Bild von Pexels auf Pixabay

Deutschland im kollektiven Dauerkrisenmodus. Zwischen Haushaltslöchern, Bahnstreiks und der ewigen Suche nach dem gesellschaftlichen Kompass brauchten wir dringend eins: Ablenkung. Und zwar sofort. Auftritt Timmy. Ein sichtlich erschöpfter Wal, der sich ausgerechnet die deutsche Küste ausgesucht hatte, um seine letzten Tage zu verbringen. Was für den Wal ein intimer, natürlicher Rückzugsort sein sollte, wurde für die Bundesrepublik zum medialen Großereignis. Wenn wir schon die großen Probleme nicht gelöst kriegen, dann retten wir wenigstens diesen einen Wal! Sofort lief die teure Maschinerie an. Unmengen Geld wurden mobilisiert, Hubschrauber kreisten, Spezialschiffe rückten aus und Heerscharen von vermeintlichen Naturschützern warfen sich in High-Tech-Watthosen. Dabei wollte Timmy vermutlich einfach nur eins: in aller Ruhe sterben. Es ist der ewige Lauf der Natur. Jedes Mal, wenn der gequälte Meeressäuger sich dem erlösenden Ufer näherte, um friedlich einzuschlafen, wurde er von hyperaktiven Rettern mit großem Hallo und unter Aufwendung immenser Spendengelder wieder zurück ins tiefe Wasser gezerrt. „Du stirbst uns hier nicht, Kumpel, wir haben schließlich ein Budget für dich blockiert!“, schien die Devise zu lauten. Das Ausland bog sich derweil vor Lachen. Während andere Nationen bei gestrandeten Walen das Unvermeidliche akzeptieren, sahen sie im deutschen „Projekt Timmy“ den absoluten Gipfel des moralischen Übereifers. Ein Volk im Rettungswahn, das vor lauter Helfersyndrom das Sterben verbieten will. Nun hat Timmy es doch geschafft – ganz ohne Erlaubnis der Behörden. Er geht jetzt in den Naturkreislauf über, füttert die Krebse und ruht endlich in Frieden. Zurück bleiben ratlose Aktivisten mit ungenutzten Spendengeldern und ein Land, das sich nun wohl oder übel wieder mit sich selbst beschäftigen muss. Tschüss, Timmy. Danke für die kurze Pause vom Alltag.

Bleiben Sie wachsam,
Ihr Tim Tollkühn

Vorheriger ArtikelBienenmarkt-Busse rollen nachts durch!
Nächster ArtikelKaffee mit der Polizei

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein