
Odenwaldkreis. Kevin Schmauß ist neuer hauptamtlicher Kreisbeigeordneter des Odenwaldkreises. In seiner Rede zur Amtseinführung im Kreistag machte er deutlich, dass er die Bedeutung des Odenwaldkreises als attraktiven Unternehmensstandort stärken will. „Wir können nur durch eine aktive Wirtschafts- und Strukturpolitik im Wettbewerb mit anderen Standorten bestehen“, sagte Schmauß. Dafür müsse jetzt etwas getan werden und nicht erst, wenn es zu spät sei. Mit Blick auf das Wirtschaftswachstum in der Region wolle er sich unter anderem für eine bessere Straßenanbindung des Odenwalds sowie einen pünktlicheren und verlässlicheren Bahnverkehr einsetzen.
Zuvor hatte Schmauß in der Erbacher Werner-Borchers-Halle vor Kreistagsvorsitzendem Rüdiger Holschuh den Amtseid abgelegt. Anschließend überreichte ihm Landrat Frank Matiaske die Ernennungsurkunde. Zum hauptamtlichen Kreisbeigeordneten war Schmauß bereits in der Kreistagssitzung am 22. Juni gewählt worden. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt auch die Wirtschaftsförderung.
In seiner Antrittsrede kritisierte Schmauß einen „massiven Reformstau“ im Bund sowie eine durch die Europäische Union beförderte Bürokratie. Beides schwäche die Wirtschaft und insbesondere den Mittelstand. Zugleich reiche es nicht aus, auf Missstände andernorts zu verweisen. Der Staat müsse Rahmenbedingungen in Infrastruktur und Verwaltung schaffen, die eine brauchbare Grundlage für Unternehmer böten und sie nicht nur behinderten und kontrollierten.
Der Kreistag nahm außerdem die Genehmigung des Haushalts 2026 und des Wirtschaftsplans des Eigenbetriebs Bau- und Immobilienmanagement Odenwaldkreis durch das Regierungspräsidium Darmstadt zur Kenntnis. Beide Zahlenwerke waren bereits in der Juni-Sitzung verabschiedet worden. Der Kreishaushalt weist Erträge von 232,6 Millionen Euro und Aufwendungen von 240,2 Millionen Euro auf. Damit ergibt sich ein Defizit von 7,6 Millionen Euro. Der Gesamtumlagesatz für die Städte und Gemeinden bleibt insgesamt bei 58 Prozent.
Für das Kreiskrankenhaus verlängerte der Kreistag die Bürgschaft für einen Kontokorrentkredit über 17,5 Millionen Euro bis Ende 2031. Bisher war die Bürgschaft bis Ende 2026 befristet. Die Summe ist Teil einer Kontokorrentkreditlinie von insgesamt 30 Millionen Euro. Weitere 12,5 Millionen Euro wurden vom Regierungspräsidium Darmstadt bereits unbefristet genehmigt. Die Kredite sind wichtig, damit das Krankenhaus jederzeit zahlungsfähig bleibt. Zusätzlich beschloss der Kreistag eine Patronatserklärung zugunsten des Kreiskrankenhauses gegenüber der Sparkasse Odenwaldkreis zur Absicherung des Zusatz-Kontokorrentkredits über 17,5 Millionen Euro.
Auch die neuen Patientenfürsprecher erhielten ihre Ernennungsurkunden. Christa Weyrauch war bereits in der vorherigen Sitzung des Kreistags gewählt worden. Zu ihrem Stellvertreter bestimmte das Gremium nun Lars Maruhn.
Beschlossen wurde außerdem der Lokale Nahverkehrsplan für die Fortschreibungsperiode 2025 bis 2029. Zuständig für den im Auftrag des Kreises erstellten Plan ist die Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH (OREG). Er soll die Mobilität und Erreichbarkeit für alle Bevölkerungsgruppen sichern, den demografischen Wandel berücksichtigen, die Barrierefreiheit ausbauen und einen ökologisch verträglicheren öffentlichen Verkehr fördern.
Auch die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum Einsatz alternativer Antriebstechnologien im Odenwaldkreis flossen in den Nahverkehrsplan ein. Damit sollen unter anderem die gesetzlichen Vorgaben zum Einsatz von Bussen mit Elektroantrieb erfüllt werden. Die im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingegangenen Anregungen wurden geprüft und bewertet. Sofern sinnvoll und finanzierbar, werden sie in den aktuellen Planungen berücksichtigt oder bei künftigen Planungen einbezogen.
Für Diskussionen sorgte ein Antrag der Grünen-Fraktion zum nächtlichen Einsatz von Mährobotern. Aus Gründen des Artenschutzes forderten die Grünen ein Verbot und eine entsprechende Allgemeinverfügung der Kreisverwaltung. SPD und CDU setzten dagegen auf eine Aufklärungskampagne der Verwaltung und wollten kein Verbot. Der Kreistag stimmte mit deutlicher Mehrheit für den Antrag von SPD und CDU. red




