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Odenwaldkreis / Wiesbaden. Das hessische Kfz-Gewerbe begrüßt die heute vom Bundesumweltministerium vorgestellten Eckpunkte zur Förderung von Elektrofahrzeugen. Die geplanten Maßnahmen setzen wichtige Impulse für den Hochlauf der Elektromobilität und sorgen zugleich für mehr Planungssicherheit bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie im Kfz-Handel.

„Die neue Förderung setzt aus unserer Sicht die richtigen Anreize, um vielen Kundinnen und Kunden unserer Autohäuser den Einstieg in die Elektromobilität zu erleichtern“, erklärt Michael Kraft, Präsident des Landesverbandes Hessen des Kfz-Gewerbes.

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Herzstück der Förderung ist die Einbeziehung aller Elektrofahrzeuge mit Neuzulassung ab dem 1. Januar 2026 – sowohl vollelektrischer Fahrzeuge (BEV) als auch Plug-in-Hybride (PHEV), unabhängig davon, ob sie gekauft oder geleast werden. Vorgesehen sind Förderbeträge von 3.000 Euro für BEV und 1.500 Euro für PHEV für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro. Förderanträge sollen voraussichtlich ab Mai 2026 gestellt werden können; eine rückwirkende Antragstellung bis zu einem Jahr nach Zulassung ist vorgesehen.

Positiv bewertet der hessische Kfz-Verband insbesondere die soziale Staffelung der Förderung. Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen unter 60.000 Euro erhalten einen um 1.000 Euro erhöhten Förderbetrag. Liegt das Einkommen unter 45.000 Euro, kommen weitere 1.000 Euro hinzu. Zusätzlich ist für Familien ein Zuschlag von 500 Euro pro Kind vorgesehen, maximal für zwei Kinder. „Damit können im Idealfall Förderbeträge von bis zu 6.000 Euro erreicht werden. Es ist wichtig und richtig, dass Haushalte mit geringerem Einkommen sowie Familien gezielt stärker unterstützt werden“, so Kraft.

Kritisch sieht der Verband jedoch den geplanten Zeitpunkt der Antragstellung. Da Förderanträge voraussichtlich erst im Frühjahr möglich sein werden, ist mit einem hohen Antragsaufkommen zu rechnen. Dies könnte beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zu Verzögerungen führen und damit auch die Wirkung der Förderung hinauszögern – insbesondere für einkommensschwächere Haushalte, für die eine zeitnahe Auszahlung der Prämie ein entscheidender Kaufanreiz ist.

Ebenfalls kritisch bewertet der hessische Kfz-Verband den Ausschluss gebrauchter Elektrofahrzeuge von der Förderung. Eine Einbeziehung würde den E-Automarkt insgesamt beleben, die Nachfrage verbreitern und Elektromobilität für weitere Käufergruppen erschwinglicher machen. Zudem könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Restwerte von Elektrofahrzeugen leisten.

„Für einen nachhaltigen Hochlauf der Elektromobilität braucht es mehr als finanzielle Anreize“, betont Kraft abschließend. „Ein schneller Ausbau der Ladeinfrastruktur, niedrigere Stromkosten und klare Preistransparenz an Ladesäulen sind entscheidend, um die Akzeptanz und Nutzung von Elektrofahrzeugen dauerhaft zu steigern.“

Um zu erfahren, wie namhafte Odenwälder Autohäuser zu dieser neuen Förderung stehen, wurden von der Verkaufsleitung des Odenwälder Journals folgende vier Fragen formuliert, die anschließend von den beiden Erbacher Autohäusern Auto Böhm (Geschäftsführer: Stefan Schmied) und Autohaus Popp (Inhaber: Dirk Popp) sowie vom Michelstädter Autohaus Treffpunkt Thierolf (Prokurist und Verkaufsleiter: Max Lohnes) beantwortet wurden:

1. Was halten Sie von den neuen Fördermaßnahmen? Ist das ausreichend, oder haben Sie Verbesserungsvorschläge?
Auto Böhm: Die Förderrichtlinien wirken auf den ersten Blick deutlich einfacher in Hinblick auf die Förderfähigkeit der Fahrzeuge. Wir müssen uns keine Gedanken mehr machen wegen des Listenpreises der Fahrzeuge, des Herstelleranteils und eines Händleranteils wie bisher. Die Kundenseite muss jedoch nun genau prüfen, welche Summen erreicht werden können. Hier sollte nicht der Handel verantwortlich gemacht werden. Der Kunde muss den Antrag bei der BAFA eigenständig stellen, was wieder nur online erfolgen kann. Das kann für manche Kundinnen und Kunden zur Herausforderung werden. Positiv sehen wir die Möglichkeit, den Antrag bereits nach dem Kauf zu stellen, statt erst nach der Zulassung. Da der Kunde die Mittel jedoch in der Regel sofort benötigt, wenn es um eine Anzahlung für Finanzierung oder Leasing geht, wäre eine schnellstmögliche Auszahlung erforderlich.
Autohaus Popp: Auch Dirk Popp sieht die Förderrichtlinien als zu kompliziert an. Die Einkommensprüfung ist kompliziert und zu eng bemessen. Weiterhin ist es eine Einschränkung, dass nur neue Fahrzeuge bezuschusst werden, keine Tageszulassungen oder Vorführwagen.
Treffpunkt Thierolf: Ja, denn es gibt sehr attraktive Angebote, die nun noch günstiger werden. Die Abwicklung kann durchaus herausfordernd sein, daher raten wir zu einer persönlichen Beratung, die wir gerne durchführen.

2. Sehen Sie die Chance, mehr E-Autos und Hybride zu verkaufen?
Auto Böhm: Stefan Schmied rechnet mit einer deutlichen Steigerung der Nachfrage, da private Kundinnen und Kunden künftig einen Zuschuss erhalten, der ihnen bisher nicht zur Verfügung stand. Wir haben uns bereits auf die kommende Förderprämie vorbereitet und unser Lager gezielt für das Frühjahrsgeschäft aufgestockt. Zudem sind bei uns bereits Elektrofahrzeuge ab 20.000 Euro erhältlich. Besonders Leasing- und Finanzierungen werden deutlich attraktiver.
Autohaus Popp: Ob der Absatz steigen wird, ist sich Dirk Popp unsicher, da die Kriterien kompliziert, und der Zeitpunkt der Förderung noch in einiger Entfernung liegen.
Treffpunkt Thierolf: Ja, sicherlich werden einige neue Kunden dazukommen, die sich schon mit Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen beschäftigt haben und nun zuschlagen. Aufgrund unserer vielfältigen Modellpalette haben wir für jeden das richtige Fahrzeug.

3. Bestehen Möglichkeiten, das Gesetz zu verbessern?
Auto Böhm: Es ist bedauerlich, dass nur Neuwagen mit einer Kaufprämie gefördert werden. Gebrauchtwagen gehen leer aus. Das macht das Geschäft mit jungen gebrauchten EVs schwerer. Außerdem würden wir uns eine Förderung der Ladeinfrastruktur Zuhause wie auch im öffentlichen Raum wünschen. Auch der Ladestrompreis und die Abrechnungsmodelle könnten verbessert werden. Eine weiterführende Diskussion ist jedoch entbehrlich, da die entsprechende Entscheidung bereits getroffen wurde. Gut finden wir, dass mit einer Haltedauer von drei Jahren dem Missbrauchen der Förderung Einhalt geboten wird.
Autohaus Popp: Eine einfache und verständliche Förderung. Pauschal oder nach Kaufpreis gestaffelt, so wie es bereits praktiziert wurde. Das würde wirklich helfen und die Menschen würden es besser verstehen.
Treffpunkt Thierolf: Eine einfache, für jeden nachvollziehbare Förderstruktur und Abwicklung. Der Antrag zur Förderung kann voraussichtlich erst ab Mai gestellt werden, daher bleiben bisher noch einige Fragen offen.

4. Wie schnell kann ein Kunde ein Auto beziehen?
Auto Böhm: Das Autohaus Böhm bietet gemeinsam mit dem Hersteller BYD im Rahmen der aktuellen Aktion eine große Auswahl sofort verfügbarer Lagerfahrzeuge. Je nach Modell beträgt die Lieferzeit für Neubestellungen nur vier bis acht Wochen.
Autohaus Popp: Modellabhängig kann das Autohaus Popp kurzfristig neue Modelle liefern.
Treffpunkt Thierolf: Wir haben viele passende Fahrzeuge an Lager und sind auch kurzfristig lieferfähig. Auch individuell zusammengestellte Fahrzeuge sind innerhalb von wenigen Monaten lieferbar.

Matthias Mann

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