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Michelstadt. Wer am Abend des 11. Juni den Michelstädter Marktplatz betrat, spürte sofort: Hier beginnt etwas Besonderes. Mit einem Fest voller Geschmack, Geschichte und Heimatgefühl sind die 3. Odenwälder Genusswochen im Apfelweinhaus Schwarzer Adler eröffnet worden – und der Auftakt hätte kaum eindrucksvoller ausfallen können.
Schon beim Empfang unter freiem Himmel zeigte sich, worum es bei den Genusswochen geht: regionale Produkte, handwerkliches Können und die Liebe zum Odenwald. Auf frisch gebackenem Fladen wurden Blutwurst mit Apfel-Zwiebeln, Wildschweinschinken und vegetarische Varianten serviert, begleitet von einem Aperitif, der die Gäste auf einen Abend einstimmte, der weit mehr sein sollte als ein gewöhnliches Menü.
Denn im Schwarzen Adler trafen gleich zwei Anlässe aufeinander. Mit der Eröffnung der Genusswochen begann zugleich ein Jubiläumswochenende für ein Haus, das seit drei Jahrhunderten zum Michelstädter Stadtbild gehört. Das traditionsreiche Gasthaus feiert in diesem Jahr seine 300. urkundliche Ersterwähnung – und steht damit wie kaum ein anderes Gebäude für die Geschichte der Stadt.
Gastgeber Rekha und Fritz Krings hatten gemeinsam mit ihrem Team einen Abend vorbereitet, der kulinarische Höhepunkte mit Geschichten aus drei Jahrhunderten verband. Moderatorin Rekha Krings führte die Gäste durch das Programm, erinnerte an die Bedeutung lebendiger Gasthäuser für das gesellschaftliche Leben und schlug immer wieder die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Gerade in Zeiten, in denen vielerorts traditionsreiche Wirtshäuser verschwinden, wird deutlich, warum der Erhalt solcher Orte weit über die Gastronomie hinaus Bedeutung besitzt.
Dabei ist die Geschichte des Schwarzen Adlers selbst ein Beispiel für Beharrlichkeit. Kurz vor Beginn der furchtbaren Corona-Lockdowns übernahmen die heutigen Eigentümer das Haus und hielten trotz schwierigster Rahmenbedingungen an ihrem Engagement fest. Ihr Ziel war es, einen historischen Treffpunkt im Herzen Michelstadts zu bewahren und ihn als lebendigen Bestandteil der Altstadt weiterzuführen.
Kulinarisch präsentierte sich der Odenwald an diesem Abend von seiner besten Seite. Nach einer raffiniert interpretierten Vorspeise folgte eine Kräutersuppe mit geräucherter Odenwaldforelle, bevor zarte Ochsenbäckchen vom regionalen Rind den Hauptgang bildeten. Vegetarische Alternativen standen selbstverständlich ebenfalls auf der Karte. Den süßen Schlusspunkt setzte ein Dessert aus Apfelküchle, Vanilleeis und fruchtigen Beeren. Begleitet wurden die einzelnen Gänge von Weinen regionaler Winzer, Bier aus dem Odenwald und traditionellem Apfelwein.
Für musikalische Unterhaltung sorgte Christoph Fuchs, der mit Gitarre, Witz und viel Gespür für sein Publikum den Abend begleitete. Immer wieder wurde gelacht, mitgesungen und applaudiert. Auch die Odenwälder Kartoffelkönigin Louisa I., Kartoffelprinzessin Melanie I. und weitere Hoheiten verliehen der Veranstaltung einen festlichen Rahmen. Mit einem Konfettiregen eröffneten sie offiziell die Genusswochen.
Zu den Gästen zählten Vertreter aus Gastronomie, Landwirtschaft, Tourismus, Politik und Wirtschaft. Ein besonderer Moment war die Übergabe der Jubiläumsurkunde durch den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, der damit die außergewöhnliche Geschichte des Hauses würdigte.
Als schließlich Köche und Servicepersonal unter großem Beifall in den Saal gebeten wurden, war spürbar, dass dieser Abend mehr gewesen war als eine festliche Eröffnung. Er war ein Bekenntnis zur regionalen Küche, zu den Menschen hinter den Produkten und zu einer Gastlichkeit, die den Odenwald prägt.
Die Genusswochen laufen noch bis Ende Juni in insgesamt 20 teilnehmenden Betrieben. Der Schwarze Adler hat die Messlatte zum Auftakt jedenfalls hoch gelegt. Oder anders gesagt: Der Odenwald hat seinen Appetit auf den Sommer entdeckt. Aleksandar Kerošević
