (lacht)

Ich dachte: Wie geil ist das denn? Diese Idee hat mich nie wieder losgelassen. Es gibt ja sogar Kurse, in denen man ausprobiert, wie es ist, einen Tag lang ein Mann zu sein. Das hätten wir damals alles gemacht. So eine Rolle spukt bis heute in meinem Kopf herum.

Odenwälder Journal: Können Sie sich noch einmal eine völlig neue berufliche Richtung vorstellen?
Jessica Schwarz: Im Moment bin ich mit dem, was ich beruflich mache, sehr ausgelastet. Aber es rumort etwas in mir. Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas zu kurz kommt.

Vielleicht noch einmal eine Sprache oder ein Musikinstrument lernen. Durch „The Masked Singer“ durfte ich wieder ein bisschen singen. Auch Gesangsunterricht ist deshalb immer wieder etwas, worüber ich nachdenke.

Odenwälder Journal: Was kommt für Sie nach „Der perfekte Urlaub“?                                                                          Jessica Schwarz: „Das verrückte Labyrinth“, basierend auf dem Ravensburger-Spiel. Das wird großes Family Entertainment, bei dem natürlich auch digital sehr viel passieren wird. Es gibt Drachen, Geister und vieles mehr.

Außerdem habe ich Castings gemacht – darüber kann ich derzeit aber noch nicht konkret sprechen.

Text und Interview: Aleksandar Kerošević

Vorheriger ArtikelSparkassenehrenzeichen für 25 Jahre Engagement: Michael Gänssle im Verwaltungsrat der Sparkasse Odenwaldkreis geehrt

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein