Ein beliebtes historisches Motiv aus Reichelsheim zeigt vorn die Wiese, die vom unteren der drei Seen bedeckt war, die Zentscheune, links daneben das ehemalige Gemeindebackhaus, oben die Weinberge mit dem Wingertshäuschen sowie darüber Schloss Reichenberg. Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald

Reichelsheim. Am Fuß des Reichenberges, östlich der drei Reichelsheimer Seen, von diesen durch den Fußweg zum Schloss Reichenberg getrennt, erhob sich die Zentscheune. Es ist der Ort, an dem heute die Reichenbergschule steht. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter am Hang des Berges, stand das Gemeindebackhaus.

Die Scheune dürfte noch bis zur Auflösung der Grafschaft Erbach 1806 zur Lagerung des „Zehnten“ genutzt worden sein. Danach waren diese Abgaben nach und nach entfallen und die Zentscheune verlor ihren eigentlichen Bestimmungszweck. Sie wurde an einzelne Landwirte zur Einlagerung von Erntevorräten verpachtet. Zu dieser Zeit waren in dem Gebäude zeitweise auch Schafherden untergebracht, die in der Reichelsheimer Gemarkung Weiderechte hatten. Das brachte der Zentscheune zusätzlich den Namen „Schafbau“ ein.

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In den Siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden sie abgebrochen und die einzelnen Baustoffe wurden zur weiteren Verwendung verkauft. Einen Teil des Holzes findet man noch heute in der Scheune des Anwesens Darmstädter Straße 23. Auch das Backhaus wurde vermutlich um dieselbe Zeit niedergelegt.

Das Gelände wurde in Gartenparzellen aufgeteilt. Später diente der Platz, auf dem die Zentscheune stand, ein paar Jahre lang der Gemeinde als Turn- und Sportplatz.

In der Zeit um 1934 entstand auf dem Platz das Reichsarbeitsdienstlager. Dessen Eingang war an der heutigen Beerfurther Straße ungefähr gegenüber von Haus Nr. 35. Im Rahmen der Auflösung des RAD-Lagers erwarb die Bevölkerung den verwertbaren Hausrat. So wurden zum Beispiel aus den blau-weiß-karierten Bettbezügen Dirndlkleider und aus dem roten Stoff der Hakenkreuzfahnen die dazu passenden Schürzen genäht. Die Holzbaracken dienten als einfache Wohnungen für Familien oder wurden teilweise abgerissen.

Auf dem Platz erbaute die Gemeinde 1953 die Volksschule mit der Turnhalle, heute Reichenberg-Schule. Die letzten Baracken verschwanden in den Sechziger Jahren und machten hinter der Schule Platz für das heutige Feuerwehrgebäude sowie das Freizeitgelände daneben, dessen Grill von der Reichelsheimer Trachtengruppe aus Sandsteinen aus dem 1980 abgerissenen Bahnhofsgebäude des Odenwälder Lieschens entstand. Wolfgang Kalberlah

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