
Erbach. Weniger Beton, mehr Grün: In Erbach soll sich das Gesicht der Innenstadt verändern. Zusätzliche Pflanzflächen und möglicherweise sogar ein „Tiny Forest“ könnten für mehr Schatten, ein besseres Stadtklima und höhere Aufenthaltsqualität sorgen.
Angestoßen wurde die Debatte im neuen Ortsbeirat der Kernstadt. Seit der Sanierung von Hauptstraße und Unterer Hauptstraße gibt es weniger Grünflächen, während sich versiegelte Flächen im Sommer stark aufheizen. Ortsvorsteher Oliver Kumpf schlägt deshalb kleine Flächen mit heimischen Stauden, klimaresistenten Pflanzen und Gehölzen vor. Sie könnten Hitze mindern, die Artenvielfalt fördern und zugleich Falschparken verhindern.
Bürgermeister Dr. Peter Traub steht den Ideen grundsätzlich offen gegenüber. „Ich vermute, dass das erste Treffen zwischen dem Ortsbeirat der Kernstadt und der Erbacher Plattform im November dieses Jahres stattfinden wird“, sagt er. Erste kleinere Maßnahmen seien aus seiner Sicht allerdings erst später realistisch: „Erste sichtbare kleinere Maßnahmen kann ich mir in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 vorstellen.“
Besonders im Fokus steht der „Tiny Forest“, ein dicht bepflanzter Mini-Wald nach dem Konzept des japanischen Biologen Akira Miyawaki. Viele standortgerechte Bäume und Sträucher sollen auf kleiner Fläche ein eigenes Mikroklima schaffen und Lebensraum für Tiere bieten. Traub nennt zwei mögliche Standorte: „Ich persönlich könnte mir die eine Fläche im Bereich des Handwerkerhofes und die Fläche im Bereich des Erbacher Treppenwegs vorstellen.“ Zunächst soll die Erbacher Plattform das Konzept im Ortsbeirat vorstellen.
Einfach wird die Begrünung allerdings nicht: Unter den Straßen verlaufen zahlreiche Kabel, Bäume benötigen Platz für ihre Wurzeln und für die geförderte Gestaltung der sanierten Hauptstraße gelten Vorgaben. „Wir müssen genau prüfen, welche Änderungen man wirklich machen darf“, sagt Traub. Hinzu kommen der zusätzliche Pflegeaufwand und die Kosten. Kumpf hatte 20.000 Euro als Startbudget für den nächsten Haushalt vorgeschlagen. Traub hält das für zu knapp: „Ich persönlich glaube, dass solch ein Startbudget nicht bei 20.000 Euro, sondern, realistisch betrachtet, mindestens im sechsstelligen Bereich liegen würde.“ Zugleich betont er: „Ich bin grundsätzlich für alle Ideen und Vorschläge offen, die dieses Projekt vorantreiben, und ich bin immer bereit zur Unterstützung – man muss nur jede dieser Ideen realistisch auf technische, finanzielle und personelle Machbarkeit überprüfen.“
Förderprogramme von Bund und Land könnten einen Teil der Kosten auffangen. „Bei der Umsetzung derartiger Maßnahmen sind sicherlich die zahlreichen Förderprogramme zu sichten und anzugehen, deren Zahl auf Landes- und Bundesebene insgesamt im zweistelligen Bereich liegt“, sagt Traub. Auch die Klimaschutzmanagerin und das kommunale Klimaschutzkonzept schaffen Voraussetzungen für Klimaschutz und Klimaanpassung, wobei konkrete Begrünungsmaßnahmen nicht zur Hauptaufgabe der Klimaschutzmanagerin gehören.
Eine Schlüsselrolle kommt dem Kernstädter Ortsbeirat auch bei der Bürgerbeteiligung zu. Dieses Gremium wurde erst mit der Kommunalwahl im März 2026 geschaffen: Zum ersten Mal in der Geschichte Erbachs hat auch die Kernstadt einen eigenen Ortsbeirat. Gerade Gastronomen und Geschäftsleute sind von der künftigen Gestaltung unmittelbar betroffen. Traub sagt: „Die frühzeitige Einbindung der Bürger in diese Planungen wird eine der Kernaufgaben dieses neuen Ortsbeirats sein.“
Ob daraus neue Grünflächen, zusätzliche Bäume oder tatsächlich ein Mini-Wald entstehen, hängt nun von Flächen, Technik, Geld, Förderung und Beteiligung ab. Die Debatte hat begonnen. Aleksandar Kerošević




