Aufnahme aus dem Fotoarchiv des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald

Reichelsheim. Anfang der 1950er Jahre existierte in der Gemeinde ein „Diskussionskreis Reichelsheim“. Dieser ging Mitte Juli 1951 in die „Volkshochschule, Arbeitskreis Reichelsheim“ über. Aus diesem Anlass gab der Leiter des Diskussionskreises, Lehrer Mentzlaw aus Groß-Gumpen, einen Überblick über Wesen und Aufgabe der Volkshochschule. Er führte aus, dass sie parteipolitisch und konfessionell ungebunden sein und durch Vorträge allgemeinbildender Art sein sowie durch Diskussionen und berufliche Kurse der Erwachsenenbildung dienen soll. Lehrer Mentzlaw wurde anschließend zum ersten Vorsitzenden der neuen Organisation gewählt.

Am 13. Oktober 1951 erfolgte die feierliche Eröffnung der Volkshochschule im Gasthaus „Zum Adler“. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich Schulrat Göbel aus Erbach, das Reichelsheimer Lehrerkollegium, Dekan Karl Baumann und Bürgermeister Nicklas. Schulrat Göbel würdigte die Arbeit der VHS in der Erwachsenenbildung.

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Zwei Jahre später, am Samstag, dem 24. Oktober 1953, wurde im Rahmen einer Feierstunde das erste Volkshochschulheim des Odenwaldes in der neu errichteten Volksschule am Fuße des Reichenberges eingeweiht. Es handelte sich dabei um einen Film-Vorführraum, der dem örtlichen Arbeitskreis der VHS von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Zu der Feierstunde hatten sich neben anderen Gästen der erste Vorsitzende der Volkshochschule für den damaligen Kreis Erbach, Regierungsrat Zörgiebel, Schulrat Göbel, Bürgermeister Nicklas und der erste Vorsitzende des VHS-Arbeitskreises, Lehrer Mentzlaw, sowie die Gemeindevertretung und die Lehrer der Reichelsheimer Schulen eingefunden.

Regierungsrat Zörgiebel dankte der Gemeinde Reichelsheim für die Überlassung des Raumes und betonte, dass sie damit den anderen Odenwaldgemeinden mit gutem Beispiel vorangegangen sei. In seiner Rede betonte Kreisschulrat Göbel „die Notwendigkeit, in der geistigen Not unserer Zeit neben der beruflichen Fortbildung auch die Seele des Menschen stark zu machen.“

Nachdem Bürgermeister Nicklas offiziell übergeben hatte, gab Lehrer Mentzlaw einen genauen Überblick über die Entwicklung der Erwachsenenbildung in Reichelsheim seit der Gründung des Diskussionskreises bis zur Eingliederung in die VHS.

Eine Mitarbeitertagung im Gasthaus „Zum Adler“ schloss die Einweihung ab. Abends erfolgte im Adler-Saal die festliche Eröffnung der Winterarbeit des Arbeitskreises Reichelsheim mit einem Lichtbildervortrag von Dipl. Ing. Frentz, Stuttgart, über das Thema „Länder in Europa“.

1954 fand in der Volkshochschule ein Rundgespräch mit dem Thema „Jugend wohin?“ statt. Dazu nahmen ein Jugendpfarrer, ein Bezirksjugendpfleger, der Kreisjugendpfleger, die Reichelsheimer Pfarrer und Lehrer sowie zahlreiche Eltern Stellung. Es wurde dabei allgemein festgestellt, dass in früherer Zeit der junge Mensch im Elternhaus und durch die bestehende Gesellschaftsordnung mehr gebunden war als zum Zeitpunkt der Tagung. Die gegenwärtige Jugend sei nicht besser und nicht schlechter als die frühere. Es zeige sich jedoch, dass die jungen Menschen zu einem sehr großen Teil die ihnen gewährten Freiheiten in ihrer Lebensgestaltung missbrauchen. Die alte Weisheit „Bewahre die Ordnung und sie wird dich bewahren“ müsse bei der Erziehung in Elternhaus, Schule und Berufslehre mehr zur Geltung kommen, damit die Jugend mit ihrer Freiheit sinnvoller umgehen lerne.

Weitere Vortragsreihen folgten, so zum Beispiel im selben Jahr zum Thema „Was unsere Jugend liest, geht uns alle an“ von Lehrer Metzker aus Momart. Verbunden damit war eine Buchausstellung. Wolfgang Kalberlah

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