Mehr davon: „Herzenssache Wohnungsbau“. Gerade Sozialwohnungen garantieren günstiges Wohnen. Vor allem Azubis und Studenten sind darauf angewiesen. Aber immer häufiger auch Ältere, die sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten können, wenn sie in Rente gehen, sagt die IG BAU Rhein-Main. Foto: Nils Hillebrand

Odenwaldkreis. Jüngere und ältere Menschen zählen nach Einschätzung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt im Odenwaldkreis. Besonders Auszubildende hätten zunehmend Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Viele der rund 1.100 Azubis lebten noch bei ihren Eltern, oft nicht freiwillig, weil eigene Wohnungen oder WG-Zimmer zu teuer seien, erklärte Bruno Walle, Bezirksvorsitzender der IG BAU Rhein-Main.

Grundlage der Einschätzung ist der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat. Demnach scheitern Ausbildungsplätze teilweise bereits an fehlendem oder zu teurem Wohnraum. Das sei eine Entwicklung, die sich die regionale Wirtschaft nicht leisten könne, so Walle. Er fordert deshalb eine gezielte Förderung von Azubi-Wohnungen durch den Bund und das Land Hessen, insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren. Auch steuerliche Anreize für Betriebe, die Wohnraum für ihre Auszubildenden schaffen, hält die IG BAU für sinnvoll.

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Darüber hinaus warnt die Gewerkschaft vor zunehmender Wohnarmut im Alter. Im Odenwaldkreis werden nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 rund 12.900 Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente gehen. Viele von ihnen müssten mit niedrigen Renten auskommen und könnten sich ihre bisherigen Wohnungen dann kaum noch leisten, so die IG BAU.

Um den Druck auf die Mieten zu senken, fordert die Gewerkschaft einen deutlichen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Laut Studie müsste die Zahl der Sozialwohnungen bundesweit bis Mitte des kommenden Jahrzehnts von derzeit rund einer Million auf zwei Millionen steigen. Für Hessen bedeute das einen Bestand von 140.700 Sozialwohnungen bis 2035 – das entspreche einem jährlichen Neubau von etwa 11.200 Wohnungen. Voraussetzung dafür seien eine intensive Förderung durch Bund und Land, frühzeitig bereitgestellte Fördermittel sowie niedrigere Baukosten, etwa durch vereinfachte Baustandards. red

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