Zoff mit Direktor an der Ernst-Göbel-Schule: Schüler streiken für Lehrer

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„Der muss gehen, weil der Direktor Guinet keinen Bock mehr auf den hatte!“ Das sagte ein Schüler der Ernst-Göbel-Schule (EGS) in Höchst, der mittendrin war am Montagmorgen, mittendrin in einem Streik der Schüler gegen die beabsichtigte „Abordnung“, heißt zeitweilige Versetzung des Oberstufenleiters Rüdiger Wehde an eine andere Schule des Kreises.

Punkt neun Uhr versammelten sich Dutzende Schüler und Schülerinnen auf dem Pausenhof der Schule, hielten ein Transparent mit großen Lettern in die Höhe: „Herr Wehde muss bleiben“, skandierten die jungen Leute zugleich und liefen einmal quer durch die Schulgebäude.

Leistungskurse in Gefahr
Ursprung der Konflikte sollen Diskussionen unter der Schüler- und Lehrerschaft sein, wonach die Leistungskurse nach dem Willen des Direktors Ralf Guinet und stellvertretenden Direktors Dennis Kroeschell zeitlich auf „Bänder“ gelegt werden sollen, so dass nicht mehr alle Kombinationen möglich sind und nicht alle Schüler die Kurskombinationen belegen können, die sie sich wünschen. „Deshalb können wir nur noch eingegrenzte Fächerkombinationen wählen“, erzählte eine Schülerin, die ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte.

Außerdem sollen die Leistungskurslehrer dann nicht mehr frühzeitig angegeben werden, was eine „immense Beschränkung“ des Informationsrechts sei. Schließlich könne nicht jeder Schüler mit jedem Lehrer. „Die Wahlfreiheit muss gegeben sein.“ Auch ein Lehrer bestätigte: „Erst haben wir nicht nur im Landkreis damit geworben, dieses große Angebot zu haben, jetzt beschneiden wir alle Freiheiten.“ Man wolle sich auch im Kollegium dafür einsetzen, dass es beim bewährten Verfahren bleibe. An der EGS versuche man alles für die Schüler, meinte ein anderer Lehrer.

„Abordnung“ nach offenem Brief
Gerade Wehde als Leiter der Oberstufe habe sich sehr dafür eingesetzt, dass diese neue Regelung nicht umgesetzt wird, schließlich kämen sogar Schüler aus dem Bayerischen nach Höchst wegen der Wahlfreiheit der Leistungskurse.

Das Geschmäckle an der Sache: die Androhung einer „Abordnung“ an eine andere Schule erhielt Wehde, nachdem er einen offenen, sehr kritischen Brief an den Rektor und das Kollegium mit dem Vorwurf des Mobbings von Seiten des Schulleiters geschrieben hatte.

Kritisch sieht diese Eigendynamik der Ereignisse Georg Grabowski, Sozialpädagoge an der EGS. „Die Ruhigen werden ruhiger, die Lauten lauter“, fasste er die aktuelle Situation zusammen. Es gäbe inzwischen eine heikle Lagerbildung von Schülern, Lehrern und Eltern. „Ein Teil akzeptiert, dass sich die Schule nicht erst seit Corona verändern muss, der andere Teil rebelliert dagegen.“

Grabowski sieht die Ursache der Konflikte in dem unterschiedlichen Willen zur Veränderung. „Da wird von den Unterstützern Wehdes bewusst mit den Ängsten der Schüler gespielt.“ Nicht zuletzt „sträubt sich Wehde gegen die Veränderungen mit allen Mitteln und instrumentalisiert dafür auch die Schüler“.

Äußern möchte sich Schulleiter Guinet auf mehrmalige Nachfrage zum Sachverhalt nicht, weiß er doch kurz vor neun Uhr auch noch nichts von dem Streik, der folgen wird. Zugegen, als sich die Schüler auf dem Pausenhof positionieren, macht er Handyfotos und schweigt nach einem kurzen Verweis auf das Schulamt. „Frau Hertz ist bereits informiert.“

Schulamtsleiterin beschwichtigt
Susann Hertz, Amtsleiterin des zuständigen Staatlichen Schulamts in Heppenheim, ist besorgt angesichts der Ausmaße, die die Angelegenheit angenommen habe. „Nicht alle Schüler sind ausreichend informiert“, so Hertz, dann wäre die Situation eine andere. Zum anderen hätten sich die Schüler dem Austausch verweigert.

Ins Detail kann und möchte Hertz in der Angelegenheit nicht gehen, da das Verfahren um die mögliche Abordnung Wehdes und die Änderung der Kursplanung noch nicht abgeschlossen seien. „Gespräche laufen mit allen Beteiligten.“ Nicht nur Grabowski sieht es als notwendigste Aufgabe, den „Schulfrieden wiederherzustellen“.

Auch Schuldezernent Oliver Grobeis von der Landkreisverwaltung ist über die Konflikte an der EGS informiert. Zuständig sei jedoch das Kultusministerium, heißt, das Land Hessen, nicht der Odenwaldkreis. „Wir stehen aber als Vermittler zur Verfügung, bereits morgen werden weitere Gespräche stattfinden.“ Sandra Breunig

2 Kommentare

  1. Michelstadt und Groß-Umstadt können sich schon über mehr Anmeldungen für die Oberstufe freuen.
    Mit einer Entscheidung, die Wahl möglicher Leistungskurse derart einzuschränken, kann sich eine kleine Oberstufe wie in Höchst ihr eigenes Grab schaufeln.
    Da diese Entscheidung nicht von der Gesamtkonferenz und von der Schulkonferenz zu recht nicht mitgetragen wird, kann ich die Reaktion der Eltern und Schüler:innen mehr als Verstehen. Und das weder Schulleiter noch Stellvertreter über den eine Stellungnahme abgeben, sagt einiges aus. Ein solches Vorgehen, Entscheidungen ohne Einbeziehen der Gremien durchzudrücken, ist an modernen Schulen zum Glück unüblich geworden.
    Dass stattdessen ein Sozialpädagoge das Interview gibt, der zum einen nicht in die Unterrichtsentwicklung involviert ist und dessen Anstellung zum anderen im Unterschied zum Lehrerkollegium von Willen und Sympathie der Schulleitung abhängt.
    Der Aufbau der Oberstufe in Höchst war ein guter und wichtiger Schritt für eine bessere und ausgewogenere Schullandschaft im Odenwald. Das dieser jetzt von Schulleiter und Stellvertreter, die zu dieser an anderen Schulen waren, aufs Spiel gesetzt wird finde ich als Ex-Odenwälder äußerst traurig.
    In der Hoffnung, dass hier die Vernunft siegen wird und die Schüler:innen in Höchst ihre Vielfalt behalten können.

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