
Bad König-Zell. Die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt trifft Bürger, Pendler und Unternehmen mit voller Wucht – während Bürgermeister Frank Hofferbert schwere Vorwürfe gegen Hessen Mobil und die Landespolitik erhebt. Die Geduld vieler Menschen im Odenwaldkreis ist am Ende. Als wäre die Belastung durch die Sperrung der Zeller Brücke nicht schon groß genug, hat nun auch die wichtigste Ausweichroute schlappgemacht: Die Ortsdurchfahrt im Helmertweg musste aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt werden, nachdem sich der Fahrbahnbelag infolge der hohen Temperaturen massiv verformt hatte.
Was zunächst wie eine kuriose Sommermeldung klingt, entwickelt sich sowohl für den Bad Königer Stadtteil als auch für den Odenwaldkreis zu einem handfesten Verkehrsproblem. Denn die Strecke hatte in den vergangenen Monaten einen erheblichen Teil des Verkehrs aufgenommen, der wegen der Brückensperrung andere Wege suchen musste. Die zusätzliche Belastung setzte einer Straße zu, die dem Druck offenbar nicht mehr standhalten konnte.
Zwar dürfen Anwohner weiterhin bis zu ihren Grundstücken fahren, auch Rettungsdienste, Busse und Entsorgungsfahrzeuge kommen durch. Für den übrigen Verkehr ist jedoch Schluss. Autofahrer müssen auf das umliegende Straßennetz ausweichen – etwa über die L 3414 Langenbrombach, Weiten-Gesäß oder über die L 3349 bei Vielbrunn.
Immerhin gibt es inzwischen einen Fahrplan für die Reparatur. Jetzt nach Fronleichnam soll die beschädigte Deckschicht entfernt und anschließend eine neue Asphaltdecke eingebaut werden. Nach Angaben der Verantwortlichen wird die Maßnahme voraussichtlich mindestens eine Woche in Anspruch nehmen. Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt dabei einem darunterliegenden Kanal, dessen Zustand während und nach den Arbeiten überprüft werden muss.
Für zusätzlichen Unmut sorgt die politische Dimension des Falls. Bad Königs Bürgermeister Frank Hofferbert macht keinen Hehl daraus, dass er sich von Hessen Mobil und der Landespolitik stärkeres Engagement gewünscht hätte. Die Stimmung im Ort sei angespannt, viele Bürger hätten kaum noch Verständnis für die immer neuen Einschränkungen. Besonders am Pfingstwochenende habe er sich mehr Unterstützung und bessere Erreichbarkeit der zuständigen Stellen erhofft.
Die Lage wird zudem dadurch erschwert, dass die Bauverwaltung der Stadt derzeit personell geschwächt ist. Ausfälle wichtiger Mitarbeiter sorgen dafür, dass zusätzliche Aufgaben nur mit Mühe bewältigt werden können.
Für Bad König-Zell und den Odenwaldkreis bleibt damit die Hoffnung, dass die angekündigten Arbeiten zügig verlaufen und die wichtige Verbindung schnell wieder freigegeben werden kann. Bis dahin heißt es für viele Verkehrsteilnehmer: Umwege fahren, Zeit verlieren – und weiter Geduld aufbringen. Aleksandar Kerošević
