Odenwaldkreis. Mit dem ersten Spatenstich im Dezember 2024 in Fränkisch-Crumbach hat der Odenwaldkreis ein Infrastrukturprojekt begonnen, das seine digitale Zukunft prägen wird. Mehr als ein Jahr später zeigt sich: Der geförderte Glasfaserausbau kommt voran – trotz Wetters, Brückenbaustellen und komplexer Abstimmungen. „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt Dieter Strebel, Projektleiter Gigabit bei der Odenwald Gigabit Gesellschaft mbH (OGIG), im Gespräch mit dem Odenwälder Journal. Bis 2030 sollen alle rund 32.500 Adresspunkte im Kreis einen Glasfaseranschluss erhalten.
Rund 100 Millionen Euro kostet der geförderte Ausbau insgesamt. Die Finanzierung steht auf drei Säulen: 50 Prozent trägt der Bund, 40 Prozent das Land Hessen, zehn Prozent übernehmen die Kommunen. Für die Bürger bedeutet das: Der Anschluss ans Glasfasernetz ist grundsätzlich kostenfrei – allerdings nur dann, wenn rechtzeitig die notwendige Hauseigentümererklärung abgegeben wird. „Ohne diese Zustimmung dürfen wir das Grundstück nicht betreten“, betont Strebel. Erfolgt der Anschluss später, können rund 1.500 Euro fällig werden.
Der Ausbau schreitet kreisweit voran. In nahezu jeder Odenwälder Kommune haben die Arbeiten begonnen. Seit dem Start wurden von insgesamt 710 Kilometern Trassen bereits 146 Kilometer gebaut, zudem wurden 3.200 von 14.705 geförderten Hausanschlüssen im Tiefbau fertiggestellt – jeweils rund 20 Prozent. Besonders weit ist Fränkisch-Crumbach: Dort sind laut OGIG 95,8 Prozent der Trassen und 66,75 Prozent der Hausanschlüsse im Tiefbau abgeschlossen. Auch in Höchst und Breuberg liegen die Werte deutlich über dem Kreisdurchschnitt.
Transparenz gehört dabei zum Konzept. Auf der Website der OGIG können Bürger jederzeit nachvollziehen, wie weit der Ausbau in ihrer Kommune fortgeschritten ist. Wichtig ist jedoch die Unterscheidung: Die Übersicht zeigt ausschließlich den geförderten Ausbau. In den Ortszentren etwa von Erbach, Michelstadt oder Reichelsheim ist zusätzlich ein eigenwirtschaftlicher Ausbau durch Telekommunikationsunternehmen vorgesehen. Diese Gebiete tauchen in der Karte nicht auf. „Der geförderte Ausbau greift vor allem dort, wo es für Anbieter wirtschaftlich weniger attraktiv ist – häufig in den Ortsteilen außerhalb der Zentren“, erklärt Strebel.
Welche Unternehmen wo eigenwirtschaftlich ausbauen, darf die OGIG nicht veröffentlichen. Im Frühjahr müssen die Anbieter ihre Ausbauabsichten jedoch offiziell melden. „Erst danach wissen wir, wo noch Lücken bleiben und in welchen Straßen der geförderte Ausbau einspringt“, so Strebel. Dieses sogenannte Markterkundungsverfahren läuft noch bis Juni 2026.
Technisch setzt der geförderte Ausbau konsequent auf FTTH (Fibre to the Home). Den Haushalten stehen Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s symmetrisch zur Verfügung. Wer möchte, kann über eine eigene Hausverkabelung sogar Fibre-to-the-Desk-Lösungen realisieren. Wichtig: Ein Vertrag mit einem Anbieter ist keine Voraussetzung, um den Anschluss zu erhalten. „Sobald ein Vertrag abgeschlossen ist, kann das Netz sofort genutzt werden“, sagt Strebel.
Dass der Ausbau nicht überall gleichzeitig erfolgt, hat nachvollziehbare Gründe. Die Reihenfolge richtet sich nach technischen und geografischen Gegebenheiten und wird laufend angepasst. Ein aktuelles Beispiel ist der Brückenneubau bei Bad König-Zell. „Manche Bauabschnitte wurden vorgezogen, andere nach hinten verschoben“, erläutert Strebel. Die enge Abstimmung mit Behörden habe sich dabei bewährt: „Die Zusammenarbeit hat gut funktioniert.“
Entscheidend für einen reibungslosen Ablauf bleibt die Mitwirkung der Hauseigentümer. Liegt die Hauseigentümererklärung nicht rechtzeitig vor, endet die Leitung zunächst an der Grundstücksgrenze. Ein späterer Anschluss ist zwar möglich, aber nicht mehr kostenfrei. Positiv: „Der Anteil derjenigen, die noch reagieren müssen, liegt im einstelligen Prozentbereich“, sagt Strebel.
Auch die Qualität der Bauarbeiten wird eng überwacht. Die Kontrolle übernehmen die Kommunen selbst über ihre Bausachverständigen. Bei möglichen Schäden gelten die Regelungen des Telekommunikationsgesetzes. Strebel verweist zudem auf Erfahrung: Beim ersten Glasfaserprojekt der OGIG zwischen 2010 und 2012 habe es keine Folgeschäden gegeben – „das spricht für die Qualität der ausführenden Firma“.
Und wenn der Zeitplan doch ins Wanken gerät? „Derzeit ist eine Verzögerung nicht absehbar“, sagt Strebel. Sollte es triftige Gründe geben, könne die Bauphase verlängert werden. Noch aber zeigt alles in eine Richtung: Der Odenwald ist auf Kurs – auf dem Weg in eine digitale Zukunft mit Lichtgeschwindigkeit. Aleksandar Kerošević




