So könnte er verlaufen: Die Grafik zeigt den vorgesehenen Rad- und Gehweg. Grafik: Hessen Mobil

GEMEINDE VERTAGT DIE ENTSCHEIDUNG – UND FORDERT ANTWORTEN VON HESSEN MOBIL

Höchst. Eigentlich sollte die Entscheidung fallen. Doch daraus wurde nichts. Der geplante Rad- und Gehweg entlang der B 45 zwischen Höchst und Groß-Umstadt sorgt weiter für Diskussionen – und die Gemeindevertretung zieht vorerst die Bremse. Statt über die von Hessen Mobil ausgearbeiteten Vorzugsvarianten abzustimmen, verständigten sich die Fraktionen in ihrer jüngsten Sitzung (Montagabend, 26. Oktober) darauf, das Thema zurückzustellen. Zu groß ist offenbar noch der Klärungsbedarf bei einem Vorhaben, das nicht nur den Radverkehr verändern, sondern auf einem Teilstück auch unmittelbar in die bestehende Verkehrsführung der B 45 eingreifen würde.

Bevor über das Projekt abgestimmt wird, soll die geplante Strecke in einer der kommenden Sitzungen noch einmal anschaulich dargestellt werden. Dazu soll auch ein Vertreter von Hessen Mobil eingeladen werden, der die Planung erläutert und offene Fragen beantwortet. Frühestens bei der nächsten Sitzung könnte das politisch umstrittene Vorhaben damit erneut auf die Tagesordnung kommen – ob dann bereits eine Entscheidung fällt, ist offen.

Drei Abschnitte – und ein entscheidender Eingriff

Hinter der Debatte steckt ein deutlich größeres Vorhaben als ein kurzer neuer Fahrradweg am Straßenrand. Die Planungen von Hessen Mobil sehen eine Verbindung zwischen Höchst und Groß-Umstadt vor. In der Projektübersicht wird die gesamte Strecke mit rund sieben Kilometern angegeben. Für Höchst sind vor allem die ersten beiden Abschnitte entscheidend: Vom Bereich Hetschbach bis zum Parkplatz an der Bienenhauskurve geht es um etwa 500 Meter, anschließend folgen rund 750 Meter bis zum Abzweig Rondell/Sonnenhof. Danach führt die Planung auf Groß-Umstädter Seite weiter.

Für den ersten Abschnitt bevorzugen die Planer eine eigenständige Trasse abseits der Fahrbahn. Diese Variante ist zwar vergleichsweise steil, kommt aber mit einem deutlich geringeren Waldanteil aus und wurde in der Gesamtabwägung am besten bewertet.

Brisanter ist der zweite Abschnitt. Zwischen Bienenhauskurve und Rondell soll nach der Vorzugsplanung ein Teil der vorhandenen Straßenfläche zum Rad- und Gehweg werden. Dadurch würde der bisherige Überholabschnitt in Fahrtrichtung Norden verkürzt. Hessen Mobil geht dennoch davon aus, dass die Leistungsfähigkeit der B 45 erhalten bleibt: Statt bislang rund zwei Kilometern wären nach den Unterlagen noch etwa 1,2 Kilometer Überholstreifen vorhanden.

CDU warnt vor gefährlichem Überholdruck

Diesen Eingriff bewertet die Höchster CDU kritisch. Die Fraktion fürchtet, dass ein kürzerer Überholstreifen den Druck auf Autofahrer erhöhen könnte, einen begonnenen Überholvorgang noch schnell zu Ende zu bringen.

„Gerade vor dem Ende eines Überholstreifens drohen hastige Spurwechsel, abrupte Bremsmanöver und riskante Versuche, einen Überholvorgang noch abzuschließen“, warnt die CDU-Fraktion in ihrer Stellungnahme. Nach ihrer Einschätzung könnte ausgerechnet auf einem ohnehin sensiblen Straßenabschnitt ein zusätzliches Sicherheitsproblem entstehen.

Schmauß sorgt sich um Betriebe und Pendler

Auch Wirtschaftsdezernent Kevin Schmauß äußert Bedenken. In einem Schreiben an Bürgermeister Jens Fröhlich und die Fraktionsvorsitzenden begrüßt er zwar bessere Radwege zwischen Höchst und Groß-Umstadt, warnt aber vor Nachteilen für Pendler und Unternehmen. Mit Blick auf Baustellen und Störungen schreibt er: „Wer heute dauerhaft Straßenkapazitäten reduziert, muss sich deshalb auch fragen lassen, welche Reserven unserem Verkehrsnetz morgen noch zur Verfügung stehen.“ Handwerk, Logistik und Beschäftigte seien auf verlässliche Verkehrswege angewiesen.

Zudem sieht Schmauß Sicherheitsfragen bei Engstellen, Übergängen und Querungen – besonders in Kurven, bei Nebel und Dämmerung. Auch müsse gewährleistet bleiben, dass Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei jederzeit passieren können.

Die Geldfrage

Auch die Baukosten sorgen für Diskussionen. Die genannten 490.625 Euro betreffen die Vorzugsvariante für die rund 750 Meter zwischen Bienenhauskurve und Rondell. Als Baulastträger der kompletten Maßnahme nennt die Beschlussvorlage den Bund beziehungsweise Hessen Mobil; für die Gemeinde sind dort keine Ausgaben ausgewiesen. Das Gesamtprojekt reicht zudem weit über Höchst hinaus: Allein der dritte Abschnitt Richtung Groß-Umstadt umfasst rund 5,7 Kilometer.

Die Kernfrage bleibt: Wie lässt sich ein sicherer Radweg schaffen, ohne die B 45 als wichtige Verkehrsachse zu schwächen? Die Gemeindevertretung hat darauf vorerst keine Antwort gegeben. Die Entscheidung ist vertagt – der Streit nicht. Aleksandar Kerošević

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