
Odenwaldkreis. Die eigenen vier Wände – für viele im Odenwaldkreis immer noch Realität. Mit einer Wohneigentumsquote von stolzen 60,8 Prozent liegt die Region weit über dem Bundesdurchschnitt von 43,5 Prozent. Rund 27.300 Wohnungen werden hier von den Eigentümern selbst genutzt. Doch der Schein trügt: Vor allem die jungen Leute haben kaum noch eine Chance aufs eigene Heim.
Das Pestel-Institut hat im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel den regionalen Wohnungsmarkt unter die Lupe genommen. Das ernüchternde Ergebnis: Die 25- bis 40-Jährigen – immerhin rund 16.500 Menschen im Odenwaldkreis – werden zur Verlierer-Generation. „Jobstarter und Familiengründer gehören eigentlich zur typischen Klientel für Hausbau und Wohnungskauf. Aber sie können sich das immer seltener leisten“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Die Kritik der Branche richtet sich vor allem gegen die Bundespolitik. „Die Eigenheimzulage und das Baukindergeld wurden abgeschafft. Damit gibt es faktisch keine effektive Förderung von Wohneigentum mehr“, beklagt Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Sie fordert ein Sofortprogramm mit direkten Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen – auch für Durchschnittsverdiener. Wer Wohneigentum wolle, müsse auch mit wenig Eigenkapital eine Chance bekommen.
Zudem appelliert Metzger an die CDU- und SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Odenwaldkreis, ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag endlich einzulösen. Nötig sei eine langfristig garantierte Förderung, kein kurzfristiges Strohfeuer.
Dass sich der Kampf ums eigene Heim lohnt, zeigt der Blick aufs Alter. „Die Baby-Boomer gehen jetzt in Rente. Wer zur Miete wohnt, läuft Gefahr, sich arm zu wohnen. Wohneigentum dagegen ist eine bewohnbare Rente – ein Stück Rente in Stein“, so Günther. red
