Odenwaldkreis. Kaum etwas bringt den Odenwald so zuverlässig in Bewegung wie die fünfte Jahreszeit. In den vergangenen Tagen wurde das einmal mehr deutlich: Von Seckmauern und Michelstadt über Lützel-Wiebelsbach bis hin zu Erbach und Beerfelden verwandelten sich Straßen, Plätze und Hallen in farbenfrohe Bühnen des närrischen Treibens – getragen von ehrenamtlichem Engagement, kreativer Fantasie und einer bemerkenswerten Wetter-Resilienz der Fastnachtsfans.
Besonders eindrucksvoll präsentierte sich der Umzug im Lützelbacher Ortsteil Seckmauern. Dort ist Fastnacht mehr als Brauchtum: Sie ist Gemeinschaftsaufgabe. Mit rund 64 Zugnummern, über 1.000 Aktiven, aufwendig gestalteten Motivwagen und Fußgruppen zog der Zug Tausende Besucher an. Der Ehrgeiz der teilnehmenden Gruppen, sich mit immer neuen Ideen zu übertreffen, ist legendär – und kostet Zeit, Geld und viele freiwillige Arbeitsstunden. Dass sich dieser Aufwand lohnt, zeigte sich nicht nur am großen Publikumszuspruch, sondern auch daran, dass einzelne Wagen weit über den Odenwald hinaus Beachtung finden.
In Michelstadt stand der Fastnachtssonntag unter dem Motto eines „Narrhalla Wunderlands“. Trotz kühler Temperaturen säumten zahlreiche Zuschauer die enge Innenstadt, um einen Zug mit 76 Nummern zu erleben – etwas größer als im Vorjahr, wenn auch den räumlichen Gegebenheiten angepasst. Aufwendige Großbauten waren die Ausnahme, dennoch kam die Mischung aus Kapellen, Wagen und Gruppen gut an. Sicherheitskonzepte mit Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst und Security sorgten dafür, dass das närrische Treiben weitgehend friedlich blieb.
Dass sich echte Narren vom Wetter nicht abschrecken lassen, bewiesen die Aktiven und Besucher in Lützel-Wiebelsbach. Nach nächtlichem Schneefall und anschließenden Regenschauern zog der Umzug pünktlich durch den Ort. Rund 40 Gruppen trotzten den Bedingungen – ausgestattet mit Regencapes und bester Laune. Bekannte Motivwagen aus den Nachbarorten, aber auch erstmals teilnehmende Gruppen, sorgten dafür, dass die Stimmung selbst graue Wolken verdrängte.
Mit den Umzügen in Erbach und Beerfelden fand die Straßenfastnacht schließlich ihren Abschluss. In Erbach führte ein erfahrener Zugmarschall knapp 50 Wagen und Fußgruppen durch die Stadt – begleitet von überraschend freundlichem Wetter und dicht gedrängten Zuschauerreihen, vor allem auf dem Marktplatz. Regionale Garden, Vereine und Gastgruppen prägten das Bild, ergänzt durch spektakuläre Wagenhöhen und tänzerische Darbietungen.
Weiter südlich durfte sich Beerfelden über viel Publikum freuen. Nach dem traditionellen Rathaussturm zog der Umzug mit 25 Nummern durch die Straßen, bevor das närrische Treiben in der Turnhalle weiterging. Zahlreiche örtliche Gruppen, Tanzformationen und Mottowagen zeigten die ganze Bandbreite dessen, was Fastnacht im Odenwald ausmacht: lokal verwurzelt, ideenreich und generationsübergreifend.
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Ob bei Regen, Kälte oder Sonnenschein – die Fastnacht im Odenwaldkreis hat auch in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen, wie lebendig das Brauchtum ist. Getragen von Vereinen, Ehrenamtlichen und vielen helfenden Händen wurde aus jedem Umzug mehr als nur ein närrischer Termin: nämlich ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt, Kreativität und Lebensfreude in der Region. Aleksandar Kerošević

