Kevin Schmauß (CDU) wurde zum neuen zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordneten gewählt. Foto: Privat

Odenwälder Journal: Herr Schmauß, herzlichen Glückwunsch zur Wahl. Welche Aufgaben übernehmen Sie nun konkret?

Kevin Schmauß: Herzlichen Dank, ich freue mich auf die neue Aufgabe. Konkret werde ich in Zukunft für die Wirtschaftsförderung des Odenwaldkreises, unsere Landwirtschaft und den Tourismus sowie unsere Regionalgesellschaft und den in ihr organisierten öffentlichen Personennahverkehr verantwortlich sein. Dazu kommen noch das Gesundheitsamt, das Veterinärwesen und der Verbraucherschutz.

Odenwälder Journal: Welche Probleme und Herausforderungen gibt es für Sie und wie wollen Sie diese meistern?

Kevin Schmauß: Besondere Herausforderungen werden vor allem die Neuausrichtung der Tourismuspolitik des Odenwaldkreises und die rechtssichere Vergabe unserer Verkehrsverträge für das kommende Jahrzehnt im Jahr 2029 sowie die Modernisierung der Odenwaldbahn sein. Auch in der Landwirtschaft gibt es viele Themen, bei denen wir unseren Landwirten den Rücken stärken müssen. Ich bin ausgebildeter Jurist und bringe ein breites Netzwerk in alle politischen Entscheidungsebenen, auch über den Odenwald hinaus, und über zehn Jahre Erfahrung in der Politik mit ins Amt. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kreises werden wir die anstehenden Aufgaben erfolgreich meistern.

Odenwälder Journal: Wo sehen Sie Handlungsspielräume – angesichts der hohen Verschuldung des Landkreises und trotz der immer höheren Lasten, die der Bund den Landkreisen und Kommunen aufbürdet? Wie ist da Ihre Einschätzung?

Kevin Schmauß: Die Kommunalfinanzkrise trifft Landkreise und Kommunen in ganz Deutschland gleichermaßen und unverschuldet. Bund und Länder werden den Städten und Gemeinden mittelfristig mit einer Strukturreform im Sinne echter Konnexität entgegenkommen müssen, wenn sie nicht wollen, dass sich Schuldenberge wie früher unkontrollierbar auftürmen. In der Zwischenzeit ist es unsere Aufgabe, mit Zuversicht und Kreativität die vorhandenen Spielräume zu nutzen, um den Landkreis innovativ und zukunftsfest aufzustellen. Das erfordert bei knappen Finanzen manchmal etwas mehr Zeit und Gehirnschmalz, aber wo ein Wille ist, ist nach meiner Überzeugung immer auch ein Weg. Gerade in der Wirtschaftsförderung sind wir jetzt bereits sehr ordentlich aufgestellt und ich werde meine ganze Kraft darauf verwenden, dass durch unsere Gestaltung der Rahmenbedingungen für Unternehmen Wachstum entsteht, das über die Entwicklung der Steuern den Kommunen des Kreises und damit auch uns wieder mehr finanziellen Spielraum verschafft.

Odenwälder Journal: Einer Ihrer Schwerpunkte ist die Wirtschaftsförderung. Welche konkreten Maßnahmen werden Sie ergreifen, um den Odenwaldkreis als Wirtschaftsstandort für den Mittelstand attraktiver zu machen?

Kevin Schmauß: Wir werden in jedem Fall den weiteren Aus- und Aufbau des Odenwälder Wirtschaftsforums priorisieren, das in Zukunft ein Ort sein soll, an dem sich die wichtigen Entscheider aus Politik, Verbänden und von der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite unserer hiesigen Wirtschaft begegnen. Wir wollen eine Veranstaltung schaffen, auf der wir durch Austausch Netzwerke erweitern und damit Potenziale und unentdeckte Chancen vor Ort sichtbar machen. Darüber hinaus wollen wir als Wirtschaftsförderung dieses Event und andere Gelegenheiten nutzen, um bei unseren Unternehmen genau hinzuhören, wo der Schuh drückt. Am Ende muss eine Kreisverwaltung mit allen ihren Abteilungen so aufgestellt sein, dass wir gemeinsam mit unseren zwölf Kommunen im Rahmen einer allgemeinen Ermöglichungskultur immer zuerst fragen, wie wir eine gute Idee mit konstruktiver Begleitung Wirklichkeit werden lassen und nicht, welche Vorschriften ihr möglicherweise entgegenstehen. Diese Grundhaltung muss auch die bestimmende Botschaft für ein erfolgreiches Standortmarketing sein, das wir für den Odenwaldkreis entwickeln müssen, wenn wir ein gesundes Wachstum sicherstellen wollen. Von großer Bedeutung für uns als Wirtschaftsstandort ist außerdem, dass wir die Anbindung des Odenwaldkreises kontinuierlich verbessern: Die Modernisierung der Odenwaldbahn und die Straßenbauprojekte an B 45 und B 38 sind zentrale Projekte, die in absehbarer Zeit abgeschlossen werden müssen, um den Standort zu sichern. Besondere Bedeutung für uns als Innovationsstandort kommt auch dem Ausbildungsangebot an unserem Berufsschulzentrum zu: Wir müssen hier im Odenwald weiterhin die Berufe in Fachklassen ausbilden, die von der hiesigen Wirtschaft angefragt werden. Dafür werde ich mich mit Nachdruck einsetzen.

Odenwälder Journal: Wie sehr wird Sie Ihre neue Aufgabe beanspruchen, bleibt Ihnen dann noch Zeit für ein Privatleben?

Kevin Schmauß: Für mich ist Politik bisher Hobby und Leidenschaft zugleich gewesen und das will ich auch nicht ändern. Von daher gibt es in meinem Kopf diese strenge Trennung zwischen privat und Dezernat nicht. Ich fühle mich geehrt und privilegiert, Botschafter und Entscheider für unsere Heimat sein zu dürfen. Die richtige Balance zwischen Vollgas und Erholungspause werde ich dabei bei einem guten Glas Wein und anderen leckeren Produkten aus dem Odenwald sowie einem guten Buch bestimmt finden.

Das Interview wurde geführt von Aleksandar Kerošević

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