Blackout Problems Foto: Paul Ambrusch

Marbach-Stausee. Mit ihrer Mischung aus verschiedenen Subgenres der Rockmusik zählen Blackout Problems zu den erfolgreichsten deutschen Rockbands der Gegenwart. Seit ihrem Debüt erreichte jedes neue Studioalbum der Band eine höhere Platzierung in den deutschen Albumcharts als das vorherige – zuletzt landete „Riot“ (2024) sogar auf Platz fünf. Am 31. Juli stand die Münchner Band erstmals beim „Sound of the Forest“ auf der Bühne. Wenige Stunden vor ihrem Auftritt gab Sänger Mario Radetzky dem Odenwälder Journal im Namen der Band ein Interview.

Odenwälder Journal: Ihr spielt unzählige Open-Airs – was unterscheidet den Auftritt beim „Sound of the Forest“ für euch von anderen Festivals?
Blackout Problems: Für uns ist heute besonders, dass wir zum ersten Mal hier sind. Wir haben schon viel vom Festival gehört, aber ich glaube, wir fallen mit unserer lauteren und etwas wilderen Art aus dem Line-up heraus. Genau das mag ich: Wenn wir auf Festivals spielen, auf denen wir die Paradiesvögel sind, weiß man nie genau, was passiert. Routine ist das Schlechteste – am besten wird man ins kalte Wasser geworfen. Ich bin deshalb sehr gespannt, wie das „Sound of the Forest“-Publikum auf uns reagieren wird.

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Odenwälder Journal: Eure Musik lässt sich zwischen Alternative Rock, Post-Hardcore und Dark Pop verorten. Warum gerade diese Mischung?
Blackout Problems: Das habe ich mich selbst schon gefragt. Wenn wir keine Rockmusik machen würden, dann vermutlich Techno oder Hip-Hop. Aus dem Hip-Hop übernehmen wir die Direktheit der Texte, aus dem Techno das sphärische und lange Hineingleiten in ein Gefühl. Deshalb spielen wir live auch längere Songs und nicht nur kurze Stücke hintereinander. Rock ist für uns aber die Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Der Griff zur Gitarre und das gemeinsame Musizieren als Band haben sich immer natürlich und bis heute richtig angefühlt.

Odenwälder Journal: Auf eurem Album „Riot“ treiben Synthesizer die harten Gitarren voran. Wie entscheidet ihr im Songwriting, welches Instrument die emotionale Führung übernimmt?
Blackout Problems: Die wichtigste und emotionalste Rolle übernimmt immer der Gesang. Text und Stimme transportieren die stärksten Gefühle, alle anderen Instrumente unterstützen das. Das war früher anders, weil ich mir als Sänger ohne klassische Gesangsausbildung diese Rolle erst erarbeiten musste. Heute achten wir darauf, dass die gesamte Band die Emotion trägt. Mal übernimmt ein Synthesizer, mal eine Gitarre oder der Gesang die Melodieführung – entscheidend ist aber das Zusammenspiel. Kein Instrument könnte fehlen, weil jedes einzelne notwendig ist, um die Gesamtwirkung zu erzeugen.

Odenwälder Journal: Baut ihr eure Songs eher vom Computer-Loop oder von der Gitarre aus auf?
Blackout Problems: Meistens von der Gitarre. Trotz der Synthesizer ist sie mein Hauptinstrument und der schnellste Weg, neue Songs zu schreiben.

Odenwälder Journal: Euer Song „Blackroom“ hat vielleicht den abstraktesten Text auf „Riot“. Wie erklärt ihr selbst die Handlung, Themen und Metaphern dieses Liedes? Was hat euch persönlich dazu inspiriert?
Blackout Problems: Ich lasse solche Songs bewusst offen, damit jeder seine eigene Geschichte darin finden kann. Natürlich steckt für mich eine ganz konkrete persönliche Geschichte dahinter, an die ich auch heute noch denke, wenn wir den Song live spielen. Manche Dinge möchte ich aber nicht erklären, weil ich die Vorstellungen der Hörer nicht beeinflussen möchte – und weil sie zu privat sind. Meine Texte sind generell sehr privat und autobiografisch.

Odenwälder Journal: Ihr habt erst vor wenigen Tagen eure „Bootleg-Live-Serie“ gestartet. Was war die Motivation dahinter?
Blackout Problems: Wir zeichnen möglichst jedes Konzert auf und haben inzwischen viel Material gesammelt. Daraus möchten wir regelmäßig Live-Versionen veröffentlichen – als Erinnerung für die Menschen, die unsere Konzerte besucht haben. Gleichzeitig ist es für uns jedes Mal eine Herausforderung, live so gut zu spielen, dass wir die Aufnahmen zufrieden veröffentlichen können. Als klassische Live-Band spornt uns das zusätzlich an.

Odenwälder Journal: Dadurch seid ihr vermutlich bei jedem Auftritt besonders motiviert, weil jedes Konzert veröffentlicht werden könnte.
Blackout Problems: (lacht) Ja. Während des Konzerts denkt man dann schon manchmal: Mist, den Fehler hört man jetzt auch auf der Aufnahme.

Odenwälder Journal: Worauf achtet ihr, wenn ihr eure Musikvideos entwickelt?
Blackout Problems: Wir beschäftigen uns intensiv mit Melodie und Text und überlegen, welche Bilder dadurch entstehen. Seit 2015 arbeiten wir dabei mit Bernhard Schinn zusammen. Er begleitet uns bei jedem Album, hört sich früh die Demos an und entwickelt mit uns Ideen für die Musikvideos. Er ist ein Freund der Band, sagt uns ehrlich, wenn ihm etwas nicht gefällt, und überrascht uns oft mit völlig neuen Bildwelten, auf die wir selbst nie gekommen wären. Genau das schätzen wir an der Zusammenarbeit.

Odenwälder Journal: Welche Pläne habt ihr für die nahe und die fernere Zukunft?
Blackout Problems: Nach der Festivalsaison wollen wir uns ganz auf das Songwriting konzentrieren, damit wir im nächsten Jahr mit neuer Musik zurückkommen können. Neue Songs bedeuten für uns immer auch eine neue visuelle Welt mit Videos, Bildern, Pressetexten und vielem mehr. Da wir ohne Management und ohne Label arbeiten, unsere Musik selbst produzieren und alles in Eigenregie umsetzen, ist jedes Album ein riesiges Mammutprojekt – es ist wie ein Buch zu schreiben.

Odenwälder Journal: Wollt ihr künftig noch weitere Rock-Subgenres oder sogar ganz andere Genres ausprobieren?
Blackout Problems: Unser Ziel ist es, das Genre „Blackout Problems“ weiterzuentwickeln. Wir möchten so unverwechselbar werden, dass jeder unsere Musik sofort erkennt. Mit jedem Album rückt unsere eigene Identität stärker in den Vordergrund und die Vergleiche mit anderen Bands werden weniger. Das ist uns wichtig. Früher empfand ich Vergleiche mit anderen Bands nie als Kompliment. Heute kommen die Menschen zu unseren Konzerten, weil sie Blackout Problems erleben wollen – wegen der Energie und der Emotionen. Genau das möchten wir weiter ausbauen.

Text und Interview: Aleksandar Kerošević

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