Ein satirischer Wochenrückblick.

Mit allen Wassern gewaschen

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Wenn einem heute die Waschmaschine kaputtgeht, hat man wenigstens eine Ausrede, nicht zu waschen. Aber wenn man eine neue kauft, geliefert von Otto, gebaut von Bauknecht, dann weiß man nach zwei Tagen: Die Zivilisation hat offiziell fertig.
Plan war: Kaufen, liefern, anschließen, saubere Hosen. Tja. Was macht das High-Tech-Wunderwerk zum Dank beim ersten Probelauf? Es flutet den Raum.

Wer in Deutschland heute eine Hotline anruft, braucht keinen Kundenservice, sondern eine Dosis Psychopharmaka oder das, was die alten Männer morgens immer an der Trinkhalle in die Tasche stecken. Nachdem trotz erster Zusage von Otto nach zwei Tagen keine Mail mit einem Termin für die Reparatur kommt, ein erneuter Anruf. Man kämpft sich erst zehn Minuten durch KI-Dauerschleifen, nur damit der neue Otto-Mitarbeiter phantasielos abwinkt: „Nee, Reklamation läuft über den Hersteller.“

Ab zu Bauknecht. Nächster KI-Bot, nächste Warteschleife. Am Ende eine Dame am Telefon, die so klingt, als würde sie aus dem Homeoffice in Pakistan ein Skript ablesen, das eine künstliche Intelligenz für Schwererziehbare geschrieben hat. Ich schildere das Sturzflut-Problem. Ihre Lösungsansätze? Genial! Erstens: Den Wasserzulauf nur halb aufdrehen. Genau. Weil man Waschmaschinen ja am besten ohne Wasserdruck betreibt. Zweitens: Die Trommel bitte am besten leer lassen. Ich meine, wie klimaneutral ist das denn? Drittens: Das Flusensieb reinigen. Bei einer jungfräulichen Maschine, die noch nie ein Kleidungsstück von innen gesehen hat!

Weil das Wasser weiter munter durchs Bad schießt, rufst du noch mal an. Diesmal droht man dir sofort: „Wenn der Techniker kommt und es sich nicht um einen Herstellerfehler handelt, kostet das mindestens 280 Euro!“ Und bevor du antworten kannst, quatscht sie dir vor lauter Panik noch eine Zusatzversicherung für fünf Euro im Monat auf.

Nach vier Wochen – in denen ich kleidungstechnisch auf den Fundus von 2016 zurückgreifen musste, Mode war das damals schon nicht – kommt endlich der Techniker. Er schließt die Tür, es klingt zehn Minuten lang nach Totalschaden und Panzerschlacht, dann kommt er raus, hält mir sein Smartphone hin und die Übersetzungs-App tippt stumm: „Trommelschlauch undicht.“

Der soll nun wieder in Ordnung sein. Soll. Jetzt steht dieses Monster da. Ich habe mich seit Tagen nicht getraut, auf „Start“ zu drücken. Ich habe Angst vor der Hotline. Aber eins steht fest: Beim nächsten Mal fahre ich nach Mömlingen. Da gibt es einen Fachmarkt. Da arbeiten noch Menschen. Die sprechen Deutsch, die verkaufen Geräte, die funktionieren, und vor allem: Die haben keine KI im Kundenservice.

Bleiben Sie wachsam, Ihr Tim Tollkühn

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