Winterdienst auf der K 47 bei Mossautal, Ortsteil Güttersbach. Foto: Gunter Johe

Odenwaldkreis. Noch liegt kein Schnee auf den Straßen, noch hat der Winter den Odenwaldkreis nicht fest im Griff. Doch während Autofahrer morgens allenfalls zum Eiskratzer greifen müssen, laufen hinter den Kulissen längst die Vorbereitungen für jene Tage, an denen Schnee, Eis und Glätte den Verkehr zur Geduldsprobe machen. Hessen Mobil rüstet sich für den Winter – und zwei Straßenmeistereien stehen dabei im Odenwaldkreis an vorderster Front.

Bad König und Beerfelden tragen die Verantwortung für den Winterdienst auf dem knapp 500 Kilometer umfassenden überörtlichen Straßennetz des Kreises. Insgesamt 30 Mitarbeiter sind dort für den Winterdienst eingeteilt, 15 Fahrzeuge mit den entsprechenden Anbauten stehen bereit. Und wenn es die Wetterlage verlangt, beginnt ihr Arbeitstag zu einer Uhrzeit, zu der die meisten Odenwälder noch tief schlafen.

 

Im Ernstfall geht es schon um 0.30 Uhr los

Denn der Winterdienst wartet nicht auf den Berufsverkehr. „Tritt der Ernstfall ein, starten die Winterdienstfahrzeuge auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen teilweise bereits um 0.30 Uhr zu ihren Streu- und Räumtouren“, erklärt Jochen Vogel vom Regionalbüro Südhessen von Hessen Mobil. Die Touren werden anschließend im Schichtbetrieb bis in die Abendstunden mehrfach gefahren.

Bundes-, Landes- und Kreisstraßen werden zwischen 6 und 22 Uhr freigehalten. Das heißt ausdrücklich nicht, dass erst um 6 Uhr mit der Arbeit begonnen wird. Im Gegenteil: Damit die Straßen möglichst schon zum Beginn des morgendlichen Verkehrs passierbar sind, kann der Einsatz Stunden vorher anlaufen.

Der Winterdienst wird im Drei-Schicht-Betrieb organisiert. Wann die Fahrzeuge tatsächlich ausrücken, entscheidet sich nicht erst beim Blick aus dem Fenster der Straßenmeisterei.

 

Sensoren schlagen Alarm

Schon nachts überwachen Mitarbeiter am Computer die Situation. Hessen Mobil nutzt dafür unter anderem das Straßenzustands- und Wetter-Informationssystem SWIS des Deutschen Wetterdienstes. Regionale Wetterprognosen und Warnmeldungen werden mit den Daten von Glättemeldeanlagen kombiniert. Diese erfassen unter anderem Luft- und Untergrundtemperatur sowie Luft- und Fahrbahnfeuchte.

„Wenn anhand der Messwerte Glätte droht, rücken die Streufahrzeuge aus, um die Fahrbahnen rechtzeitig zu präparieren“, berichtet Vogel. Hinzu kommt die Erfahrung der Mitarbeiter. Sie kennen die neuralgischen Punkte ihres Reviers – etwa Stellen, an denen es an Brücken oder nach Waldpassagen besonders schnell glatt werden kann.

Welche Strecke zuerst an die Reihe kommt, wird ebenfalls nicht dem Zufall überlassen. Hessen Mobil bewertet die Straßen nach einem landesweit einheitlichen Verfahren. Eine Rolle spielen dabei unter anderem Verkehrsbelastung, Höhenlage, Steigungen und Straßenverlauf. Berücksichtigt werden außerdem der öffentliche Nahverkehr, Schulbusse sowie Zufahrtswege für Krankentransporte und zu Schulen und Bahnhöfen.

 

15 Fahrzeuge gegen Schnee und Eis

Allein die Straßenmeisterei Bad König verfügt über acht Fahrzeuge mit Winterdienst-Anbauten. Fünf davon werden von den insgesamt 15 für den Winterdienst eingeteilten Mitarbeitern im Schichtbetrieb gefahren, drei weitere Fahrzeuge stellt ein Fremdunternehmen.

In Beerfelden sieht es ähnlich aus: Dort stehen sieben Fahrzeuge zur Verfügung. Fünf werden von den 15 eingeteilten Mitarbeitern gefahren, zwei weitere kommen von einem Fremdunternehmen.

Damit stehen den beiden für den Odenwaldkreis verantwortlichen Meistereien zusammen 15 Winterdienstfahrzeuge zur Verfügung. Doch selbst diese Flotte kann bei heftigem Winterwetter nicht zaubern.

 

Salz soll haften statt davonfliegen

Auf den Straßen landet in der Regel nicht einfach trockenes Streusalz. Hessen Mobil setzt auf Feuchtsalz FS 30. Dabei wird das Salz vor dem Ausbringen mit einer Salzlösung angefeuchtet. Das soll dafür sorgen, dass es auf reif- und eisglatter Fahrbahn besser haftet, weniger Salz verweht wird und eine größere Streubreite möglich ist. Zudem setzt der Auftauprozess schneller ein und die Straßen bleiben länger eisfrei.

Für den Nachschub gibt es neben den Salzhallen der Straßenmeistereien zusätzliche Winterstützpunkte. Allein die Straßenmeisterei Beerfelden verfügt nach Angaben von Hessen Mobil über ein Salzlager mit rund 1.300 Tonnen Fassungsvermögen. Durch neue Salzlagerhallen können in der gesamten Region Südhessen insgesamt rund 9.000 Tonnen Streusalz eingelagert werden.

 

Der Winterdienst kann nicht zaubern

Gerade bei starkem Schneefall stößt auch eine gut vorbereitete Straßenmeisterei an Grenzen. „Streu und Räumfahrzeuge können nicht überall gleichzeitig sein“, betont Vogel. Je nach Wetterlage können die Umlaufzeiten auf den einzelnen Routen drei bis vier Stunden betragen.

Das bedeutet: Während ein Räumfahrzeug seine Runde fährt, kann eine bereits bearbeitete Straße längst wieder zugeschneit oder glatt geworden sein. Selbst bei laufenden Einsätzen können deshalb einzelne Abschnitte winterlich und gefährlich bleiben.

Hessen Mobil macht daraus keinen Hehl. „Auch ein noch so guter Winterdienst kann keine ‚sommerlichen‘ Straßenverhältnisse schaffen“, stellt Vogel klar. Trotz teilweise pausenloser Einsätze könne es auf den Straßen rutschig und gefährlich werden.

Für Autofahrer bedeutet das: Winterdienst ist kein Freifahrtschein für sommerliche Fahrweise. Das Fahrzeug muss wintertauglich sein, die Geschwindigkeit der Witterung angepasst und genügend Sicherheitsabstand eingehalten werden.

 

Bloß nicht am Räumfahrzeug vorbei!

Und noch etwas ist Hessen Mobil wichtig: Wer einem Räum- oder Streufahrzeug begegnet, sollte dessen Arbeit nicht erschweren. Einsatzfahrzeuge sollen nicht behindert und insbesondere beim gestaffelten Räumen nicht überholt werden. Im Stau muss eine Gasse freigehalten werden, im Gegenverkehr heißt es rechts fahren und Rücksicht nehmen. In engen Ortsdurchfahrten sollten Autofahrer ihre Fahrzeuge zudem nicht auf der Fahrbahn abstellen.

Denn wenn Schnee und Eis tatsächlich zuschlagen, zählt für die Mitarbeiter in Bad König und Beerfelden jede freie Minute – und jeder freie Meter Straße. Aleksandar Kerošević

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