Bad König / Erbach / Höchst. Es sind Orte voller Kindheitserinnerungen, Sommertage und erster Sprünge ins kalte Wasser – und doch stehen gleich mehrere Freibäder im Odenwaldkreis an einem Wendepunkt, der kaum dramatischer sein könnte. Zwischen millionenschweren Sanierungsplänen, politischem Streit und klaren Bürgerentscheiden zeigt sich: Die Zukunft der Bäder ist längst keine reine Freizeitfrage mehr. Es geht ums Ganze.
In Erbach etwa steht das Alexanderbad sinnbildlich für die Dimension der Herausforderung. Mehr als vier Jahrzehnte alt, technisch überholt und an vielen Stellen schlicht nicht mehr normgerecht, müsste die Anlage grundlegend erneuert werden. Die Schätzungen gehen in Richtung zehn Millionen Euro – eine Summe, die für eine einzelne Kommune kaum zu stemmen ist. Ohne massive Förderung, idealerweise aus einem Bundesprogramm mit hoher Zuschussquote, dürfte das Projekt kaum realisierbar sein. Selbst dann bliebe ein Millionenanteil bei der Stadt hängen. Und die Zeit drängt: Fachleute machen deutlich, dass ein „Weiter so“ kaum möglich ist. Wird nicht gehandelt, droht perspektivisch die Schließung.
Ein ganz anderes, aber nicht weniger emotionales Bild zeigt sich in Bad König. Dort ist das Freibad bereits seit Jahren dicht – und die Bürger haben nun selbst das letzte Wort gesprochen. In einem Bürgerentscheid votierte eine Mehrheit gegen die Sanierung, die unter anderem über eine spürbare Erhöhung der Grundsteuer hätte finanziert werden sollen. Ein Ergebnis, das die Stadt spaltet: Während die Kernstadt mehrheitlich für eine Wiedereröffnung war, lehnten viele Stadtteile das Vorhaben ab. Zurück bleibt ein politisches Nachspiel – und vor allem eine große Leerstelle. Denn was nun mit dem Gelände passieren soll, weiß aktuell niemand so genau. Klar ist nur: Der Traum vom eigenen Freibad hat einen herben Dämpfer bekommen.
Und doch gibt es auch leise Signale der Zuversicht – aus dem nördlichen Odenwald. In Höchst setzt man nicht auf Beton und Millionenprojekte, sondern auf Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Breuberg und der Odenwald-Therme in Bad König entsteht ein Ausbildungsverbund, der gezielt Fachkräfte für den Bäderbetrieb ausbilden soll. Ein pragmatischer Ansatz, der ein zentrales Problem adressiert: den zunehmenden Personalmangel. Die Botschaft dahinter ist klar: Wer die Zukunft der Freibäder sichern will, muss nicht nur in Technik investieren, sondern auch in Menschen.
So unterschiedlich die Situationen in Erbach, Bad König und Höchst auch sind – sie erzählen gemeinsam eine Geschichte. Eine Geschichte über knappe Kassen, schwierige Entscheidungen und die Frage, welchen Stellenwert öffentliche Bäder künftig noch haben. Aleksandar Kerošević

